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Instrumentenkunde › Zupfinstrumente (elektrisch)

Der E-Bass

Das elektrische Bassinstrument der Popularmusik – zusammen mit dem Schlagzeug die Rhythmusgruppe, die das harmonische Fundament und den Groove einer Band trägt.

Der E-Bass klingt eine Oktave unter den vier tiefen Gitarrensaiten und ist wie der Kontrabass in Quarten gestimmt. In fast jeder Band liefert er die Grundtöne der Harmonie und verbindet sie mit dem Schlagzeug zu einem Groove. Gute Bassistinnen und Bassisten stehen selten im Rampenlicht – und doch hört man sofort, wenn ihr Timing nicht stimmt. Seit Leo Fenders Precision Bass von 1951 hat der E-Bass den Kontrabass in Rock, Pop, Soul, Funk, Reggae, Metal und großen Teilen des Jazz abgelöst und eine eigene Welt aus Techniken, Klängen und Virtuosen hervorgebracht – von James Jamersons Motown-Linien über Larry Grahams Slap und Jaco Pastorius’ bundlosen Gesang bis zu Richard Bona und Victor Wooten.

Einstiegsalterab ca. 9–10 Jahren; mit Shortscale ab ca. 8
Lautstärkeüber Verstärker regelbar, Kopfhörer möglich
Kosten EinstiegBass + Übungsverstärker ca. 300–600 €
BesonderheitTiming und Groove wichtiger als Tempo

1Überblick und Einordnung

Der E-Bass ist ein elektrisches Zupfinstrument mit Bünden (oder bundlos), meist massivem Korpus und magnetischen Tonabnehmern. Wie der Kontrabass wird er im Bassschlüssel eine Oktave höher notiert als er klingt. Mit der E-Gitarre teilt er Bauweise, Elektronik und die Grundlogik des Griffbretts; seine musikalische Aufgabe ist aber eine ganz andere: Fundament, Puls, Verbindung zwischen Harmonie und Rhythmus.

Im Englischen heißt das Instrument electric bass, bass guitar oder einfach bass; frühe Bezeichnungen waren Fender bass (der Name wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren fast zum Gattungsbegriff). In Studios der 1960er-Jahre sprach man von „Bass-Gitarre“, um sie vom Kontrabass („string bass“) zu unterscheiden.

2Geschichte

Vorläufer

In Swing- und Tanzorchestern der 1930er-Jahre war der Kontrabass im Lautstärkewettbewerb mit Bläsern und verstärkten Gitarren oft kaum hörbar; zudem war er groß und schwer zu transportieren. Der Musiker und Instrumentenbauer Paul Tutmarc aus Seattle baute 1935/36 mit dem Audiovox Model 736 Bass Fiddle eine elektrische, waagerecht gespielte Bassgitarre mit Bünden – der erste bekannte elektrische Bass dieser Art. Er blieb kommerziell erfolglos. Ebenso existierten elektrische „Stick“-Kontrabässe (Rickenbacker, Vega, Regal) ohne Durchbruch.

Fender Precision Bass

  • 1951 Leo Fender stellt den Precision Bass vor: Solidbody-Korpus wie die Telecaster, angeschraubter Ahornhals mit Bünden („präzise“ Intonation), 34″-Mensur, ein Single-Coil-Tonabnehmer. Der Bass ist handlich, laut und rückkopplungsarm. Lionel Hamptons Bassist Monk Montgomery ist einer der ersten prominenten Nutzer.
  • 1956 Höfner (Deutschland) baut den 500/1 „Violin Bass“ mit hohlem Korpus und kurzer Mensur – durch Paul McCartney weltberühmt.
  • 1957 Neuer P-Bass mit geteiltem („split-coil“), brummunterdrückendem Tonabnehmer und Stratocaster-ähnlichem Korpus – die bis heute gültige Form.
  • 1959–1963 Gibson EB-0 und Thunderbird, Rickenbacker 4001 (1961), Danelectro Longhorn.
  • 1960 Fender Jazz Bass: schlanker Hals, Offset-Korpus, zwei Single-Coils – klanglich variabler.
  • 1962 Rotosound (London) bringt die ersten Roundwound-Basssaiten heraus; John Entwistle (The Who) nutzt ihren brillanten Klang.
  • 1960er Motown, Stax und die Studios in Los Angeles (James Jamerson, Duck Dunn, Carol Kaye) machen den E-Bass zum Zentrum des Pop.
  • 1965 Fender Bass V: erster fünfsaitiger Serienbass (mit hoher C-Saite).
  • 1971 Alembic baut Bässe mit aktiver Elektronik und durchgehendem Hals (Stanley Clarke, Jack Casady).
  • 1975 Anthony Jackson regt bei Carl Thompson den sechssaitigen „Contrabass Guitar“ an; Jimmy Johnson und Alembic setzen die tiefe H-Saite ein.
  • 1976 Leo Fender entwickelt bei Music Man den StingRay mit Humbucker und aktivem EQ.
  • 1979 Ned Steinberger stellt den kopflosen Bass aus Kohlefaser vor.
  • seit 1980 Fünfsaiter mit tiefer H-Saite werden Standard in Gospel, R&B, Metal und Studio; Boutique-Hersteller (Fodera, Ken Smith, Sadowsky, Warwick, Lakland, Mayones) prägen den Markt.

Hersteller weltweit

RegionHersteller (Auswahl)
USAFender, Music Man (Ernie Ball), Gibson, Rickenbacker, Alembic, Fodera, Ken Smith, Sadowsky, Lakland, Spector, Dingwall (Kanada)
DeutschlandWarwick und Framus (Markneukirchen), Höfner, Marleaux, Sandberg
JapanYamaha, Ibanez, ESP, Atelier Z, Fujigen
EuropaMayones (Polen), Sire (Korea/USA), Status Graphite (Großbritannien)
AsienFertigung in Indonesien, China, Korea, Mexiko für Einsteiger- und Mittelklassemodelle (Squier, Epiphone, Yamaha)

3Bauformen und Modelle

Modell / TypMerkmaleKlang und Einsatz
Precision (P-Bass)geteilter Single-Coil in der Mitte, breiter Halsrund, kräftig, mittig; Rock, Soul, Motown, Punk
Jazz Bass (J-Bass)zwei Single-Coils, schlanker Halsvielseitig; knurriger Steg-Tonabnehmer (Jaco), Funk, Fusion, Pop
PJ-BassP- und J-Tonabnehmer kombiniertAllrounder
StingRay (Music Man)Humbucker am Steg, aktiver EQdruckvoll, präsent; Funk, Slap, Rock
Rickenbacker 4001/4003durchgehender Hals, Stereo-Ausgangdrahtig, obertonreich (Chris Squire, Geddy Lee, Lemmy)
Violin Bass / Hollowbodyhohler Korpus, Shortscalewarm, perkussiv (Beatles-Sound)
Thunderbird, EB-3, SG-BassGibson-Modelle, Humbuckerfett, bassig; Rock
Fretlessohne Bünde (oft Linien), Griffbrett aus Ebenholz oder Epoxidsingend, „mwah“-Klang, gleitende Übergänge
Headless, Multiscaleohne Kopfplatte bzw. gefächerte Bündeergonomisch, präzise tiefe H-Saite
Akustische Bassgitarrehohler Gitarrenkorpus, oft mit PiezoUnplugged; ohne Verstärker leise
Baby Bass / Electric Uprightelektrischer Kontrabass (Ampeg Baby Bass, 1960er)Salsa, Latin

Mensur

Die Longscale mit 34″ (864 mm) ist Standard. Shortscale-Bässe (30″, 762 mm) sind leichter und handlicher, klingen runder und eignen sich für Kinder, kleine Hände und Vintage-Sounds; die Mediumscale (32″) liegt dazwischen. 35″ und länger verbessern bei Fünf- und Sechssaitern die Spannung und Definition der H-Saite.

Hölzer und Konstruktion

Wie bei der E-Gitarre sind Erle, Esche, Mahagoni, Linde und Ahorn für den Korpus verbreitet, dazu Ahorn für Hälse und Palisander, Ahorn oder Ebenholz für Griffbretter. Die Halskonstruktion ist geschraubt (Fender, Music Man), eingeleimt oder durchgehend (Rickenbacker, Alembic, Warwick Thumb NT). Durchgehende Hälse gelten als besonders sustainreich; Graphithälse (Steinberger, Status, Modulus) sind klimaunempfindlich.

4Tonabnehmer und Elektronik

TypMerkmale
P-Tonabnehmer (Split-Coil)zwei versetzte Spulenhälften, je zwei Saiten; brummfrei, mittig-kräftig
J-TonabnehmerSingle-Coil über alle Saiten; beide zusammen brummfrei
Soapbar / Humbucker (MM)Doppelspulen; kräftig, brummfrei
Aktive Tonabnehmerniederohmig, mit Vorverstärker; sehr gleichmäßig
Piezoim Steg; akustischer Klang

Der Steg-Tonabnehmer klingt schlanker, knurriger und definierter (Soloton), der Hals-Tonabnehmer runder und bassreicher. Passive Elektronik (Volume, Tone, ggf. Blend) klingt natürlich und braucht keine Batterie. Aktive Elektronik mit 9- oder 18-Volt-Batterie bietet einen Vorverstärker und einen Zwei- bis Vierband-Equalizer (Bass, Tiefmitten, Hochmitten, Höhen) direkt am Instrument; sie liefert ein kräftiges, niederohmiges Signal, das lange Kabel verträgt. Viele Bässe besitzen einen Aktiv/Passiv-Schalter, damit das Instrument bei leerer Batterie spielbar bleibt.

5Saiten

TypAufbauKlang
Roundwoundrunder Umwicklungsdraht (Nickel, vernickelter Stahl, Edelstahl)brillant, obertonreich; Standard seit den 1960er-Jahren; Edelstahl besonders hell (Slap)
Flatwoundflache Bandumwicklungwarm, dumpf-rund, wenig Fingergeräusche; Motown, Reggae, Jazz, Vintage
Halfround / Groundwoundrund gewickelt, außen abgeschliffenzwischen beiden
Tapewoundmit Nylonband umwickeltkontrabassähnlich, sehr weich
Beschichtetmit Polymerbeschichtunglängere Lebensdauer

Typische Stärken eines Viersaiter-Satzes: .045 – .065 – .085 – .105 (Regular) oder .040–.100 (Light), für Fünfsaiter zusätzlich .125–.135 für die H-Saite. Basssaiten halten länger als Gitarrensaiten; sie verlieren mit der Zeit Brillanz („werden tot“), was im Reggae und Motown-Sound bewusst gesucht wird. James Jamerson soll seine Flatwound-Saiten jahrelang nicht gewechselt haben.

6Stimmungen und Tonumfang

BassStimmungHinweise
ViersaiterE1 – A1 – D2 – G2Standard
Fünfsaiter (tief)H0 – E1 – A1 – D2 – G2tiefe H-Saite (30,9 Hz); heute sehr verbreitet
Fünfsaiter (hoch)E1 – A1 – D2 – G2 – C3zusätzliche hohe C-Saite; Solospiel
SechssaiterH0 – E1 – A1 – D2 – G2 – C3Akkorde, Soli, großer Umfang (Anthony Jackson, John Patitucci)
Drop DD1 – A1 – D2 – G2Rock, Metal
D-Standard, Drop C, B-Standardalle Saiten tieferMetal, Stoner
Tenor-StimmungA1 – D2 – G2 – C3Solo, Jazz
Piccolo-Basseine Oktave höher (E2–G3)Stanley Clarke, Solo
QuintstimmungC1 – G1 – D2 – A2wenige Spezialisten; größerer Umfang
C1C2C3C4C5C6C7C8E-Bass: E1 (41.2 Hz) bis G4 (392 Hz)
Klingender Tonumfang E-Bass: E1 (41.2 Hz) bis G4 (392 Hz); hell markiert: mit Erweiterung bzw. Spezialtechnik erreichbar (H0 bis C5). Darstellung auf einer 88-Tasten-Klaviatur (wissenschaftliche Tonbezeichnung, a′ = A4 = 440 Hz).

7Spieltechnik

Anschlag der rechten Hand

TechnikBeschreibungKlang und Stile
Fingerstyle (Wechselschlag)Zeige- und Mittelfinger im Wechsel; Rest Stroke: der Finger ruht nach dem Anschlag auf der nächsten SaiteStandard in fast allen Stilen; warm, kontrolliert
Rakingein Finger zieht beim Saitenwechsel nach unten über zwei Saiteneffiziente Arpeggien
Drei- und Vierfinger-TechnikRingfinger (und kleiner Finger) zusätzlichsehr schnelle Passagen (Billy Sheehan, Matt Freeman)
PlektrumAb- und Aufschlaggleichmäßig, attackreich; Punk, Rock, Metal (Paul McCartney, Chris Squire, Carol Kaye)
Daumen, „Thumb Style“Daumen schlägt an, Handballen dämpft am Stegkurz, rund; Motown, Oldschool
„The Hook“nur der Zeigefinger (Jamerson)Motown-Groove
Palm MutingHandkante dämpft am Stegperkussiv, kontrabassähnlich

Wo man anschlägt, verändert den Klang: nahe am Steg bissig und schlank, über dem Halsende rund und weich. Das Abdämpfen nicht gespielter Saiten ist beim Bass zentral, weil tiefe Saiten lange nachklingen und mitschwingen: Die rechte Hand arbeitet mit „schwebendem Daumen“ (floating thumb) oder mit Ankertechnik, die linke Hand dämpft mit nicht benutzten Fingern.

Slap und Pop

Die Slap-Technik geht auf Larry Graham zurück, der in den 1960er-Jahren bei Sly and the Family Stone den fehlenden Schlagzeuger ersetzte: Der Daumen schlägt die tiefen Saiten gegen die letzten Bünde („Slap“, wie eine Bassdrum), Zeige- oder Mittelfinger reißen die hohen Saiten an und lassen sie auf das Griffbrett schnalzen („Pop“, wie eine Snare). Dazu kommen Ghost Notes, Hammer-ons und Doppelstopps. Weiterentwicklungen: Louis Johnson („Thunder Thumbs“), Mark King (Level 42), Marcus Miller, Flea und Victor Wooten mit dem „Double Thumbing“ (Daumen schlägt auf und ab) und „Open Hammer Pluck“.

Greifhand und Weitere Techniken

Die linke Hand arbeitet meist nach dem Prinzip „ein Finger pro Bund“; in den tiefen Lagen und bei kleinen Händen alternativ nach Simandl (1-2-4, siehe Kontrabass). Weitere Techniken: Hammer-on, Pull-off, Slide, Vibrato, natürliche und künstliche Flageoletts (Jaco Pastorius’ „Portrait of Tracy“), Akkorde und Doppelgriffe (Terzen, Dezimen), zweihändiges Tapping (Stuart Hamm, Michael Manring, Billy Sheehan), Ghost Notes und Dead Notes als rhythmische Füllung.

8Fretless

Der bundlose Bass erlaubt stufenlose Tonhöhen, Glissandi und ein gesangliches Vibrato. Der charakteristische „Mwah“-Klang entsteht, wenn die Saite gegen das Griffbrett schwingt; er ist besonders ausgeprägt mit Roundwound-Saiten auf Ebenholz- oder Epoxid-Griffbrett und dem Steg-Tonabnehmer. Jaco Pastorius, der seinen Jazz Bass selbst entbundete, machte den Fretless in den 1970er-Jahren berühmt (Weather Report); weitere prägende Fretless-Spieler sind Pino Palladino (Paul Young), Mick Karn (Japan), Percy Jones (Brand X), Tony Levin, Gary Willis, Michael Manring und Richard Bona. Die Intonation verlangt ein trainiertes Gehör; Griffbrettlinien helfen bei der Orientierung.

9Basslinien und Groove

Grundprinzipien

Bausteine einer Basslinie

1. Grundton auf der Eins eines neuen Akkords. 2. Rhythmus an der Bassdrum ausrichten – Bass und Kick sind eine Einheit. 3. Akkordtöne (Terz, Quinte, Septime, Oktave) für Bewegung. 4. Durchgangs- und Leittöne (chromatische Annäherung) zum nächsten Akkord. 5. Notenlänge und Pausen bewusst setzen: Wann ein Ton endet, prägt den Groove ebenso wie sein Beginn. 6. Wiederholung: Eine gute Basslinie trägt, ohne ständig zu variieren.

Stilistik

StilTypische BasslinieReferenzen
Rockdurchgehende Achtel auf dem Grundton, oft mit PlektrumAdam Clayton (U2), Cliff Williams (AC/DC)
Motown, Soulmelodische, synkopierte Linien mit chromatischen Durchgängen und Ghost NotesJames Jamerson („What’s Going On“, „Bernadette“)
FunkSechzehntel-Synkopen, Ghost Notes, Pausen, Slap, „The One“ betonenBootsy Collins, Larry Graham, Rocco Prestia, Verdine White
DiscoOktavsprünge in AchtelnBernard Edwards (Chic)
Reggaetiefe, runde Töne, viele Pausen, Betonung auf der Drei (One Drop)Aston „Family Man“ Barrett, Robbie Shakespeare
JazzWalking Bass (durchgehende Viertel), Two-FeelJaco Pastorius, Steve Swallow, John Patitucci
Latin, SalsaTumbao: vorgezogene Töne auf „und von 2“ und 4, die Eins bleibt freiCachao (Kontrabass), Carlos del Puerto, Lincoln Goines
CountryGrundton–Quinte auf 1 und 3, Walk-upsNashville-Studiomusiker
MetalUnisono mit Gitarrenriffs, Galopp-Rhythmen, Plektrum, tiefe StimmungenSteve Harris (Iron Maiden), Cliff Burton, Geezer Butler
Punkschnelle Achtel mit PlektrumDee Dee Ramone, Matt Freeman
Pop, R&B, Gospelgroovebetonte Linien, Fills, Akkordgriffe; Gospel mit virtuosen Läufen und FünfsaiternNathan East, Pino Palladino, Andrew Gouché
Afrobeat, Highlifeostinate, tänzerische MusterFela-Kuti-Bands

Timing und „Pocket“

Das wichtigste Merkmal guten Bassspiels ist Zeitgefühl. Bassisten sprechen von der Pocket: der gemeinsamen, stabilen zeitlichen Platzierung mit dem Schlagzeug. Innerhalb dieses Rahmens kann man bewusst „auf dem Schlag“, „vorne“ (drängend) oder „hinten“ (laid back) spielen. Das Üben mit Metronom (auch nur auf 2 und 4 oder auf einzelnen Schlägen), mit Drumloops und im Zusammenspiel mit Schlagzeugerinnen ist deshalb zentral.

10Verstärkung, Klang und Mix

Verstärker und Boxen

Tiefe Frequenzen verlangen viel Leistung und Membranfläche: Bassverstärker haben meist 200–1.000 Watt, Boxen 1×15″, 2×10″, 4×10″, 2×12″ oder 8×10″. Historische Meilensteine sind der Ampeg B-15 „Portaflex“ (1960, Studio- und Motown-Standard), der Ampeg SVT (1969, 300 Watt Röhre, die „Kühlschrank“-8×10″-Box), der Fender Bassman und moderne Leichtgewichte mit Class-D-Endstufen und Neodym-Lautsprechern (Markbass, Gallien-Krueger, Aguilar, Ashdown, Darkglass).

DI-Box und Studio

Live und im Studio wird der Bass fast immer über eine DI-Box direkt ins Mischpult geführt, oft parallel zur Mikrofonabnahme des Verstärkers. Vorverstärker-Pedale (z. B. SansAmp, Darkglass) liefern einen verstärkerähnlichen Klang direkt ins Pult.

Frequenzbereiche

BereichWirkung
30–60 HzTiefbass, „Druck“, eher gefühlt als gehört; oft mit der Bassdrum geteilt
60–120 HzFundament, Grundtöne
150–300 HzWärme; zu viel wirkt „mulmig“
500 Hz–1 kHzKnurren, Definition, Hörbarkeit auf kleinen Lautsprechern
2–5 kHzAnschlag, Saitengeräusch, Slap-Präsenz

Weil viele Wiedergabesysteme (Smartphone, Laptop) kaum Tiefbass wiedergeben, sind die Obertöne zwischen 500 Hz und 2 kHz entscheidend, damit Basslinien hörbar bleiben. Ein Kompressor gleicht Lautstärkeunterschiede zwischen Tönen und Saiten aus und ist im Studio fast immer im Einsatz. Weitere typische Effekte: Overdrive/Distortion (parallel gemischt, um das Fundament zu erhalten), Octaver, Envelope-Filter (Auto-Wah, Funk), Chorus, Synth-Bass-Pedale.

11Notation und Leadsheets

Notiert wird im Bassschlüssel eine Oktave höher als klingend. In Rock und Pop ist die vierzeilige Bass-Tabulatur verbreitet (oben die G-Saite). Studio- und Jazzbassisten lesen Noten und Akkordsymbole (Leadsheet) und entwickeln daraus eigene Linien; Kenntnisse in Harmonielehre (Akkordaufbau, Stufen, Tonleitern und Modi) sind dafür Grundlage.

12Der E-Bass weltweit

Region / StilRolle des BassesNamen
Jamaika: Ska, Rocksteady, Reggae, Dubder Bass als Leitinstrument; tiefe, runde Linien mit viel Raum; im Dub wird er in den Vordergrund gemischtLloyd Brevett (Kontrabass, Ska), Aston „Family Man“ Barrett, Robbie Shakespeare
Westafrika: Afrobeat, Highlife, Mbalaxkreisende, ostinate Figuren im Zusammenspiel mit PerkussionBassisten der Bands von Fela Kuti und Youssou N’Dour
Kamerun: Makossavirtuose, melodische BasslinienRichard Bona, Étienne Mbappé, Armand Sabal-Lecco
Südafrika: Mbaqangahüpfende, melodische LinienBakithi Kumalo (Paul Simon, Graceland, 1986)
Kuba: Salsa, Timba, SongoTumbao; Timba mit komplexen, funk-beeinflussten LinienCarlos del Puerto, Feliciano Arango
Brasilien: Samba, MPB, JazzSurdo-ähnliche Figuren auf der Zwei, Bossa-Nova-GrundtöneNico Assumpção, Arthur Maia, Jorge Helder
EuropaJazzrock, Progressive, StudioJack Bruce, John Entwistle, John Paul Jones, Pino Palladino (Großbritannien); Dieter Petereit, Wolfgang Schmid (Deutschland); Jonas Hellborg (Schweden)
JapanFusion, J-Pop, Metal, City PopTetsuo Sakurai (Casiopea)

13Bedeutende Bassistinnen und Bassisten

BereichNamen
Studio und Soul (1960er/70er)James Jamerson, Carol Kaye, Donald „Duck“ Dunn, Chuck Rainey, Jerry Jemmott, Joe Osborn, Willie Weeks
FunkLarry Graham, Bootsy Collins, Louis Johnson, Rocco Prestia, Verdine White, Bernard Edwards
RockPaul McCartney, John Entwistle, Jack Bruce, John Paul Jones, Chris Squire, Geddy Lee, Lemmy Kilmister, Sting, Tina Weymouth, Flea, Les Claypool, Kim Deal
MetalGeezer Butler, Steve Harris, Cliff Burton, Robert Trujillo, Billy Sheehan
Jazz und FusionJaco Pastorius, Stanley Clarke, Marcus Miller, Anthony Jackson, Jeff Berlin, John Patitucci, Victor Wooten, Gary Willis, Matthew Garrison
Pop und Studio (seit 1980)Nathan East, Pino Palladino, Abraham Laboriel, Leland Sklar, Will Lee
GegenwartThundercat, MonoNeon, Joe Dart, Tal Wilkenfeld, Esperanza Spalding, Mohini Dey, Charlie Hunter (Hybrid)

14Ausbildung und Lehrwerke

E-Bass wird in Popular- und Jazzstudiengängen an Musikhochschulen und Akademien gelehrt (z. B. Berklee College of Music, Musicians Institute Los Angeles, Popakademie Mannheim); graduierte Prüfungssysteme wie Rockschool und Trinity bieten Stufen vom Einstieg bis zum Profi. „Jugend musiziert“ kennt Pop-Kategorien mit E-Bass.

BereichLehrwerke (Auswahl)
EinstiegHal Leonard Bass Method; verschiedene deutschsprachige Schulen für E-Bass (u. a. von Voggenreiter, AMA Verlag)
Groove und StilistikAllan Slutsky: Standing in the Shadows of Motown (1989); Rocco Prestia: Fingerstyle Funk; Chuck Rainey: The Complete Electric Bass Player
Walking Bass und JazzEd Friedland: Building Walking Bass Lines; Carol Kaye: Lehrbücher und Kurse
Slap und TechnikTony Oppenheim: Slap It!; Stuart Clayton: Ultimate Slap Bass
Musikalisches DenkenVictor L. Wooten: The Music Lesson (2006)

15Gesundheit und Ergonomie

Bässe sind schwer (3,5–5 kg); breite, gepolsterte Gurte, die richtige Gurthöhe und leichte Instrumente schonen Schulter und Rücken. Das Handgelenk der Greifhand sollte möglichst gerade bleiben; hohe Gurtposition und kurze Mensur helfen. Bei lauten Bühnen ist Gehörschutz auch für Bassisten wichtig – tiefe Frequenzen werden oft unterschätzt, weil sie weniger „schmerzhaft“ wirken.

16Kauf und Kosten

KategorieRichtwert (neu)Hinweise
Einsteigerbassca. 200–500 €Markeninstrument mit gutem Setup; für Kinder Shortscale
Übungsverstärker (mit Kopfhörerausgang)ca. 100–300 €
Mittelklasseca. 600–1.500 €bessere Hölzer, Hardware und Elektronik
Profibass (Serie)ca. 1.500–3.500 €
Boutique, Customab ca. 3.500 €handgefertigt
Bühnenverstärker und Boxca. 600–2.500 €für Band und Bühne

Checkliste beim Kauf

Hals gerade, Saitenlage angenehm, keine Schnarrstellen (besonders auf der E- oder H-Saite in tiefen Lagen)? Tote Töne („dead spots“ – Töne, die schnell ausklingen) auf der G-Saite prüfen. Gewicht und Kopflastigkeit mit Gurt im Stehen testen. Elektronik ohne Knacken, Aktiv/Passiv-Schalter? Bei Fünfsaitern die Definition der H-Saite prüfen. Werkstatt-Setup einplanen.

17Pflege und Wartung

  • Saiten nach dem Spielen abwischen; Hände vor dem Spielen waschen.
  • Saitenwechsel nach Klangwunsch (Roundwounds alle 2–6 Monate, Flatwounds deutlich seltener); beim Wechsel Griffbrett reinigen.
  • Batterie der aktiven Elektronik regelmäßig tauschen und Kabel aus der Buchse ziehen, wenn nicht gespielt wird (die Buchse schaltet die Batterie).
  • Halskrümmung saisonal prüfen; Halsstab nur in kleinen Schritten verstellen.
  • Nicht an Heizkörpern oder im heißen Auto lagern.

18E-Bass lernen

PhaseInhalte
Erste WochenHaltung, Wechselschlag, Abdämpfen, Grundtöne zu Songs, Zählen und Metronom
1. JahrAkkordtöne (Grundton, Quinte, Oktave), Dur- und Molltonleiter, Bassschlüssel und Tabs, erste Grooves (Rock, Pop, Motown), Bandspiel
2.–3. JahrStilistiken (Funk, Reggae, Shuffle, Latin), Ghost Notes, Walking-Bass-Grundlagen, Gehörbildung, Songs heraushören
4.–5. JahrSlap-Grundlagen, Modi, Vierklänge, Fills, Blattspiel, Fünfsaiter
FortgeschrittenImprovisation, Soli, Tapping und Akkordspiel, Studio und Click, Fretless

Wirksam üben

Immer mit Metronom oder Drumloop üben; Grooves mit Aufnahmen mitspielen und auf die Bassdrum achten. Linien langsam und mit exakten Notenlängen üben. Songs komplett lernen, nicht nur Ausschnitte. Mit anderen spielen, so oft es geht – der Bass entfaltet sich im Zusammenspiel.

19Der E-Bass an der Musikschule Cuxhaven

Wir unterrichten E-Bass mit Blick auf das, worauf es ankommt: Timing, Groove und musikalisches Hören – in Rock, Pop, Funk, Reggae, Latin und Jazz. Unsere Bands suchen immer Bassistinnen und Bassisten; das Zusammenspiel mit Schlagzeug, E-Gitarre und Keyboard beginnt früh. Wer auch den Kontrabass kennenlernen möchte, kann beide Instrumente kombinieren.

20Häufige Fragen

Ist Bass leichter als Gitarre?Der Einstieg ist oft schneller, weil man früh mitspielen kann. Wirklich gutes Bassspiel verlangt aber besonders präzises Timing, Stilgefühl und Harmonieverständnis.
Vier- oder Fünfsaiter?Für den Einstieg reicht ein Viersaiter. Wer Metal, Gospel, R&B oder moderne Popmusik spielt, profitiert später von der tiefen H-Saite.
Finger oder Plektrum?Beides ist legitim. Fingerstyle ist am vielseitigsten; das Plektrum liefert einen gleichmäßigen, attackreichen Klang für Rock und Punk.
Brauche ich Noten?Tabs genügen am Anfang. Noten im Bassschlüssel und Akkordsymbole sind für Band-, Studio- und Jazzarbeit sehr nützlich.
Was ist ein Fretless-Bass?Ein Bass ohne Bünde mit singendem Klang und stufenloser Tonhöhe; er verlangt ein sicheres Gehör für die Intonation.
Kann man vom E-Bass zum Kontrabass wechseln?Ja. Stimmung und Tonnamen sind gleich; neu sind Größe, bundloses Griffbrett, Haltung und der Bogen.

21Glossar

Aktive Elektronik
Eingebauter Vorverstärker mit Batterie und Klangregelung.
DI-Box
Direktanschluss des Basses an das Mischpult.
Double Thumbing
Slap-Technik mit Auf- und Abschlag des Daumens.
Flatwound
Flach umwickelte, warm klingende Saiten.
Fretless
Bundloser Bass.
Ghost Note
Abgedämpfter, perkussiver Ton.
Longscale / Shortscale
Mensur 34″ bzw. 30″.
Pocket
Gemeinsame zeitliche Platzierung mit dem Schlagzeug.
Pop
Anreißen der Saite beim Slappen.
Raking
Anschlagtechnik mit einem Finger über zwei Saiten.
Rest Stroke
Anschlag, bei dem der Finger auf der Nachbarsaite ruht.
Roundwound
Rund umwickelte, brillante Saiten.
Slap
Perkussiver Daumenschlag gegen die Bünde.
Tumbao
Synkopierte Basslinie der kubanischen Musik.
Walking Bass
Durchlaufende Viertel-Basslinie.

22Quellen und weiterführende Literatur

  • Jim Roberts: How the Fender Bass Changed the World. Backbeat Books 2001.
  • Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book. Backbeat Books 1995, erw. Neuausg. 2008.
  • Allan Slutsky: Standing in the Shadows of Motown. The Life and Music of Legendary Bassist James Jamerson. Hal Leonard 1989.
  • Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Backbeat Books 1995.
  • Victor L. Wooten: The Music Lesson. Berkley 2006.
  • Ed Friedland: Building Walking Bass Lines. Hal Leonard.
  • Manfred Zollner: Physik der Elektrogitarre. Regensburg 2014 (auch zu Bass-Tonabnehmern).
  • Zeitschriften: Bass Player (USA), Bass Professor und Bass Quarterly (Deutschland).

Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven