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Instrumentenkunde › Streichinstrumente

Der Kontrabass

Das größte und tiefste Streichinstrument – Fundament des Sinfonieorchesters, Herzschlag des Jazz, Motor von Rockabilly, Bluegrass und Salsa und ein überraschend virtuoses Soloinstrument.

Der Kontrabass ist das tiefste und größte Instrument der Orchesterstreicher. Er klingt eine Oktave tiefer als notiert und ist das einzige Streichinstrument des Orchesters, das in Quarten gestimmt ist. Seine Geschichte ist verwickelter als die von Violine oder Cello: Er vereint Merkmale der Gambenfamilie – abfallende Schultern, flacher Boden, früher Bünde – mit denen der Violinfamilie, und über Jahrhunderte existierten zahlreiche Größen, Saitenzahlen und Stimmungen nebeneinander. Heute spielt der Kontrabass in erstaunlich vielen Welten eine Hauptrolle: im Sinfonieorchester als Fundament, im Jazz als rhythmisch-harmonischer Motor, in Rockabilly, Bluegrass, Tango und Salsa, in Folk und Filmmusik – und als Soloinstrument, das seit Giovanni Bottesini immer wieder Virtuosen hervorgebracht hat.

Einstiegsalterab ca. 7–10 Jahren (1/8- bis 1/4-Bass)
Lautstärkemittel; tief und raumfüllend
Transportgroß – Gigbag, Rollen, Kombi oder Kleinbus
Besonderheitklassisch mit Bogen und im Jazz gezupft

1Namen und Einordnung

Neben Kontrabass sind im Deutschen Bass, Bassgeige und umgangssprachlich Stehbass üblich; in Österreich und Bayern hört man auch Basserl oder im Volksmusikkontext Bassgeigen. International: engl. double bass, im Jazz und Pop upright bass, acoustic bass oder string bass; ital. contrabbasso; frz. contrebasse; span. contrabajo; russ. kontrabas; chin. 低音提琴 (dīyīn tíqín). Die Vorsilbe „Kontra-“ bezeichnet die Oktave unter dem großen Register (Kontraoktave).

Der Kontrabass ist eine Streichlaute mit vier, fünf oder – historisch – drei, sechs Saiten. Er ist das einzige Orchesterstreichinstrument mit Quartstimmung: Quinten würden auf dem über einen Meter langen Griffbrett unrealistische Griffweiten erfordern. Er wird im Stehen oder auf einem hohen Hocker sitzend gespielt und mit einem Stachel auf dem Boden abgestützt.

2Geschichte

Die Violone-Familie

Große Bassinstrumente entstanden im 16. Jahrhundert parallel in beiden Streicherfamilien. Die Gambenfamilie kannte die Violone (auch Großbassgambe), sechssaitig, mit Bünden, in verschiedenen Größen und Stimmungen, teils eine Oktave unter der Bassgambe (Kontrabassgambe). Die Violinfamilie hatte ihre eigenen großen Bässe. Die Begriffe waren über Jahrhunderte fließend: „Violone“ konnte je nach Zeit und Ort ein großes Cello in 8′-Lage oder ein echtes Kontrabassinstrument in 16′-Lage bezeichnen – ein Dauerthema der Aufführungspraxis, etwa bei Bach oder Händel.

Frühe erhaltene Instrumente stammen aus Brescia (Gasparo da Salò, Giovanni Paolo Maggini) und wurden später meist verkleinert und umgebaut. Einige der bis heute geschätztesten Kontrabässe schufen im 17. und 18. Jahrhundert Geigenbauer wie die Amati, Carlo Giuseppe Testore, Domenico Montagnana, Matteo Goffriller, Lorenzo Storioni und Giovanni Battista Rogeri; Stradivari baute nach heutigem Wissen nur sehr wenige Bässe.

Wiener Violone und die Klassik

Im Wien der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war ein fünfsaitiger Bass mit Bünden verbreitet, gestimmt in der sogenannten Wiener Stimmung (meist F1–A1–D–Fis–A). Der Dreiklang in den oberen Saiten erleichterte Akkorde, Arpeggien und Passagen in D-Dur. Für dieses Instrument und virtuose Spieler wie Johannes Sperger, Friedrich Pischelberger und Joseph Kämpfer entstand ein reiches Solorepertoire: Konzerte von Carl Ditters von Dittersdorf, Johann Baptist Vanhal, Franz Anton Hoffmeister, Antonio Zimmermann, Johannes Matthias Sperger (18 Konzerte) sowie Joseph Haydns verschollenes Kontrabasskonzert. Mozart komponierte die Konzertarie „Per questa bella mano“ KV 612 (1791) mit obligatem Kontrabass für Pischelberger. Heute werden diese Werke meist in Solostimmung auf dem viersaitigen Bass gespielt, oft in eigens angepassten Transpositionen; einige Spezialisten verwenden wieder die Wiener Stimmung.

Dragonetti, Bottesini und das 19. Jahrhundert

  • 1763–1846 Domenico Dragonetti (Venedig, später London) prägt eine Generation. Er spielte Beethovens Cellosonate op. 5/2 auf dem Bass und beeinflusste dessen Bassstimmen; er verwendete einen Bogen mit hohem Frosch (Vorläufer des „deutschen“ Bogens) und einen dreisaitigen Bass.
  • 19. Jh. In Italien, Frankreich und England ist der dreisaitige Bass (meist A1–D–G oder G1–D–A) verbreitet: laut, kräftig, mit dicken Darmsaiten. In Deutschland setzt sich der Viersaiter in E1–A1–D–G durch.
  • 1821–1889 Giovanni Bottesini, „Paganini des Kontrabasses“, konzertiert weltweit auf einem dreisaitigen Testore-Bass, komponiert Konzerte, Fantasien, das Gran Duo concertante und dirigiert die Uraufführung von Verdis Aida (Kairo 1871).
  • 1874 Franz Simandl (Wien) veröffentlicht seine Neueste Methode des Kontrabass-Spiels, bis heute weltweit verbreitet.
  • 1902 Serge Koussevitzky, später Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra, schreibt sein Kontrabasskonzert fis-Moll op. 3.
  • ab ca. 1900–1920 Die C-Extension (Verlängerung der E-Saite bis C1) und fünfsaitige Bässe setzen sich in großen Orchestern durch; Stahlsaiten verdrängen ab den 1940er/50er-Jahren die Darmsaiten.
  • 1920er–1940er Im Jazz ersetzt der Kontrabass die Tuba als Bassinstrument; Jimmy Blanton revolutioniert ab 1939 bei Duke Ellington das Spiel.
  • 1967 Gary Karr gründet die International Society of Bassists (ISB).
  • seit 1970 François Rabbath, Franco Petracchi und Ludwig Streicher erneuern Technik und Pädagogik; Komponisten schreiben ein umfangreiches neues Solorepertoire.

3Bauformen

Kein anderes Streichinstrument kennt so viele Umrissformen. Das Grundprinzip bleibt gleich: Decke aus Fichte, Boden und Zargen aus Ahorn (oder Weide, Pappel), Bassbalken, Stimmstock, Steg, Griffbrett aus Ebenholz.

FormMerkmaleHinweise
Gambenformabfallende Schultern, flacher Boden mit Knick im oberen Bereich, oft ohne ausgeprägte Eckenam häufigsten; leichter Zugang zu hohen Lagen
Violinformrunde Schultern, gewölbter Boden, Eckenvoller Klang; z. B. viele italienische und französische Bässe
Busetto-Formohne Ecken, kompakte Mittelbuchtitalienische Tradition
Birnenform (Pear)schmale Schultern, breiter Unterbugseltener
GitarrenformUmriss wie eine Gitarre (keine Ecken)v. a. französische Tradition

Massiv, halbmassiv, Sperrholz

BauweiseMerkmaleEinsatz
Sperrholz (laminiert)alle Platten aus mehrschichtigem Holz; sehr robust, klimaunempfindlichSchule, Jazz, Rockabilly (lauter Pizzicato-Punch), Tourneen
Halbmassiv (Hybrid)massive Fichtendecke, laminierter Boden und ZargenSchüler bis Fortgeschrittene; guter Kompromiss
Massiv (vollmassiv)alle Teile aus Massivholz, handgearbeitetOrchester, Solisten; klimaempfindlicher
Carbon, ReisebässeCarbon-Korpus oder zerlegbare Konstruktionen (Stecknacken, abnehmbarer Hals)Reisen, Flugzeug

Besonderheiten der Konstruktion

  • Schraubenmechanik statt Holzwirbeln: Wegen der hohen Saitenspannung werden die Saiten über Schnecken-Zahnrad-Mechaniken gestimmt.
  • Verstellbarer Steg: Viele Stege haben Rändelräder, mit denen die Saitenlage verändert werden kann – niedriger für Jazz-Pizzicato und Sommerfeuchte, höher für Bogenspiel und Winter.
  • Knick im Boden: Der flache Boden ist im oberen Bereich abgeknickt, um Platz für den Hals zu schaffen; Querbalken (Bodenbalken) stabilisieren ihn.
  • Stachel: aus Stahl, Holz, Carbon oder Wolfram, häufig mit auswechselbarer Gummikappe; gewinkelte Stachel (z. B. nach Laborie) verändern den Winkel des Instruments.
  • Extension: Mechanische (mit Klappen oder „Fingern“) oder einfache Extension-Aufsätze verlängern die E-Saite über den Sattel hinaus bis C1.

4Maße und Größen

Richtwerte eines 3/4-Kontrabasses (übliche Erwachsenengröße)
MaßWert
Gesamthöhe ohne Stachelca. 180–190 cm
Korpuslängeca. 110–115 cm
Breite oben / untenca. 50–53 / 66–70 cm
Zargenhöheca. 18–21 cm
Mensurca. 102–106 cm (in Orchestern z. T. bis 110 cm)
Steghöheca. 16–17 cm
Gewichtca. 9–13 kg

Die Bezeichnungen „3/4“ oder „4/4“ sind beim Kontrabass keine genormten Maße, sondern grobe Kategorien. Der „4/4-Bass“ ist ein sehr großes Instrument und selten; die übliche Erwachsenengröße ist 3/4, für kleinere Personen auch 5/8 oder 1/2.

Kindergrößen (Richtwerte)
GrößeMensur ca.Körpergröße ca.
1/1070–75 cmab 115 cm
1/876–80 cmab 125 cm
1/486–90 cmab 140 cm
1/294–98 cmab 155 cm
5/898–102 cmab 160 cm
3/4102–106 cmStandard für Jugendliche und Erwachsene

5Saiten

TypAufbauKlang und Einsatz
Darmblank oder umsponnenwarm, obertonreich, „holziger“ Pizzicato-Ton; Barock, Old-School-Jazz, Rockabilly (Slap)
Stahl (Seil- oder Massivkern)umsponnen mit Chromstahl, Nickel oder Wolframkräftig, fokussiert, stimmstabil; Orchester-Standard
Hybrid (Stahl mit Weichumspinnung)z. B. Seilkern mit „weicher“ Umspinnunglange Ausklingzeit für Jazz-Pizzicato, trotzdem bogentauglich (Klassiker: Thomastik „Spirocore“)
SynthetikPolymerkerndarmähnlich, stimmstabil; Klassik und Jazz
Solosaitendünnerfür die Solostimmung einen Ganzton höher; brillant

Jede Basssaite trägt eine Zugkraft von etwa 250–350 N; zusammen rund 1.100–1.400 N (über 110 kg). Ein Saitensatz kostet je nach Typ ca. 100–350 €; gute Saiten halten bei Orchesterbelastung oft ein bis mehrere Jahre.

6Stimmung, Tonumfang und Notation

StimmungSaitenEinsatz
OrchesterstimmungE1 – A1 – D2 – G2Standard in Klassik, Jazz, Pop
Mit C-ExtensionC1 – A1 – D2 – G2 (E-Saite verlängert)große Orchester (Beethoven, Brahms, Mahler, Strauss verlangen Töne unter E)
FünfsaiterH0 – E1 – A1 – D2 – G2 (oder C1 …)verbreitet in deutschen und österreichischen Orchestern
SolostimmungFis1 – H1 – E2 – A2Solorepertoire; mit dünneren Solosaiten, brillanter Klang
QuintstimmungC1 – G1 – D2 – A2wenige Spezialisten (Red Mitchell, Joel Quarrington); größerer Umfang, anspruchsvolle Griffweiten
Wiener Stimmung(F1) – A1 – D – Fis – Ahistorisch, Wiener Klassik
C1C2C3C4C5C6C7C8Kontrabass: E1 (41.2 Hz) bis G4 (392 Hz)
Klingender Tonumfang Kontrabass: E1 (41.2 Hz) bis G4 (392 Hz); hell markiert: mit Erweiterung bzw. Spezialtechnik erreichbar (H0 bis G5). Darstellung auf einer 88-Tasten-Klaviatur (wissenschaftliche Tonbezeichnung, a′ = A4 = 440 Hz).

Notiert wird im Bassschlüssel eine Oktave höher, als der Bass klingt; die Stimme für Cello und Bass kann so im 18. und 19. Jahrhundert gemeinsam gedruckt werden. Für hohe Lagen verwendet man Tenor- und Violinschlüssel; in älteren Soloausgaben weicht die Oktavlage im Violinschlüssel teils von der heutigen Konvention ab – ein häufiger Stolperstein, auf den gute Ausgaben hinweisen. Solostimmen in Solostimmung werden meist transponiert notiert (ein Ganzton tiefer, als sie klingen).

7Akustik

Der tiefste Ton des Standardbasses, E1, schwingt mit 41,2 Hz, das C1 der Extension mit 32,7 Hz, das H0 des Fünfsaiters mit 30,9 Hz – an der unteren Grenze dessen, was als Tonhöhe wahrgenommen wird. Der Korpus kann solche Frequenzen nur schwach abstrahlen: Seine Luftresonanz (A0) liegt etwa bei 55–70 Hz, die wichtigsten Korpusresonanzen bei ca. 60–130 Hz. Unterhalb davon fällt die Abstrahlung steil ab.

Dass wir tiefe Basstöne dennoch deutlich hören, beruht auf dem Phänomen des Residualtons (fehlender Grundton): Das Gehör rekonstruiert die Grundfrequenz aus den Abständen der Obertöne, die der Bass kräftig abstrahlt. Deshalb ist ein obertonreicher, gut artikulierter Ansatz wichtiger als reine „Tiefe“ – und deshalb wirkt die Kombination mit den Celli eine Oktave höher im Orchester so tragend.

Der Pizzicato-Ton besteht aus einem kräftigen Einschwingvorgang (Anschlaggeräusch, Attack) und einem langen oder kurzen Ausklingen (Sustain), das von Saitenart, Saitenlage und Korpus abhängt. Jazzbassisten wählen Saiten, Steghöhe und Instrument gezielt nach diesem „Sustain“.

8Der Bogen: deutsch oder französisch

Beim Kontrabass existieren zwei gleichberechtigte Bogentypen – eine Besonderheit unter den Streichinstrumenten.

Deutscher Bogen (Butler-Bogen)Französischer Bogen
Herkunftvon der Gambe und dem Dragonetti-Bogen abgeleitetvom Cellobogen abgeleitet (Bottesini)
Froschhoch und breit, Hand umfasst ihn von unten („Untergriff“)flach, Haltung wie beim Cello („Obergriff“)
Länge, Gewicht (ca.)74–78 cm, 130–160 g70–73 cm, 125–145 g
VerbreitungDeutschland, Österreich, Skandinavien, Osteuropa, Teile der USAFrankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, weite Teile der USA
StärkenKraft aus Armgewicht, Ausdauer, dichter Ton, ermüdungsarmBeweglichkeit, feine Stricharten, Nähe zur Cellotechnik

Beide Bögen führen zu höchstem Niveau; die Wahl folgt meist der Tradition der Lehrkraft und der Handanatomie. Kontrabass-Kolophonium ist deutlich weicher und klebriger als Violin-Kolophonium (Marken wie Pops’, Nyman, Carlsson, Kolstein) und muss vor Wärme geschützt werden, weil es sonst zerfließt.

9Haltung

Gespielt wird stehend oder sitzend auf einem hohen Hocker (ca. 70–80 cm). Im Stehen lehnt der Bass leicht nach hinten an Bauch und linker Hüfte, das linke Knie stützt die Rückseite der Zarge. Die Stachellänge wird meist so eingestellt, dass der Zeigefinger in der ersten (halben) Lage etwa auf Augen- oder Stirnhöhe liegt und der Bogen bequem zwischen Griffbrettende und Steg geführt werden kann. Im Sitzen ruht der Bass am linken Oberschenkel oder zwischen den Knien, der rechte Fuß steht auf dem Boden, der linke auf der Hockerstrebe.

Beim Pizzicato liegt der rechte Unterarm locker auf der Zarge oder schwebt, der Daumen stützt sich am Griffbrettrand ab. Wegen der Größe ist ein ökonomischer Umgang mit dem Körper entscheidend: Die linke Hand soll nicht „klemmen“, sondern das Armgewicht über die Finger in die Saite geben; der Daumen hinter dem Hals dient der Orientierung, nicht dem Gegendruck.

10Technik der linken Hand

Fingersatzsysteme

SystemPrinzipMerkmale
Simandl (1-2-4)in den Halslagen umfasst die Hand einen Ganzton; gegriffen wird mit 1., 2. und 4. Finger (3. und 4. Finger gemeinsam)weltweit Standard; stabile Intonation, Kraft
Italienisch / Petracchi (1-2-3-4)alle vier Finger, Hand in „gestreckter“ Form, auch in tiefen Lagengrößere Reichweite, weniger Lagenwechsel; gute Handanatomie erforderlich
Rabbath (Pivot)Hand „dreht“ um den Daumen als Drehpunkt; das Griffbrett wird in sechs große Lagen eingeteiltweniger Lagenwechsel, neue Fingersatzlogik; weltweit einflussreich
Daumenlageab etwa der Saitenmitte (Oktavflageolett) liegt der Daumen auf der Saitefür hohe Passagen und Solorepertoire; 1., 2., 3. Finger werden genutzt

Die Lagen werden unterschiedlich gezählt: Simandl beginnt mit der halben Lage und zählt I, II, II½, III, III½ usw.; italienische und französische Schulen nummerieren anders. In Unterricht und Notenmaterial ist daher die jeweils verwendete Systematik zu beachten.

Intonation und Vibrato

Die Abstände sind groß (ein Halbton in der ersten Lage ca. 6 cm), der Ton ist tief – die Intonation muss hörend kontrolliert werden, oft über Obertöne und Flageoletts als Referenzpunkte. Das Vibrato ist langsamer und schmaler als beim Cello; im Jazz-Pizzicato wird es sparsam eingesetzt.

Flageoletts

Die lange Saite liefert viele gut ansprechende natürliche Flageoletts – bis zum 8. oder 10. Oberton. Bottesini und spätere Virtuosen nutzten sie für glitzernde Kantilenen in extrem hoher Lage.

11Bogentechnik

Die Stricharten entsprechen denen der anderen Streicher (siehe Violine): Détaché, Legato, Martelé, Spiccato, Tremolo, sul ponticello, col legno. Wegen der Masse der Saiten braucht der Kontrabass eine vorbereitete, frühe Tonansprache: Der Bogen „holt“ die Saite, bevor der Ton erklingt. Im Orchester bedeutet das, gezielt leicht vor dem Schlag des Dirigats zu beginnen, damit der tiefe Ton zeitgleich mit den übrigen Stimmen wahrgenommen wird. Springende Stricharten liegen tiefer am Bogen als bei Violine und Cello.

12Pizzicato, Walking Bass und Slap

Pizzicato-Technik

Im Orchester wird meist mit einem Finger (oft dem Zeigefinger) gezupft, nahe am Griffbrettende. Im Jazz haben sich Techniken mit zwei Fingern im Wechsel oder mit der Seite des Zeigefingers aus dem Armgewicht („Ray Brown“-Anschlag) durchgesetzt: Der Finger wird seitlich über die Saite gezogen, sodass sie parallel zum Griffbrett schwingt und lange ausklingt. Moderne Jazzbassisten wie Scott LaFaro oder Niels-Henning Ørsted Pedersen entwickelten mit niedriger Saitenlage und zwei- oder dreifingrigem Anschlag gitarrenähnliche Geläufigkeit.

Walking Bass

Der Walking Bass ist eine Linie aus durchlaufenden Vierteln, die die Akkordfolge eines Stücks hörbar macht und zugleich den Swing-Puls trägt. Grundregeln:

  1. Auf der Zählzeit 1 eines neuen Akkords steht meist der Grundton.
  2. Die Zählzeiten 2 und 3 verwenden Akkordtöne (Terz, Quinte, Septime) oder Tonleitertöne.
  3. Zählzeit 4 ist ein Annäherungston: chromatisch von unten oder oben, oder die Dominante zum nächsten Grundton.
  4. Die Linie soll melodisch sinnvoll sein, Registerwechsel und Richtungswechsel enthalten und das Tempo ohne „Schieben“ oder „Schleppen“ halten.

Neben dem Walking Bass gibt es den Two-Feel (halbe Noten auf 1 und 3, typisch für Balladen und Themen), Pedaltöne, Ostinati und im modalen Jazz freiere Formen.

Slap

Beim Slap zieht die rechte Hand die Saite so weit ab, dass sie aufs Griffbrett zurückschnalzt, und schlägt anschließend mit der flachen Hand auf die Saiten. Das erzeugt einen perkussiven „Klick“ zwischen den Tönen – eine Art eingebautes Schlagzeug. Die Technik stammt aus dem New-Orleans-Jazz der 1920er-Jahre (Pops Foster, Wellman Braud) und ist heute das Markenzeichen von Rockabilly und Psychobilly (Bill Black bei Elvis Presley, Lee Rocker, Kim Nekroman). Man unterscheidet einfachen, doppelten und dreifachen („triplet“) Slap. Darmsaiten oder weiche Synthetiksaiten mit hoher Saitenlage erleichtern die Technik.

13Der Kontrabass im Orchester

Das Sinfonieorchester besetzt je nach Repertoire 4–8 Kontrabässe (Wagner verlangt 8), das Kammerorchester 1–3. Bis in die Wiener Klassik spielen Bass und Cello überwiegend dieselbe Stimme im Oktavabstand; Beethoven verselbständigt die Bassstimme zunehmend (Sturm im 4. Satz der 6. Sinfonie, Rezitative im Finale der 9. Sinfonie). Im 19. und 20. Jahrhundert erhalten die Bässe eigene Farben: geteilte Passagen, Flageoletts, Solostellen.

Bekannte SolostellenWerk
Trio im ScherzoBeethoven, Sinfonie Nr. 5
RezitativBeethoven, Sinfonie Nr. 9, 4. Satz
Beginn des 4. Akts (Bässe allein)Verdi, Otello
„Bruder Jakob“ in MollMahler, Sinfonie Nr. 1, 3. Satz (Solo-Kontrabass)
„Der Elefant“Saint-Saëns, Karneval der Tiere
RomanzeProkofjew, Leutnant Kijé
Duett mit PosauneStrawinsky, Pulcinella, „Vivo“
Variation der KontrabässeBritten, The Young Person’s Guide to the Orchestra

Typische Probespielstellen: Mozart, Sinfonien Nr. 35, 39 und 40; Beethoven, Sinfonien Nr. 5 und 9; Brahms, Sinfonie Nr. 2; Mendelssohn, Sommernachtstraum; Richard Strauss, Ein Heldenleben und Don Juan; Mahler, Sinfonie Nr. 2; Verdi, Otello; Schubert, Sinfonie Nr. 9.

14Pädagogik, Schulen und Etüden

Lehrer / WerkBeitrag
Franz Simandl: Neueste Methode des Kontrabass-Spiels1-2-4-System, Standardwerk; 30 Etüden
Édouard Nanny: Méthode complètefranzösische Schule, Etüden, Bearbeitungen
Isaia Billè: Nuovo metodoitalienische Schule, umfangreiche Etüdenreihe
Ludwig Streicher: Mein Musizieren auf dem Kontrabass (5 Bde.)Wiener Schule, deutscher Bogen, Solorepertoire
François Rabbath: Nouvelle technique de la contrebassePivot-Technik, sechs Lagen
Franco Petracchi: Simplified Higher TechniqueDaumenlage, italienische Fingersätze
Wiktor Storch, Jaroslav Hrabě, Josef KailEtüden (u. a. Storch-Hrabe 57 Etüden)
Rufus Reid: The Evolving Bassist; Ray Brown: Bass MethodStandardwerke für Jazzbass
George Vance: Progressive Repertoire; „Yorke“-Schulen; Suzuki Bass SchoolFrühpädagogik und Kinderunterricht

15Solorepertoire

Klassik und Frühromantik

KomponistWerk
Carl Ditters von DittersdorfKonzerte Nr. 1 und Nr. 2 E-Dur (heute meist Nr. 2 in Solostimmung); Sinfonia concertante für Viola und Kontrabass
Johann Baptist VanhalKonzert D-Dur (Standard-Probespielkonzert)
Johannes Matthias Sperger18 Konzerte, Sonaten, Quartette
Franz Anton HoffmeisterKonzerte Nr. 1–3, Solo-Quartette
Wolfgang Amadeus Mozart„Per questa bella mano“ KV 612 (Bassarie mit obligatem Kontrabass)
Domenico DragonettiSolos, Walzer; das ihm zugeschriebene Konzert A-Dur stammt vermutlich von Édouard Nanny

Romantik

KomponistWerk
Giovanni BottesiniKonzerte Nr. 1 fis-Moll und Nr. 2 h-Moll; Gran Duo concertante (mit Violine); Elegia; Tarantella; Passione amorosa; Fantasien über Opern (La Sonnambula, Lucia di Lammermoor)
Serge KoussevitzkyKonzert fis-Moll op. 3 (1902); Valse miniature; Chanson triste
Reinhold GlièreVier Stücke (Präludium, Scherzo, Intermezzo, Tarantella)
Adolf MišekSonaten Nr. 1–3
František HertlSonate; Vier Stücke
Henry Eccles, Giovanni Battista Pergolesi, Marcellobarocke Sonaten in Bearbeitung (Eccles g-Moll ist ein Standardwerk des Unterrichts)

20. und 21. Jahrhundert

KomponistWerk
Paul HindemithSonate (1949)
Eduard TubinKontrabasskonzert (1948)
Lars-Erik LarssonConcertino op. 45/11
Nino RotaDivertimento concertante (1968–73)
Hans Werner HenzeKontrabasskonzert (1966, für Gary Karr)
Gunther SchullerKonzert (1968)
Luciano BerioSequenza XIVb (Bearbeitung der Cello-Sequenza)
Giacinto ScelsiNuits, Maknongan
Iannis XenakisTheraps (1975/76), Entretiens
Frank Proto, Teppo Hauta-aho, Edgar MeyerKonzerte und Solowerke zwischen Klassik, Jazz und Bluegrass
John Harbison, Peter Maxwell Davies, Jan SandströmKonzerte

Kammermusik

Schubert, Klavierquintett A-Dur „Forellenquintett“ D 667; Dvořák, Streichquintett G-Dur op. 77; Rossini, sechs Sonate a quattro (zwei Violinen, Cello, Kontrabass) und das Duetto für Cello und Kontrabass; Beethoven, Septett op. 20; Schubert, Oktett F-Dur D 803; Onslow, Streichquintette mit Kontrabass; Prokofjew, Quintett op. 39; Strawinsky, Die Geschichte vom Soldaten.

16Der Kontrabass im Jazz

Kein Instrument hat die Rhythmusgruppe des Jazz so geprägt. Die frühen New-Orleans-Bands nutzten Tuba oder Kontrabass; mit besseren Aufnahmetechniken und dem gleichmäßigen „Four-Beat“ der Swing-Ära setzte sich der Kontrabass ab etwa 1930 durch.

ÄraBassistinnen und BassistenBeitrag
New Orleans, ChicagoPops Foster, Wellman Braud, Steve BrownSlap-Technik, Two-Beat
SwingWalter Page (Count Basie), Milt Hinton, Jimmy Blanton (Duke Ellington)durchlaufender Walking Bass; Blanton macht den Bass zum Soloinstrument
Bebop, Hard BopOscar Pettiford, Ray Brown, Paul Chambers, Percy Heath, Sam Jonesharmonisch dichte Linien, gestrichene Soli (Chambers)
Modern JazzCharles Mingus, Scott LaFaro, Ron Carter, Charlie Haden, Jimmy Garrison, Gary PeacockInterplay (Bill-Evans-Trio), Komposition, freie Formen
EuropaNiels-Henning Ørsted Pedersen (Dänemark), Eberhard Weber (Deutschland, ECM, E-Kontrabass), Miroslav Vitouš (Tschechien), Dave Holland (England), Renaud Garcia-Fons (Frankreich)eigenständige Klangsprache
GegenwartChristian McBride, John Patitucci, Esperanza Spalding, Avishai Cohen, Linda May Han Oh, Larry Grenadier, Dieter IlgVirtuosität, Komposition, Gesang

Ron Carter gilt mit über 2.000 Aufnahmen als einer der meistaufgenommenen Jazzbassisten der Geschichte. Im Jazz wird der Kontrabass fast immer mit Tonabnehmer oder Mikrofon verstärkt.

17Der Kontrabass in anderen Stilen und Kulturen

Stil / RegionRolle und TechnikNamen
Rockabilly, PsychobillySlap-Bass als RhythmusinstrumentBill Black, Lee Rocker (Stray Cats), Kim Nekroman
Bluegrass, CountryGrundton–Quinte-Wechsel auf 1 und 3, kräftiges PizzicatoEdgar Meyer, Missy Raines, Todd Phillips
TangoTeil der orquesta típica; Perkussion auf Korpus und Saiten (chicharra, golpe), markante Arrastre-FigurenKicho Díaz, Pablo Aslan
Kubanische Musik, Salsasynkopierter Tumbao; Grundton oft auf der „und“ von 2 und auf 4, Zählzeit 1 bleibt freiIsrael „Cachao“ López (Mitbegründer des Mambos, „Descargas“), Orlando „Cachaíto“ López
Alpenländische VolksmusikBass in Stubenmusik und Tanzlmusik, oft dreisaitig
Osteuropa, Klezmer, RomaBass mit Bogen oder gezupft in Kapellen; Wechselbässe
Nordindien, WeltmusikFusion-Projekte mit Tabla und SitarRenaud Garcia-Fons, Dave Holland
Pop, Singer-Songwriterakustischer Bass in Unplugged-Besetzungen, Jazz-PopEsperanza Spalding, Norah-Jones-Band

18Verstärkung, Tonabnehmer und E-Kontrabass

SystemPrinzipVor- und Nachteile
Piezo im Steg (Stegflügel)Druckabnehmer in den Stegflügelnkräftig, rückkopplungsarm, sehr verbreitet; teils „künstlicher“ Klang
Piezo unter dem StegfußAbnahme der Deckenschwingungnatürlicher, aber rückkopplungsanfälliger
Magnetischer Tonabnehmeram Griffbrettende (nur Stahlsaiten)sehr rückkopplungsfest, „E-Bass-ähnlich“
Mikrofon (Klemm- oder Stativmikrofon)akustische Abnahmenatürlichster Klang, im Studio Standard; auf lauten Bühnen problematisch
KombinationenPiezo + Mikrofon über Vorverstärker gemischtprofessioneller Standard auf Jazzbühnen
E-Kontrabässe (Electric Upright Basses) haben einen schmalen massiven oder rahmenartigen Körper, Mensur und Griffbrett eines Kontrabasses und eingebaute Tonabnehmer (Hersteller u. a. NS Design, Yamaha, Eminence als zerlegbarer akustischer Reisebass). Sie sind leicht, rückkopplungsarm und transportabel. Als Verstärker dienen Bassverstärker mit neutralem Klang oder Akustikverstärker; ein Hochpassfilter gegen Rückkopplungen und Trittschall ist sinnvoll.

19Bedeutende Kontrabassistinnen und Kontrabassisten (Klassik)

EpocheNamen
18. Jh.Johannes Matthias Sperger, Friedrich Pischelberger, Joseph Kämpfer
19. Jh.Domenico Dragonetti, Giovanni Bottesini, Franz Simandl, Édouard Nanny, Serge Koussevitzky
20. Jh.Ludwig Streicher, Gary Karr, François Rabbath, Franco Petracchi, Klaus Stoll, Rodion Azarkhin, Jorma Katrama
GegenwartBožo Paradžik, Edgar Meyer, Rinat Ibragimov, Catalin Rotaru, Ödön Rácz, Roman Patkoló, Dominik Wagner, Nabil Shehata (auch Dirigent)

20Ausbildung und Wettbewerbe

Kontrabass wird an allen Musikhochschulen gelehrt, in Klassik und Jazz als getrennte Studiengänge. Die International Society of Bassists veranstaltet große Kongresse und einen Solowettbewerb. Weitere bedeutende Wettbewerbe: Giovanni Bottesini International Double Bass Competition (Crema), Internationaler Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb (Deutschland), ARD-Musikwettbewerb (München, Kontrabass in unregelmäßigen Abständen), Concours de Contrebasse de Genève (Kategorie beim Concours de Genève), dazu „Jugend musiziert“ für den Nachwuchs. Für Jazz-Bassisten sind Hochschulwettbewerbe und Jugendjazzorchester wichtige Stationen.

21Kauf und Kosten

KategorieRichtwert (neu)Hinweise
Miete Schülerbassca. 40–70 € pro Monatsinnvoll bis zur Endgröße
Sperrholzbassca. 1.500–3.500 €robust; gute Einrichtung wichtiger als Holzart
Halbmassiv (Hybrid)ca. 3.000–7.000 €massive Decke
Vollmassiv, Werkstatt/Meisterca. 7.000–30.000 €Orchester- und Soloinstrumente
Historische Instrumenteab ca. 20.000 € bis weit über 250.000 €italienische Bässe des 17./18. Jh.
Bogenca. 150–600 € (Schüler), 1.500–10.000 € (professionell)deutsch oder französisch
Tonabnehmer, Verstärkerca. 150–600 € bzw. 300–1.500 €für Jazz und Band
Tasche / Flugkofferca. 150–500 € / 1.500–3.000 €Flugkoffer nötig, wenn der Bass als Gepäck reist

Checkliste beim Kauf

Mit der Lehrkraft verschiedene Bässe vergleichen, mit Bogen und Pizzicato. Prüfen: Risse (besonders am flachen Boden, am Knick und an den Bodenbalken), offene Fugen, Halswinkel, Griffbrett (gleichmäßige Wölbung, keine Schnarrstellen), gängige Mechaniken, Stegstellung, Saitenlage (ca. 6–9 mm G-Saite, 9–12 mm E-Saite am Griffbrettende je nach Stil), sicherer Stachel. Gebrauchte Bässe unbedingt vom Fachmann begutachten lassen.

22Transport

Der Transport ist die größte praktische Herausforderung. Bewährt haben sich: eine gut gepolsterte Tasche mit Rucksackgurten und Rolle („Bass-Wheel“, das durch den Stachel geführt wird oder am Unterbug befestigt ist); im Auto ein Kombi mit umklappbarem Beifahrersitz, der Bass mit der Decke nach oben gesichert; bei Flugreisen ein Hartschalen-Flugkoffer (Gesamtgewicht oft über 30 kg, Sperrgepäck) oder ein zerlegbarer Reisebass. Viele Profis mieten auf Tourneen vor Ort einen Bass. Im Zug ist ein Platz im Mehrzweckbereich sinnvoll.

23Pflege und Wartung

  • Klima: Die großen, oft flachen Platten reagieren stark auf Luftfeuchte; ideal sind 40–60 %. Im Winter Raumluftbefeuchter, im Sommer Stegverstellung nach Bedarf.
  • Kolophonium nach dem Spielen von Saiten und Decke entfernen; Kontrabass-Kolophonium nicht in der Sonne liegen lassen.
  • Ablegen: Den Bass nie auf den Steg oder an eine Wand lehnen; immer seitlich auf die Bassbalkenseite legen oder in einen Ständer stellen.
  • Steg und Stimmstock regelmäßig kontrollieren; Mechaniken bei Bedarf leicht ölen lassen.
  • Werkstatt: jährliche Durchsicht; Risse im Boden und gelöste Bodenbalken sofort behandeln lassen.

24Kontrabass lernen

PhaseInhalte
Erste WochenHaltung (Stehen oder Hocker), Stachellänge, Bogenhaltung, leere Saiten, Pizzicato, einfache Basslinien zum Mitspielen
1. Jahrhalbe und 1.–2. Lage, Bassschlüssel, Tonleitern in einer Oktave, Détaché, erstes Ensemblespiel
2.–3. JahrLagen bis III–IV, Lagenwechsel, Tonleitern über zwei Oktaven, Schülerorchester; wahlweise erste Walking-Bass-Linien
4.–5. JahrÜbergangslagen, Vibrato, Flageoletts, Eccles-Sonate, Capuzzi-Konzert; Jazz: Akkordsymbole, Two-Feel und Walking Bass, Bandspiel
FortgeschrittenDaumenlage, Solostimmung, Dittersdorf/Vanhal, Bottesini, Orchesterstellen; Jazz: Soli, Transkriptionen, Improvisation

Kontrabassisten sind in fast jedem Ensemble gefragt: Schülerorchester, Kammermusik, Bigband, Jazzcombo, Folk- und Popband. Diese Vielseitigkeit macht den Bass zu einem der sozialsten Instrumente überhaupt.

25Der Kontrabass an der Musikschule Cuxhaven

Wir unterrichten Kontrabass klassisch mit Bogen und im Jazz- und Popbereich gezupft – für Kinder mit kleinen Instrumenten ebenso wie für Jugendliche und Erwachsene. Die Lehrkräfte beraten zu Leihinstrumenten, Größe, Bogentyp und Transport und bringen Bassistinnen und Bassisten früh in unsere Ensembles. Wer später zum E-Bass wechselt oder beide Instrumente spielt, profitiert von Gehör, Timing und Harmonieverständnis. Verwandte Seiten: Violoncello, Violine.

26Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man Kontrabass lernen?Mit kleinen Instrumenten (1/10 oder 1/8) ab etwa sieben bis zehn Jahren. Viele beginnen auch als Jugendliche oder Erwachsene – der Einstieg ist schnell möglich, weil einfache Basslinien früh im Ensemble funktionieren.
Stehen oder sitzen?Beides ist verbreitet. Im Stehen ist man beweglicher und hat mehr Gewicht im Bogen, im Sitzen ermüdet man weniger. Viele Bassisten wechseln je nach Stück.
Deutscher oder französischer Bogen?Beide führen zu höchstem Niveau. Die Wahl hängt von der Schule der Lehrkraft und der Handanatomie ab.
Warum klingt der Kontrabass eine Oktave tiefer als notiert?So bleiben die Noten im Bassschlüssel ohne viele Hilfslinien lesbar, und Cello und Bass können dieselbe Stimme lesen.
Was ist der Unterschied zwischen Kontrabass und E-Bass?Stimmung und Tonnamen sind gleich. Der Kontrabass ist ein akustisches Streichinstrument ohne Bünde, wird mit Bogen oder gezupft gespielt und hat eine längere Mensur; der E-Bass ist ein elektrisches Zupfinstrument mit Bünden und wird über einen Verstärker gespielt.
Wie bekomme ich den Bass im Auto transportiert?In einem Kombi mit umgeklapptem Beifahrersitz, Schnecke nach vorne, Decke nach oben, gut gepolstert und gesichert. Viele Kleinwagen reichen nicht aus.
Welche Saiten für Jazz und Klassik?Klassik nutzt meist Stahlsaiten für kräftigen Bogenklang, Jazz bevorzugt Saiten mit langem Pizzicato-Sustain oder Darm. Es gibt Allround-Saiten, die beides können.

27Glossar

Busetto
Italienische Korpusform ohne Ecken.
C-Extension
Verlängerung der E-Saite bis C1 über den Sattel hinaus.
Deutscher Bogen
Bogen mit hohem Frosch, im Untergriff gehalten.
Französischer Bogen
Bogen in Cellohaltung (Obergriff).
Gambenform
Korpus mit abfallenden Schultern und flachem Boden.
Pivot
Technik nach Rabbath, bei der die Hand um den Daumen dreht.
Residualton
Vom Gehör aus Obertönen rekonstruierter Grundton.
Simandl-System
Fingersatz mit 1., 2. und 4. Finger; ein Ganzton pro Lage.
Slap
Perkussive Technik, bei der die Saite aufs Griffbrett schnalzt.
Solostimmung
Einen Ganzton höhere Stimmung mit Solosaiten.
Stegverstellung
Rändelräder zur Veränderung der Saitenlage.
Tumbao
Synkopierte Basslinie der kubanischen Musik.
Two-Feel
Bassbegleitung in halben Noten.
Violone
Historische Bezeichnung großer Bassinstrumente.
Walking Bass
Durchlaufende Viertel-Basslinie im Jazz.
Wiener Stimmung
Historische Stimmung F1–A1–D–Fis–A.

28Quellen und weiterführende Literatur

  • Alfred Planyavsky: Geschichte des Kontrabasses. Hans Schneider, Tutzing 1970, 2. Aufl. 1984.
  • Paul Brun: A New History of the Double Bass. Paul Brun Productions, Villeneuve d’Ascq 2000.
  • Raymond Elgar: Introduction to the Double Bass. Selbstverlag, 1960.
  • Franz Simandl: Neueste Methode des Kontrabass-Spiels. Wien.
  • François Rabbath: Nouvelle technique de la contrebasse. Leduc, Paris.
  • Ludwig Streicher: Mein Musizieren auf dem Kontrabass. Doblinger, Wien.
  • Ray Brown: Bass Method. Hal Leonard; Rufus Reid: The Evolving Bassist. Myriad.
  • Chris Jisi (Hg.): The Jazz Bass Book. Backbeat Books.
  • International Society of Bassists: Zeitschrift Bass World.
  • Artikel „Kontrabass“ in: MGG; „Double bass“ in: Grove Music Online.

Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven