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Instrumentenkunde › Tasteninstrumente (elektronisch)

Das Keyboard

Elektronische Tasteninstrumente mit unzähligen Klängen – vom Heim-Keyboard mit Begleitautomatik über Orgel, E-Piano und Synthesizer bis zur Bühnenworkstation und zum MIDI-Controller im Studio.

Als Keyboard bezeichnet man im Deutschen vor allem das elektronische Tasteninstrument mit eingebauten Lautsprechern, vielen Klängen und Begleitautomatik; im weiteren Sinn umfasst der Begriff alle elektronischen Tasteninstrumente – Synthesizer, Orgeln, E-Pianos, Stagepianos, Workstations und MIDI-Controller. Keyboards ermöglichen, allein Melodie, Harmonie und Rhythmus zu spielen, und sind aus Pop, Rock, Soul, Gospel, elektronischer Musik, Filmmusik und Musikproduktion nicht wegzudenken. Die Geschichte dieser Instrumente ist eng mit technischen Umbrüchen verbunden: Röhren, Transistoren, Mikroprozessoren, digitale Speicher und schließlich Software haben jeweils neue Klänge und Musikstile hervorgebracht. Wer Keyboard spielt, lernt zugleich Harmonielehre, Arrangieren und Sounddesign – und kommt schnell in Bands, Ensembles und ins Tonstudio.

Einstiegsalterab ca. 6 Jahren
Lautstärkeregelbar, Kopfhörer möglich
Kosten Einstiegca. 150–400 € (61 Tasten, anschlagdynamisch)
BesonderheitBand, Orchester und Synthesizer in einem

1Begriffe und Gerätetypen

TypMerkmaleEinsatz
Home-Keyboard, Arranger61–76 Tasten, Lautsprecher, hunderte Klänge, Styles (Begleitautomatik), RegistrierungenEinstieg, Hausmusik, Alleinunterhaltung, Tanz- und Hochzeitsmusik
SynthesizerKlangerzeugung und -formung (Oszillatoren, Filter, Hüllkurven, Modulation), meist ohne LautsprecherPop, Elektronik, Filmmusik, Sounddesign
WorkstationSynthesizer mit Sequenzer, Sampler und EffektenProduktion, Bühne
Stagepiano88 gewichtete Tasten, hochwertige Piano-, E-Piano- und Orgelklänge, ohne LautsprecherBühne, Band, Studio
Digitalpiano88 gewichtete Tasten, Lautsprecher, Möbelgehäuse, drei PedaleKlavierunterricht zu Hause
Elektrische Orgel, ClonewheelZugriegel, Percussion, Leslie-Simulation, oft zwei ManualeSoul, Gospel, Rock, Jazz, Kirche
E-Piano (elektromechanisch)Rhodes, Wurlitzer, Clavinet – Tonerzeugung durch angeschlagene Zungen oder Saiten mit TonabnehmernSoul, Funk, Jazz, Pop
MIDI-Keyboard (Controller)ohne eigene Klangerzeugung; Regler, PadsSteuerung von Software am Computer
Keytarumgehängtes Keyboard in GitarrenhaltungBühne

2Geschichte

Frühe elektronische Instrumente

  • 1897–1906 Thaddeus Cahills Telharmonium erzeugt Töne mit Generatoren und überträgt sie per Telefonleitung – ein tonnenschweres Vorläuferinstrument.
  • 1928 Maurice Martenot stellt die Ondes Martenot vor, ein Röhreninstrument mit Tastatur und Ring für Glissandi; Messiaen setzt es in der Turangalîla-Sinfonie ein.
  • 1930 Friedrich Trautwein und Oskar Sala entwickeln in Berlin das Trautonium (Klang der Vögel in Hitchcocks Die Vögel, 1963).
  • 1935 Laurens Hammond stellt die Hammond-Orgel vor: Tonräder erzeugen annähernd sinusförmige Töne, die über Zugriegel additiv gemischt werden. 1955 erscheint das Modell B-3.
  • 1939/41 Hammond Novachord, einer der ersten polyphonen Synthesizer; Don Leslie entwickelt den Leslie-Lautsprecher mit rotierendem Horn und Rotor.

Elektromechanische Pianos und Orgeln

  • 1950er Wurlitzer Electronic Piano (angeschlagene Stahlzungen); Harold Rhodes entwickelt Übungspianos für Soldaten, ab 1965 als Fender Rhodes.
  • 1962–1964 Vox Continental und Farfisa (Transistororgeln der Beatmusik), Hohner Pianet und Clavinet (Stevie Wonder, „Superstition“, 1972).
  • 1963 Das Mellotron spielt Tonbandaufnahmen echter Instrumente ab (Beatles, „Strawberry Fields Forever“; Moody Blues; King Crimson).

Der Synthesizer

  • 1964 Robert Moog präsentiert den modularen Synthesizer mit spannungsgesteuerten Modulen (VCO, VCF, VCA). Wendy Carlos’ Switched-On Bach (1968) macht ihn weltberühmt. Parallel arbeitet Don Buchla an der Westküste.
  • 1970 Minimoog: kompakter, bühnentauglicher Synthesizer; es folgen ARP 2600, ARP Odyssey, EMS VCS3.
  • 1970er Progressive Rock (Keith Emerson, Rick Wakeman), Jazzrock (Herbie Hancock, Joe Zawinul), Elektronik (Kraftwerk, Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre, Vangelis, Isao Tomita).
  • 1978 Sequential Circuits Prophet-5: erster vollständig programmierbarer polyphoner Synthesizer mit Speicherplätzen.
  • 1979 Fairlight CMI und Synclavier: digitale Sampler und Workstations; Casio VL-1 und ab 1980 Casiotone bringen Keyboards in Kinderzimmer.
  • 1983 Einführung des MIDI-Standards (Dave Smith, Ikutaro Kakehashi u. a.); Yamaha DX7 mit FM-Synthese nach John Chowning – über 150.000 verkaufte Exemplare, E-Piano- und Bassklang der 1980er.
  • 1983/84 Yamaha Clavinova und Kurzweil K250 etablieren Digitalpianos mit gesampelten Klängen.
  • 1987/88 Roland D-50; Korg M1 als meistverkaufte Workstation ihrer Zeit.
  • 1990er Arranger-Keyboards mit realistischen Styles (Technics, Yamaha PSR, Korg i-Serie); virtuell-analoge Synthesizer (Clavia Nord Lead 1995, Access Virus).
  • 2000er Software-Instrumente (VST) ersetzen im Studio viele Hardware-Geräte; Stagepianos (Nord Stage, Yamaha CP) und Top-Arranger (Yamaha Tyros, später Genos; Korg Pa-Serie).
  • 2010er Renaissance analoger Synthesizer (Eurorack-Module, Neuauflagen des Minimoog und Prophet); MIDI Polyphonic Expression (MPE, 2018) und MIDI 2.0 (2020).

3Klangerzeugung

VerfahrenPrinzipTypische Klänge und Geräte
Additive SyntheseMischung einzelner SinustöneHammond-Zugriegel, Kawai K5
Subtraktive Syntheseobertonreiche Wellenform (Sägezahn, Rechteck) wird durch Filter geformtMinimoog, Prophet-5, Juno; Bass-, Lead- und Flächenklänge
FM-SyntheseFrequenzmodulation von Oszillatoren („Operatoren“)DX7: E-Piano, Glocken, Bässe
Sampling (PCM)Wiedergabe aufgenommener Klänge, oft in vielen Anschlagsstufen (Velocity Layers)Arranger, Stagepianos, Workstations
WavetableDurchlaufen gespeicherter WellenformtabellenPPG Wave, Waldorf, Serum (Software)
GranularsyntheseZerlegen und Neuordnen kleinster KlangpartikelAmbient, Sounddesign
Physical ModelingBerechnung des physikalischen Verhaltens (Saite, Hammer, Rohr, Tonrad)Roland V-Piano, Pianoteq, Orgel-Clones
Virtuell-analogdigitale Nachbildung analoger SchaltungenNord Lead, Access Virus

Der subtraktive Synthesizer

BausteinFunktion
Oszillator (VCO/DCO)erzeugt die Grundwellenform: Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck/Puls, Rauschen
Filter (VCF)entfernt Frequenzen; Tiefpass mit Cutoff und Resonanz ist der klassische „Klangformer“
Verstärker (VCA)steuert die Lautstärke
Hüllkurve (ADSR)zeitlicher Verlauf: Attack, Decay, Sustain, Release – für Lautstärke und Filter
LFOlangsamer Oszillator für Vibrato, Tremolo, Filterbewegungen
Modulationsmatrixverbindet Quellen (Hüllkurve, LFO, Anschlag, Rad) mit Zielen
EffekteChorus, Delay, Reverb, Verzerrung

Kenngrößen eines Instruments sind die Polyphonie (Zahl gleichzeitig klingender Stimmen; heute meist 64–256), die Multitimbralität (Zahl gleichzeitig nutzbarer Klänge) und die Qualität der Samples.

4Die Orgel und das Leslie

Die Hammond-Orgel hat neun Zugriegel in Fußlagen (16′, 5⅓′, 8′, 4′, 2⅔′, 2′, 1⅗′, 1⅓′, 1′), die jeweils in neun Stufen (0–8) herausgezogen werden. Registrierungen werden als Zahlenfolgen notiert: „888000000“ ist der klassische Jazz- und Gospelklang (Jimmy Smith), „888888888“ das volle Werk. Die Percussion fügt einen kurzen Anschlagton hinzu, der Key Click ein charakteristisches Klicken. Der Leslie-Lautsprecher mit rotierendem Hochtonhorn und Basstrommel erzeugt je nach Geschwindigkeit (Chorale langsam, Tremolo schnell) ein räumlich schwebendes Klangbild. Moderne „Clonewheels“ (Nord, Hammond XK, Roland) simulieren Tonräder und Leslie digital.

5Tastaturen und Spielhilfen

TastaturSpielgefühlgeeignet für
Synth-Action (ungewichtet)leicht, federndKeyboard, Synthesizer, Orgel
WaterfallTasten ohne Kante, leichtOrgel (Glissandi, Wischtechniken)
Halbgewichtetetwas WiderstandAllround
Hammermechanik (gewichtet)klavierähnlich, im Bass schwererKlavierspiel, Stagepiano, Digitalpiano

Weitere Spielhilfen: Anschlagdynamik (Velocity), Aftertouch (Druck nach dem Anschlag, kanal- oder tastenbezogen), Pitch-Bend-Rad (Tonhöhenveränderung), Modulationsrad (meist Vibrato), Ribbon-Controller, Expressionpedal, Sustain- und Sostenutopedal. Für Keyboardunterricht genügen 61 anschlagdynamische Tasten; für klassisches Klavierspiel sind 88 gewichtete Tasten nötig – siehe Klavier.

6E-Pianos im Detail

InstrumentTonerzeugungKlangBerühmte Aufnahmen
Fender Rhodes (ab 1965)Hammer schlägt eine Metallzunge („Tine“), die mit einem Klangstab gekoppelt ist; elektromagnetischer Tonabnehmerglockig, warm, bei starkem Anschlag „bellend“; Stereo-Tremolo beim Suitcase-ModellHerbie Hancock, Chick Corea (Return to Forever), Billy Joel „Just the Way You Are“, Stevie Wonder
Wurlitzer 200A (ab 1972; Vorgänger ab 1950er)angeschlagene Stahlzungen, elektrostatischer Tonabnehmerrau, näselnd, bei Anschlag leicht verzerrtRay Charles „What’d I Say“, Supertramp, Beatles
Hohner Clavinet (ab 1964)Saiten werden von Gummihämmerchen gegen einen Amboss gedrückt; Tonabnehmerperkussiv, funky, gitarrenähnlichStevie Wonder „Superstition“, Led Zeppelin
Hohner PianetZungen werden durch Saugnäpfe angezupftweich, kurzThe Zombies „She’s Not There“
Yamaha CP-70/80 (ab 1976)elektrischer Flügel mit Saiten und Tonabnehmernheller, „glitzernder“ KlavierklangGenesis, Keane
Yamaha DX7 „E. Piano 1“ (1983)FM-Syntheseglasig, klarunzählige Pop-Balladen der 1980er

Heute werden diese Instrumente digital gesampelt oder modelliert; gut erhaltene Originale sind gesuchte Sammler- und Studioinstrumente.

7Wichtige Instrumente im Überblick

JahrInstrumentBedeutung
1928Ondes Martenotfrühes elektronisches Konzertinstrument
1935 / 1955Hammond / Hammond B-3Orgelklang von Jazz, Gospel, Soul und Rock
1963MellotronBandsampler vor dem Digitalzeitalter
1964Moog ModularBeginn des kommerziellen Synthesizers
1970Minimoog Model Derster kompakter Bühnensynthesizer
1976/77Yamaha CS-80Vangelis’ Klang (Blade Runner)
1978Prophet-5erster voll speicherbarer polyphoner Synthesizer
1981Roland Jupiter-8Referenz polyphoner Analogsynthese
1980/81Roland TR-808 / TB-303Bass- und Drummaschine, später Grundlage von Acid House und Hip-Hop
1983Yamaha DX7FM-Synthese, Durchbruch des digitalen Synthesizers
1984Roland Juno-106preiswerter Analog-Polysynth, Pads der 1980er
1988Korg M1meistverkaufte Workstation ihrer Zeit
1995Clavia Nord Leadvirtuell-analoge Synthese
2001Nord Electro / StageBühnenstandard für Piano, E-Piano und Orgel
2017Yamaha GenosSpitzenmodell der Arranger-Klasse

8Begleitautomatik und Arranger

Die linke Hand greift im Begleitbereich einen Akkord; das Keyboard spielt Schlagzeug, Bass und Begleitstimmen im gewählten Style. Hochwertige Arranger enthalten Hunderte Styles aus allen Genres, mit mehreren Varianten und von Studiomusikern eingespielten Phrasen („Audio Styles“).

BedienelementFunktion
Intro, EndingEinleitung und Schluss, oft in mehreren Längen
Main/Variation A–DGrundmuster in steigender Intensität
Fill-inÜberleitung zur nächsten Variation
Breakkurze Pause der Begleitung
Sync Start / Sync StopStart mit dem ersten Akkord bzw. Stopp beim Loslassen
Fingered / Single Finger / AI FingeringAkkorderkennung vollgriffig, vereinfacht oder „intelligent“ (auch Umkehrungen, Slash-Akkorde)
Split, Layer (Right 1–3, Left)Tastatur teilen bzw. mehrere Klänge überlagern
Registration Memory / Performancesgespeicherte Gesamteinstellungen für ein Stück
Harmony / Vocal Harmonyautomatische Zweitstimmen bzw. Gesangsharmonien
Multi Pads, Sequencer, Audio-PlayerZusatzphrasen, Aufnahme, Wiedergabe

Die Begleitautomatik motiviert besonders im Anfang und ist für Alleinunterhalter ein professionelles Werkzeug. Sie verlangt ein sicheres Zeitgefühl, weil sie unerbittlich weiterläuft. Im fortgeschrittenen Unterricht wird zunehmend frei begleitet – ohne Automatik, mit eigenen Patterns und Voicings.

9MIDI und Computer

MIDI (Musical Instrument Digital Interface) überträgt keine Klänge, sondern Steuerdaten: welche Taste wann, wie stark und wie lange gespielt wird, dazu Reglerbewegungen, Programmwechsel und Tempo. Ein MIDI-Kabel (5-Pol DIN) oder USB überträgt bis zu 16 Kanäle.
MIDI-NachrichtBedeutung
Note On / Note OffTaste gedrückt/losgelassen, mit Tonnummer (0–127; C4 = 60) und Anschlagstärke (0–127)
Control Change (CC)Regler, z. B. CC 1 Modulation, CC 7 Lautstärke, CC 64 Sustainpedal
Program ChangeKlangwechsel
Pitch Bend, AftertouchTonhöhenveränderung, Druck
Clock, Start/StopSynchronisation von Tempo

General MIDI (1991) legte eine Standardbelegung von 128 Klängen und einer Schlagzeugbelegung fest. MIDI 2.0 (2020) bringt höhere Auflösung und bidirektionale Kommunikation; MPE ermöglicht polyphonen Ausdruck pro Note (Roli Seaboard, Expressive E Osmose).

Mit einer DAW (Digital Audio Workstation, z. B. Ableton Live, Logic Pro, Cubase, FL Studio, Studio One) wird das Keyboard zum Zentrum eines Heimstudios: Aufnahme, Bearbeitung und Arrangement von MIDI und Audio, Software-Instrumente (Pianos, Orchester, Synthesizer) und Mischung. Für Liveauftritte werden Laptops mit Software (MainStage, Ableton Live, Gig Performer) eingesetzt.

10Spieltechnik und Harmonielehre am Keyboard

Technik

Grundlagen sind eine lockere, gewölbte Handhaltung, Fingersätze wie beim Klavier und ein ruhiger Umgang mit den Spielhilfen. Keyboard-spezifisch sind der gezielte Einsatz von Pitch Bend (etwa für Gitarren- oder Leadsounds), Modulationsrad und Aftertouch, Glissandi und Wischtechniken auf der Orgel, schnelles Umschalten von Klängen und Registrierungen, das Spielen auf zwei Tastaturen und das Bedienen von Filter- und Hüllkurvenreglern während des Spiels.

Akkorde und Voicings

ThemaInhalt und Beispiele
Dreiklänge und UmkehrungenC (c–e–g), C/E, C/G – kurze Griffwege durch Stimmführung
VierklängeCmaj7, C7, Cm7, Cm7♭5, C°7
Optionstöne9, 11, 13 und Alterationen (♭9, ♯11, ♭13)
VoicingsShell-Voicings (Grundton, Terz, Septime), Drop-2, Rootless Voicings (Jazz), Quartvoicings (McCoy Tyner), Cluster (Pop-Pads)
AkkordfolgenI–V–vi–IV (Pop), ii–V–I (Jazz), 12-taktiger Blues, Gospel-Wendungen (Passing Chords)
BegleitmusterPop-Achtel, Arpeggien, Offbeat-Stabs (Ska, Reggae „Skank“), Funk-Clavinet-Patterns, Stride, Comping
Linke HandGrundtöne, Oktaven, Walking Bass, Synth-Bass
Leadsheet-SpielMelodie rechts, Akkordsymbole links umsetzen

Die Rolle in der Band

Keyboarder müssen ihren Platz im Arrangement finden: Pianos und Pads füllen Mitten, die mit Gitarre und Gesang kollidieren können; deshalb werden Voicings oft ausgedünnt, im Register verteilt und rhythmisch verzahnt. Orgelflächen, E-Piano-Comping, Streicher-Pads, Synth-Leads und Bläsersätze sind typische Aufgaben – häufig im schnellen Wechsel innerhalb eines Songs.

11Stile und Klänge

StilTypische Instrumente und KlängeWegweisende Keyboarder
Soul, Gospel, R&BHammond B-3 mit Leslie, Piano, RhodesBooker T. Jones, Billy Preston, Cory Henry
Jazz-OrgelHammond, Bass mit linker Hand oder PedalJimmy Smith, Larry Young, Joey DeFrancesco, Rhoda Scott
Jazzrock, FusionRhodes, Minimoog, OberheimHerbie Hancock, Chick Corea, Joe Zawinul, Jan Hammer
Rock, Progressive RockHammond, Mellotron, MoogJon Lord, Keith Emerson, Rick Wakeman, Tony Banks, Jordan Rudess
FunkClavinet, Synth-Bass, RhodesStevie Wonder, Bernie Worrell
Elektronik, SynthpopAnalog- und Digitalsynthesizer, Sequencer, DrumcomputerKraftwerk, Jean-Michel Jarre, Vangelis, Depeche Mode, Giorgio Moroder
Pop der 1980erDX7-E-Piano, Juno-Pads, Oberheim-Brass
EDM, Hip-HopSoftware-Synthesizer, Sampler, ControllerProduzentinnen und Produzenten
FilmmusikSynthesizer, Hybrid-OrchesterVangelis (Blade Runner), Hans Zimmer, Wendy Carlos
Alleinunterhaltung, TanzmusikArranger-Keyboard

12Das Keyboard weltweit

  • Naher Osten, Türkei, Nordafrika: Arranger-Keyboards mit Vierteltonfunktionen („Oriental Scale“, frei einstellbare Mikrointervalle für Maqām-Skalen) haben in der Hochzeits- und Unterhaltungsmusik ganze Ensembles ersetzt. In der Türkei spricht man einfach von der org; im Libanon, in Ägypten und Syrien sind virtuose Keyboarder Stars der Festmusik.
  • Indien: Keyboards und Synthesizer prägen seit den 1980er-Jahren die Bollywood-Filmmusik (A. R. Rahman begann als Keyboarder); das Harmonium, ein verwandtes Tasteninstrument mit Durchschlagzungen, bleibt in Qawwali und Bhajan zentral.
  • Westafrika: Keyboards und Synthesizer in Highlife, Afrobeats und Gospel; Synthesizer-Pioniere wie William Onyeabor (Nigeria).
  • Karibik und Lateinamerika: Keyboards in Cumbia, Reggaeton, Soca; in Reggae und Dub Orgel-„Bubble“ (Offbeat-Muster).
  • USA: Die Hammond-Orgel ist fester Bestandteil afroamerikanischer Kirchenmusik – der Gospel-Orgelklang prägte Soul, R&B und Jazz.
  • Japan: Heimat großer Hersteller (Yamaha, Roland, Korg, Casio, Kawai) und der Yamaha-Musikschulen; City Pop und Videospielmusik (Koji Kondo, Nobuo Uematsu) prägten weltweit Keyboard-Klänge.
  • Deutschland: Zentrum der elektronischen Musik (Kraftwerk, Tangerine Dream, Berliner Schule) und von Herstellern wie Waldorf, PPG und Doepfer (Eurorack).

13Ausbildung und Lehrwerke

Keyboard ist seit den 1980er-Jahren eigenes Fach an Musikschulen; die professionelle Ausbildung erfolgt in Studiengängen für Popularmusik und Jazz (Piano/Keyboards), in Produktions- und Sounddesign-Studiengängen sowie an Akademien. Graduierte Prüfungssysteme wie Rockschool (Keys) und die Yamaha-Musikschulprogramme sind international verbreitet.

BereichLehrwerke (Auswahl)
Einstieg Keyboardverschiedene Keyboardschulen deutscher Verlage (u. a. Bosworth, Voggenreiter, Schott); Hal Leonard Keyboard Method
Pop und BegleitungPop-Piano-Schulen, Schulen für Liedbegleitung, Arrangier-Lehrbücher
Jazz und HarmonikMark Levine: The Jazz Piano Book (1989); Frank Mantooth: Voicings for Jazz Keyboard
Synthesizer und SounddesignGordon Reid: Synth Secrets (Artikelserie, Sound on Sound); Fred Welsh: Welsh’s Synthesizer Cookbook
OrgelLehrwerke zu Hammond-Registrierung und Gospel-Orgel

14Kauf

KategorieRichtwert (neu)Worauf achten
Einsteiger-Keyboardca. 150–400 €61 anschlagdynamische Tasten in Normalgröße, Sustainpedal-Anschluss, USB-MIDI, Netzteil
Mittelklasse-Arrangerca. 500–1.500 €bessere Klänge und Styles, Registrierungen, Aufnahmefunktion
Profi-Arranger, Workstationca. 2.000–6.000 €Bühne und Produktion
Synthesizerca. 300–5.000 €Bedienbarkeit, Polyphonie, analog oder digital
Stagepianoca. 600–4.000 €Tastatur, Klavier-, E-Piano- und Orgelklänge
MIDI-Controllerca. 60–600 €Tastenzahl, Tastatur, Regler, Software-Integration

Checkliste

Anschlagdynamik (unbedingt), mindestens 61 Tasten in Normalgröße, Kopfhörerbuchse, Pedalanschluss, USB. Stabiler Ständer (X- oder Tischständer), höhenverstellbare Bank, Sustainpedal in Klavierform statt kleinem Taster. Wer später Klavier spielen möchte, wählt ein Digitalpiano mit Hammermechanik.

15Pflege und Ergonomie

  • Staubabdeckung verwenden; Tasten mit leicht feuchtem Tuch reinigen, keine Lösungsmittel.
  • Nicht in direkter Sonne oder in feuchten Räumen lagern; Getränke fernhalten.
  • Für Transport gepolsterte Taschen oder Cases verwenden.
  • Sitzhöhe so wählen, dass die Unterarme etwa waagerecht zur Tastatur verlaufen; das Keyboard mittig vor dem Körper.
  • Kopfhörer mit moderater Lautstärke nutzen, um das Gehör zu schonen.

16Keyboard lernen

PhaseInhalte
EinstiegOrientierung auf der Tastatur, Fünftonraum, Melodie rechts, einfache Akkorde links (Single Finger), erste Styles, Notenlesen im Violinschlüssel
1.–2. Jahrvollgriffige Dur- und Mollakkorde, Umkehrungen, Bassschlüssel, beidhändiges Spiel, Klangauswahl und Registrierung
3.–4. Jahrfreie Begleitmuster ohne Automatik, Vierklänge, Leadsheets, Bandspiel, Pitch Bend und Modulation
FortgeschrittenVoicings, Improvisation, Stilistik (Pop, Soul, Funk, Jazz), Sounddesign, DAW und Recording, Arrangieren

17Das Keyboard an der Musikschule Cuxhaven

Keyboardunterricht bei uns verbindet Spielfreude mit Akkordlehre, Begleitung, Sounddesign und Arrangieren. Ein Wechsel zum Klavier ist jederzeit möglich; in unseren Bands spielen Keyboarderinnen und Keyboarder mit E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Verwandt: Akkordeon.

18Häufige Fragen

Keyboard oder Klavier?Für klassisches Klavierspiel ist ein Digitalpiano mit gewichteter Tastatur richtig. Für Pop, Begleitung, Bandspiel und elektronische Musik ist das Keyboard ideal. Viele beginnen am Keyboard und wechseln später – oder spielen beides.
Ist die Begleitautomatik „Schummeln“?Nein – sie ist ein Werkzeug, das Alleinunterhalter professionell nutzen. Sie ersetzt jedoch nicht das Erlernen eigener Begleitmuster.
Was ist MIDI?Ein Protokoll, das Spielinformationen zwischen Instrumenten und Computern überträgt – keinen Klang.
Was ist der Unterschied zwischen Keyboard und Synthesizer?Ein Keyboard hat meist feste, gesampelte Klänge und Begleitautomatik; ein Synthesizer erzeugt Klänge, die man selbst gestaltet.
Wie viele Tasten brauche ich?Für Keyboardunterricht 61, für Klavierliteratur 88, für reine Studioarbeit am Computer oft 25–49.
Brauche ich ein Sustainpedal?Ja, von Anfang an sinnvoll. Ein Pedal in Klavierform ist angenehmer als ein kleiner Fußtaster.

19Glossar

ADSR
Hüllkurve: Attack, Decay, Sustain, Release.
Aftertouch
Druck auf die Taste nach dem Anschlag als Steuersignal.
Arranger
Keyboard mit Begleitautomatik.
Clonewheel
Digitale Nachbildung einer Hammond-Orgel.
DAW
Musikprogramm zum Aufnehmen und Produzieren.
Filter (Cutoff, Resonanz)
Klangformer im Synthesizer.
Layer / Split
Klänge überlagern / Tastatur teilen.
Leslie
Lautsprecher mit rotierendem Horn für Orgeln.
LFO
Langsamer Oszillator zur Modulation.
MIDI
Standard zur Übertragung von Spieldaten.
Multitimbral
Mehrere Klänge gleichzeitig nutzbar.
Pitch Bend
Rad zur Tonhöhenveränderung.
Polyphonie
Anzahl gleichzeitig klingender Stimmen.
Style
Begleitmuster in einem Musikstil.
Velocity
Anschlagstärke (0–127).
Voicing
Lage und Verteilung der Akkordtöne.
Zugriegel
Regler für die Fußlagen der Hammond-Orgel.

20Quellen und weiterführende Literatur

  • Mark Vail: The Synthesizer. A Comprehensive Guide to Understanding, Programming, Playing, and Recording. Oxford University Press 2014.
  • Mark Vail: Vintage Synthesizers. Miller Freeman, 2. Aufl. 2000.
  • Trevor Pinch, Frank Trocco: Analog Days. The Invention and Impact of the Moog Synthesizer. Harvard University Press 2002.
  • Thom Holmes: Electronic and Experimental Music. Routledge, 6. Aufl. 2020.
  • Gordon Reid: Synth Secrets. Artikelserie in Sound on Sound, 1999–2004.
  • Mark Levine: The Jazz Piano Book. Sher Music 1989.
  • MIDI Association: MIDI 1.0 Detailed Specification; MIDI 2.0 Specification.
  • Artikel „Elektronische Musikinstrumente“ in: MGG; „Synthesizer“ und „Electronic instruments“ in: Grove Music Online.

Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven