Die Querflöte
Das einzige Holzblasinstrument ohne Rohrblatt: Ein vom Spieler selbst geformter Luftstrahl an der Kante des Mundlochs erzeugt einen Ton, der von hauchig-dunkel bis strahlend-brillant reicht – eines der beweglichsten Instrumente überhaupt.
Die Querflöte – im Orchester kurz Flöte – ist ein Holzblasinstrument, bei dem ein Luftstrahl an der scharfen Kante eines seitlichen Mundlochs zum Schwingen gebracht wird. Anders als bei Blockflöte oder Pfeife gibt es keinen Kernspalt, der den Luftstrom lenkt: Die Lippen formen ihn selbst. Das macht den Ton äußerst flexibel und die Flöte zu einem der ausdrucksreichsten Blasinstrumente – zugleich aber auch anspruchsvoll im Ansatz. Seit Theobald Böhm 1847 die zylindrische Metallflöte schuf, hat sich die Bauform kaum verändert. Die Querflöte ist Teil von Sinfonieorchester, Blasorchester, Bläserquintett und Kammermusik, verfügt über ein Solorepertoire vom Barock bis heute und gehört zugleich zu einer weltweiten Familie quergeblasener Flöten, die von der indischen Bansuri über die chinesische Dizi bis zur irischen Holzflöte reicht.
1Überblick und Einordnung
Flöten sind Aerophone, deren Ton durch einen Luftstrahl an einer Kante (Schneide) entsteht. Hornbostel und Sachs unterscheiden Längsflöten (am Ende angeblasen, z. B. Quena, Ney, Shakuhachi), Querflöten (seitlich angeblasen) und Gefäßflöten (Okarina); Blockflöte und Tin Whistle sind Kernspaltflöten mit festem Windkanal. Die moderne Querflöte ist eine seitlich angeblasene, beidseitig offene Röhre mit Tonlöchern und Klappenmechanik (421.121.12).
Obwohl sie meist aus Metall besteht, gehört die Querflöte zu den Holzblasinstrumenten: Die Einteilung folgt der Tonerzeugung (ohne Lippenschwingung wie bei den Blechbläsern), und historisch bestanden Flöten aus Holz. Die Querflöte ist in C gestimmt, klingt wie notiert und wird im Violinschlüssel geschrieben. Im Sinfonieorchester ist sie in der Regel doppelt oder dreifach besetzt, wobei die dritte Spielerin oft auch Piccolo übernimmt.
2Wortherkunft und Namen
Das Wort Flöte kommt über altfranzösisch flaüte und provenzalisch flaut ins Mittelhochdeutsche (vloite); der Ursprung ist lautmalerisch oder vom lateinischen flare („blasen“) abgeleitet. Im Barock hieß die Querflöte flûte traversière oder traverso, während mit „flauto“ ohne Zusatz die Blockflöte gemeint war – ein wichtiger Hinweis bei Werken von Bach, Händel und Vivaldi. International: engl. flute, frz. flûte (traversière), ital. flauto (traverso), span. flauta travesera, russ. fleita, chin. 长笛 (chángdí), jap. フルート (furūto).
3Geschichte
Die ältesten Musikinstrumente
Flöten gehören zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der Menschheit. Knochen- und Elfenbeinflöten aus den Höhlen Geißenklösterle und Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb werden auf rund 35.000–43.000 Jahre datiert; eine Geierknochenflöte aus dem Hohle Fels besitzt fünf Grifflöcher. Die Funde gehören zum UNESCO-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ (2017). Diese frühen Flöten waren vermutlich Längsflöten.
Querflöten in Asien und im mittelalterlichen Europa
Quer gehaltene Flöten sind in China seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. belegt (Knochen- und Bambusflöten, u. a. aus dem Grab des Marquis Yi von Zeng, 433 v. Chr.). In Europa tauchen Querflöten im 10./11. Jahrhundert in byzantinischen Darstellungen auf und verbreiten sich im Hochmittelalter. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die zylindrische Querflöte mit sechs Grifflöchern als Schweizerpfeiff Militärinstrument der Landsknechte (mit Trommel) – der Ursprung der bis heute lebendigen Pfeifer- und Trommlertraditionen, etwa in Basel.
Renaissance
Die Renaissance-Querflöte war einteilig, zylindrisch gebohrt, mit sechs Grifflöchern und ohne Klappen; sie wurde in Familien verschiedener Größen gebaut (Consort), meist mit einer Tenorflöte in D als Grundinstrument. Pierre Attaingnant veröffentlichte 1533 Chansons ausdrücklich zur Aufführung auf Flöten.
Die Barock-Traversflöte
Um 1670 entwickelten Instrumentenbauer im Umkreis der Familie Hotteterre in Paris eine neue Flöte: drei- (später vier-)teilig, mit konischer Bohrung (weiter am Kopf, enger zum Fuß), einer Klappe für dis/es und gedrechselten Zierringen aus Elfenbein. Sie klang weicher, stimmte besser über zwei Oktaven und war chromatisch spielbar (mit Gabelgriffen). Jacques-Martin Hotteterre veröffentlichte 1707 mit Principes de la flûte traversière die erste Flötenschule. Austauschbare Mittelstücke unterschiedlicher Länge (corps de rechange) passten die Flöte an die damals sehr verschiedenen Stimmtonhöhen an.
Johann Joachim Quantz (1697–1773), Flötenlehrer Friedrichs des Großen, schrieb rund 300 Flötenkonzerte und 1752 den Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen – eine der wichtigsten Quellen zur Aufführungspraxis des 18. Jahrhunderts überhaupt. Er führte eine zweite Klappe ein, um dis und es unterscheiden zu können.
Die Klappenflöte der Klassik und Romantik
Ab etwa 1760 erhielt die Flöte zusätzliche Klappen: vier Klappen um 1780, später sechs und acht (u. a. nach Johann George Tromlitz). Sie erleichterten Halbtöne und reinere Intonation, veränderten aber die Grundkonstruktion nicht: Die Tonlöcher blieben klein und akustisch nicht optimal platziert, damit sie mit den Fingern erreichbar waren. Für diese Flöten schrieben Mozart, Beethoven, Schubert und Weber.
Theobald Böhm und die moderne Flöte
- 1831 Der Münchner Goldschmied und Flötist Theobald Böhm (1794–1881) hört in London Charles Nicholson, dessen Flöte mit großen Tonlöchern einen besonders kräftigen Ton hat.
- 1832 Böhm baut eine konische Flöte mit Ringklappen, bei der die Tonlöcher nach akustischen statt nach ergonomischen Gesichtspunkten platziert sind; Ringe und Achsen verbinden die Klappen.
- 1838/39 In Paris setzen Louis Dorus und Paul Camus die Böhmflöte durch; das Conservatoire übernimmt sie.
- 1847 Nach akustischen Studien (u. a. bei Carl von Schafhäutl) baut Böhm eine zylindrische Flöte aus Silber mit parabolisch verjüngtem Kopfstück und sehr großen, von Deckelklappen geschlossenen Tonlöchern – die Grundlage aller heutigen Querflöten.
- 1871 Böhm veröffentlicht Die Flöte und das Flötenspiel.
- bis ca. 1930 In Deutschland konkurriert die Böhmflöte mit der „Reformflöte“ nach Maximilian Schwedler, die näher an der Klangästhetik der alten Flöte blieb.
- 1960er Der Londoner Flötenbauer Albert Cooper berechnet die Tonlochpositionen für den modernen Kammerton neu („Cooper-Skala“), weil viele Flöten noch für tiefere Stimmtonhöhen gebaut waren.
- 20./21. Jh. Führende Werkstätten entstehen in Frankreich (Louis Lot, Bonneville), den USA (Verne Q. Powell, Haynes, Brannen), Japan (Muramatsu seit 1923, Sankyo, Miyazawa, Yamaha, Altus) und Deutschland (Hammig, Mönnig); Eva Kingma entwickelt Vierteltonsysteme.
4Aufbau
| Teil | Beschreibung |
|---|---|
| Kopfstück | Rohr mit Mundlochplatte, Mundloch (ca. 10 × 12 mm), Kamin (Riser), Stimmkork mit Krone; leicht parabolisch verjüngt. Wird ins Mittelstück gesteckt; das Herausziehen stimmt die Flöte tiefer. |
| Mittelstück | zylindrisches Rohr (Innendurchmesser ca. 19 mm) mit den meisten Tonlöchern und der Hauptmechanik |
| Fußstück | C-Fuß (tiefster Ton c′) oder H-Fuß (h, dazu „Gizmo“-Hebel für c⁗) |
| Mechanik | ca. 16 Klappen auf Achsen, Nadelfedern aus Stahl oder Gold, Polster aus Filz mit Fischhaut oder synthetischen Materialien |
| Tonlöcher | gezogen (aus dem Rohr herausgezogen) oder gelötet (aufgesetzte Kamine) |
Ringklappen, geschlossene Klappen, Zusatzmechaniken
| Ausstattung | Funktion |
|---|---|
| Ringklappen (offene Klappen) | fünf Klappen mit Loch; fördern korrekte Fingerhaltung, Vierteltöne, Glissandi; gelten als klanglich offener; Standard ab Mittelstufe |
| Geschlossene Klappen | einfacher für Anfänger und kleine Hände |
| Inline- oder Offset-G | G-Klappe in einer Linie oder nach vorn versetzt; Offset ist ergonomischer und heute verbreiteter |
| E-Mechanik | erleichtert Ansprache und Intonation des hohen e‴ |
| Cis-Trillerklappe | erleichtert bestimmte Triller im hohen Register |
| Gizmo-Klappe | am H-Fuß; verbessert das c⁗ |
| Brossa-F, Split-E, Vierteltonklappen | Spezialmechaniken |
Materialien
| Material | Eigenschaften | Einsatz |
|---|---|---|
| Neusilber (Kupfer-Nickel-Zink), versilbert | robust, preiswert | Schülerflöten |
| Sterlingsilber (925) / Britannia-Silber (958) | Standard für hochwertige Kopfstücke und ganze Flöten | Mittel- und Profiinstrumente |
| Gold (9–24 Karat), Rosé-Gold | schwer, als warm und kernig beschrieben | Profiinstrumente |
| Platin | sehr dicht und teuer | Einzelstücke (Varèse schrieb Density 21.5 für Georges Barrères Platinflöte) |
| Holz (Grenadill, Buchsbaum) | weicher, dunkler Klang | moderne Böhmflöten in Holz; historische Flöten |
| Kunststoff, Carbon | leicht, robust | Kinderflöten, Outdoor |
Wie groß der Einfluss des Materials auf den Klang ist, ist umstritten. Klassische Versuche des Physikers John Coltman (1971) und spätere Messungen zeigen nur geringe Unterschiede zwischen Materialien bei gleicher Geometrie; entscheidend sind Kopfstückschnitt, Wandstärke, Tonlochgeometrie, Verarbeitung – und die Person, die spielt. Viele Flötistinnen empfinden dennoch Unterschiede im Spielgefühl und in der Resonanz.
Das Kopfstück
Das Kopfstück ist klanglich das wichtigste Bauteil; es wird häufig einzeln gekauft oder aufgerüstet. Form und Größe des Mundlochs, Höhe des Kamins und der Unterschnitt (die feine Anschrägung der Lochwände) bestimmen Ansprache, Widerstand und Klangfarbe. Die Position des Stimmkorks (ca. 17 mm vom Mundlochmittelpunkt) beeinflusst die Intonation der Oktaven; die Markierung am Putzstab dient der Kontrolle.
5Akustik
Wie der Ton entsteht
Die Spielerin bläst einen schmalen, gebündelten Luftstrahl über das Mundloch gegen dessen gegenüberliegende Kante. Der Strahl pendelt abwechselnd in das Rohr hinein und über die Kante hinaus. Dieses Pendeln koppelt sich an die Schwingung der Luftsäule, die als stehende Welle im Rohr existiert und die Frequenz bestimmt. Weil die Flöte an beiden Enden offen ist (am Mundloch und am unteren Ende bzw. am ersten offenen Tonloch), entspricht sie akustisch einem beidseitig offenen Rohr: Sie besitzt alle harmonischen Teiltöne und überbläst in die Oktave.
Die wirksame Länge für das c′ beträgt rund 60–66 cm. Durch Schließen und Öffnen von Tonlöchern wird die Luftsäule verlängert oder verkürzt. Die erste Oktave entsteht in der Grundschwingung, die zweite durch Überblasen in den 2. Teilton (höhere Luftgeschwindigkeit, kleinere Lippenöffnung, gleiche Griffe), die dritte überwiegend über den 3. und 4. Teilton mit Gabelgriffen und geöffneten „Überblaslöchern“.
Luftgeschwindigkeit, Abstand und Winkel
Drei Parameter bestimmen, welche Resonanz anspricht und wie der Ton klingt: die Geschwindigkeit des Luftstrahls, der Abstand zwischen Lippenöffnung und Kante sowie der Winkel, unter dem der Strahl auf die Kante trifft. Für höhere Töne braucht es schnellere Luft und einen kürzeren Weg zur Kante; ein zu flacher Winkel lässt den Ton tief und dumpf werden, ein zu steiler hoch und dünn.
Klang
Der Flötenton ist vergleichsweise obertonarm – besonders im hohen Register ähnelt er einer Sinusschwingung. Daraus erklären sich die „reine“ Klangqualität, die gute Mischfähigkeit mit anderen Instrumenten und die Schwierigkeit, sich im tiefen Register gegen ein lautes Orchester durchzusetzen. Charakteristisch ist ein Rauschanteil (Luftgeräusch), der den Ton lebendig macht; zu viel davon wird als „hauchig“ empfunden.
Intonation und Dynamik
Die Flöte hat eine akustische Eigenheit: Lauter gespielte Töne werden höher, leiser gespielte tiefer, weil sich mit der Luftgeschwindigkeit die Resonanzbedingungen verschieben. Flötistinnen gleichen das durch Anblaswinkel, Lippen und Kieferstellung aus („Rollen“ oder Winkeln des Luftstroms statt Drehen der Flöte). Auch die Temperatur wirkt stark: Mit warmer Atemluft steigt die Stimmung; zu Beginn einer Probe ist die Flöte oft zu tief.
6Tonumfang und Register
| Register | Umfang | Charakter | Technische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Tiefes Register | h/c′–cis″ | warm, dunkel, hauchig; im Orchester leicht zugedeckt | entspannte Lippen, langsamer Luftstrom, offene Kehle |
| Mittleres Register | d″–cis‴ | klar, gesanglich, beweglich | Überblasen in den 2. Teilton |
| Hohes Register | d‴–c⁗ | hell, brillant, durchdringend | Gabelgriffe, schneller, fokussierter Luftstrahl |
| Extremes Register | cis⁗–f⁗ und höher | schrill, schwierig | Spezialgriffe; in Neuer Musik und Virtuosenliteratur |
7Die Flötenfamilie
| Instrument | Stimmung | Klingender Umfang (ca.) | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Piccoloflöte | C (historisch auch Des für Blasorchester) | D5–C8; notiert eine Oktave tiefer | Orchester, Blasorchester, Militärmusik; höchster Orchesterklang |
| Große Flöte (Konzertflöte) | C | C4/H3–C7 | Standard |
| Flûte d’amour | A oder B | kleine Terz bzw. Ganzton tiefer | Barock und selten modern |
| Altflöte | G | G3–G6; klingt eine Quarte tiefer | Strawinsky Le Sacre du printemps, Ravel Daphnis et Chloé, Holst Die Planeten, Filmmusik, Flötenchor |
| Bassflöte | C | C3–C6; eine Oktave tiefer | Flötenchor, Neue Musik; oft mit U-förmigem Kopfstück |
| Kontraaltflöte | G | eine Oktave unter der Altflöte | Flötenchor |
| Kontrabassflöte | C | zwei Oktaven tiefer (C2) | Flötenchor, Spezialrepertoire |
| Subkontrabass- / Doppelkontrabassflöte | G bzw. C | bis C1 | Raritäten (z. B. nach Kotato & Fukushima) |
Für Kinder gibt es Konzertflöten mit gebogenem Kopfstück (verkürzt die Griffweite um rund 10 cm), leichte Kunststoffflöten und die „Flötenfamilie“ kleiner Einsteigerinstrumente (z. B. Nuvo, Jupiter „Waveline“).
8Haltung, Ansatz und Atmung
Haltung
Die Flöte wird waagerecht bis leicht abfallend nach rechts gehalten. Drei Stützpunkte sichern sie: das Kinn bzw. die Unterlippe, das Grundglied des linken Zeigefingers und der rechte Daumen (unter dem Zeigefinger, nicht unter dem kleinen Finger). Kopf und Rumpf bleiben aufrecht; der Kopf ist leicht nach links gedreht, die Arme hängen locker. Im Sitzen dreht sich die Flötistin leicht nach rechts zum Notenpult. Eine häufige Fehlerquelle ist das Hochziehen der rechten Schulter und das Klemmen der linken Hand.
Ansatz (Embouchure)
Die Mundlochplatte liegt am Rand der Unterlippe; die Unterlippe bedeckt etwa ein Viertel bis ein Drittel des Mundlochs. Die Lippen bilden eine kleine, ovale Öffnung (Apertur), durch die der Luftstrahl austritt. Der Ansatz ist flexibel: Lippenöffnung, Abstand zur Kante und Winkel werden für jede Lage und Dynamik angepasst. Das Erlernen beginnt meist auf dem Kopfstück allein (Tonbildung, Oktavwechsel durch Luftgeschwindigkeit).
Atmung
Die Flöte hat einen sehr hohen Luftverbrauch, weil ein Teil der Luft an der Kante vorbeiströmt. Deshalb ist eine tiefe, flankenbetonte Einatmung und eine kontrollierte, gestützte Ausatmung zentral (Atemstütze). Anfänger werden oft leicht schwindelig; Pausen und Atemübungen helfen. Fortgeschrittene erlernen die Zirkularatmung für sehr lange Phrasen.
Artikulation
Artikuliert wird mit der Zunge an der Zahnreihe bzw. dem oberen Zahndamm: einfache Zunge („tü“ oder „dü“), Doppelzunge („tü-kü“ oder „dü-gü“) und Tripelzunge („tü-kü-tü“). Die Barockpraxis kennt differenzierte Silben (Quantz: „di-del“, „tiri“). Legato entsteht ohne Zunge durch Fingerwechsel bei durchgehender Luft.
Vibrato
Das Flötenvibrato ist eine Schwankung von Lautstärke und Tonhöhe, erzeugt aus Atemstütze, Kehle oder beidem, meist 4–6 Schwingungen pro Sekunde. Die französische Schule um Paul Taffanel und Marcel Moyse machte das durchgehende Vibrato im frühen 20. Jahrhundert zum Standard; in der Barockpraxis wird es als Ornament („flattement“, Fingervibrato) eingesetzt.
9Erweiterte Spieltechniken
| Technik | Beschreibung |
|---|---|
| Flatterzunge | rollendes R mit der Zungenspitze oder im Rachen; knatternder Klang (seit Richard Strauss und Rimski-Korsakow im Orchester) |
| Whistle Tones | extrem leise, pfeifende Obertöne durch minimalen Luftstrom |
| Jet Whistle | kräftiger Luftstoß mit Mund über dem Mundloch; heulendes Geräusch (Villa-Lobos, Assobio a jato) |
| Tongue Ram | Zunge verschließt das Mundloch schlagartig; Ton klingt etwa eine große Septime tiefer |
| Mehrklänge (Multiphonics) | zwei oder mehr Töne gleichzeitig durch Spezialgriffe |
| Singen und Spielen | gleichzeitiges Singen und Blasen; Schwebungen, Zweistimmigkeit |
| Klappengeräusche (Key Clicks) | perkussives Schlagen der Klappen, teils ohne Luft |
| Luftgeräusche, Aeolian Sounds | tonloses Blasen mit Tonanteil |
| Pizzicato, Slap | Zungenschlag-Artikulationen |
| Glissando, Vierteltöne | über Ringklappen, Rollen, spezielle Kopfstücke (Glissando-Kopfstück nach Robert Dick) |
| Beatboxing | Kombination von Flötenton und Vokalperkussion (Greg Pattillo, Nathan Lee) |
Grundlagenwerke sind Robert Dick, The Other Flute (1975), Pierre-Yves Artaud, Present Day Flutes, und Carin Levine / Christina Mitropoulos-Bott, Die Spieltechnik der Flöte (Bärenreiter).
10Schulen, Pädagogik und Lehrwerke
| Schule / Lehrer | Zeit, Ort | Beitrag |
|---|---|---|
| Jacques-Martin Hotteterre | Paris, 1707 | erste Flötenschule (Principes) |
| Johann Joachim Quantz | Berlin/Potsdam, 1752 | Versuch einer Anweisung: Ton, Artikulation, Verzierung, Geschmack |
| Johann George Tromlitz | Leipzig, 1791 | Ausführlicher und gründlicher Unterricht die Flöte zu spielen |
| Theobald Böhm | München, 1871 | Die Flöte und das Flötenspiel; 24 Capricen op. 26 |
| Französische Schule | Paris Conservatoire, ab ca. 1890 | Paul Taffanel (Begründer der modernen Schule), Philippe Gaubert, Marcel Moyse; leichter, farbiger Ton, Vibrato; Méthode complète Taffanel/Gaubert (1923) |
| Deutsche Schule | 19./20. Jh. | Ernesto Köhler, Maximilian Schwedler, Karl Friedrich Heinrich Zimmermann; später Aurèle Nicolet, Karl-Heinz Zöller |
| Amerikanische Schule | Philadelphia, New York | Georges Barrère (Franzose in New York), William Kincaid (Philadelphia Orchestra), Julius Baker; Schüler prägen die US-Orchester |
| Englische Tradition | London | Geoffrey Gilbert, William Bennett, Trevor Wye (Practice Books, weltweit verbreitet) |
| Japan | Tokio | starke Flötenkultur, Instrumentenbau und Wettbewerbe (Kobe) |
| Niveau | Werke |
|---|---|
| Anfänger | Flötenschulen (z. B. Weinzierl/Wächter „Schule für Querflöte“, Gisela Mathiak „Die Zauberflöte“, „Flöte spielen“ von Weinzierl, „Essential Elements“, Suzuki Flute School) |
| Unter- und Mittelstufe | Ernesto Köhler op. 33 (Bd. 1–2), Gariboldi op. 132, Berbiguier 18 Etüden, Joachim Andersen op. 41 |
| Oberstufe | Andersen op. 33, op. 30, op. 63 und op. 15; Böhm op. 26 und op. 37; Karg-Elert 30 Capricen op. 107 |
| Ton und Technik | Marcel Moyse De la sonorité (1934), Tone Development through Interpretation; Taffanel/Gaubert 17 grands exercices journaliers; Trevor Wye Practice Books; Peter-Lukas Graf Check-up |
| Orchester | Sammlungen von Probespielstellen (z. B. Jeanne Baxtresser Orchestral Excerpts; Bärenreiter/Peters „Orchesterstudien“) |
11Repertoire
Barock
| Komponist | Werk |
|---|---|
| Jacques-Martin Hotteterre, Michel Blavet, Michel de la Barre | französische Suiten und Sonaten |
| Johann Sebastian Bach | Partita a-Moll BWV 1013 (Flöte solo); Sonaten h-Moll BWV 1030, A-Dur BWV 1032, e-Moll BWV 1034, E-Dur BWV 1035; Triosonate aus dem Musikalischen Opfer; Orchestersuite h-Moll BWV 1067 (Badinerie); 5. Brandenburgisches Konzert |
| Georg Philipp Telemann | 12 Fantasien für Flöte solo TWV 40:2–13; Pariser Quartette; Konzerte |
| Georg Friedrich Händel | Flötensonaten (Halle-Sonaten, op. 1) |
| Antonio Vivaldi | Konzerte op. 10 („La tempesta di mare“, „La notte“, „Il gardellino“) |
| Johann Joachim Quantz, Friedrich II. | Konzerte und Sonaten der Berliner Schule |
| Carl Philipp Emanuel Bach | Sonate a-Moll Wq 132 (solo); Konzerte d-Moll, G-Dur |
Klassik und Romantik
| Komponist | Werk |
|---|---|
| Wolfgang Amadeus Mozart | Flötenkonzerte G-Dur KV 313 und D-Dur KV 314 (1778); Andante C-Dur KV 315; Konzert für Flöte und Harfe C-Dur KV 299; vier Flötenquartette |
| Carl Stamitz, Franz Danzi, François Devienne, Saverio Mercadante | Konzerte der Klassik |
| Ludwig van Beethoven | Serenade D-Dur op. 25 (Flöte, Violine, Viola) |
| Franz Schubert | Introduktion und Variationen über „Trockne Blumen“ D 802 |
| Carl Maria von Weber | Trio g-Moll op. 63 (Flöte, Cello, Klavier) |
| Friedrich Kuhlau | zahlreiche Duette, Sonaten und Fantasien („Beethoven der Flöte“) |
| Carl Reinecke | Sonate „Undine“ op. 167; Konzert D-Dur op. 283; Ballade |
| Franz und Karl Doppler | Fantaisie pastorale hongroise op. 26; Duette |
| Theobald Böhm | Grand Polonaise, Variationen |
| Cécile Chaminade | Concertino D-Dur op. 107 (1902) |
| Gabriel Fauré | Fantaisie op. 79 (Pariser Prüfungsstück 1898) |
| Paul Taffanel | Fantaisie über Der Freischütz; Andante pastoral et Scherzettino |
20. und 21. Jahrhundert
| Komponist | Werk |
|---|---|
| Claude Debussy | Syrinx (1913) für Flöte solo; Sonate für Flöte, Viola und Harfe (1915) |
| Georges Enescu, Philippe Gaubert, Albert Roussel | Pariser Prüfungsstücke und Sonaten |
| Edgard Varèse | Density 21.5 (1936) für Flöte solo |
| Jacques Ibert | Flötenkonzert (1934) |
| Paul Hindemith | Sonate (1936); Acht Stücke für Flöte allein |
| Carl Nielsen | Flötenkonzert (1926) |
| Frank Martin | Ballade (1939) |
| Sergei Prokofjew | Sonate D-Dur op. 94 (1943) |
| Francis Poulenc | Sonate (1957) |
| Henri Dutilleux | Sonatine (1943) |
| André Jolivet | Chant de Linos (1944); Konzert |
| Olivier Messiaen | Le Merle noir (1952) |
| Pierre Boulez | Sonatine (1946); … explosante-fixe … |
| Luciano Berio | Sequenza I (1958) |
| Kazuo Fukushima, Tōru Takemitsu | Mei (1962); Voice, Air |
| Brian Ferneyhough | Cassandra’s Dream Song, Unity Capsule |
| Salvatore Sciarrino | L’opera per flauto |
| Kaija Saariaho | Laconisme de l’aile, NoaNoa; Konzert Aile du songe |
| Ian Clarke, Wil Offermans, Robert Dick | zeitgenössische Werke mit erweiterten Techniken |
| Lowell Liebermann | Sonate op. 23; Konzert |
| Marc-André Dalbavie, Elliott Carter, Christopher Rouse | Konzerte der Gegenwart |
Kammermusik
Bläserquintett (Reicha, Danzi, Hindemith Kleine Kammermusik, Ligeti Sechs Bagatellen); Flöte und Harfe (Mozart, Saint-Saëns Fantaisie, Ibert Entr’acte); Flöte und Gitarre (Giuliani, Piazzolla Histoire du Tango); Flötenquartette (Mozart); Trio mit Viola und Harfe (Debussy); Flötenchöre und Flötenensembles.
Orchester- und Probespielstellen
| Werk | Stelle |
|---|---|
| Bach, Matthäus-Passion | Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ |
| Beethoven, Leonore III | Soloruf im Allegro |
| Brahms, Sinfonie Nr. 4 | Solo im Finale (Passacaglia) |
| Mendelssohn, Ein Sommernachtstraum | Scherzo |
| Rossini, Wilhelm Tell | Ouvertüre |
| Bizet, Carmen | Entr’acte zum 3. Akt |
| Dvořák, Sinfonie Nr. 8 | Soli im 1. und 4. Satz |
| Debussy, Prélude à l’après-midi d’un faune | Eröffnungssolo |
| Ravel, Daphnis et Chloé | Solo im „Pantomime“-Teil |
| Prokofjew, Peter und der Wolf | der Vogel |
| Tschaikowsky, Der Nussknacker | „Tanz der Rohrflöten“ |
| Saint-Saëns, Karneval der Tiere | „Volière“ |
| Strawinsky, Der Feuervogel, Petruschka | Soli |
12Querflöten weltweit
Die europäische Querflöte ist nur ein Zweig einer weltweiten Familie quergeblasener Flöten. Viele von ihnen verwenden bis heute Bambus oder Holz ohne Klappen und erreichen chromatische Töne über halb abgedeckte Löcher und Anblastechnik.
| Instrument | Region | Merkmale | Bekannte Musiker |
|---|---|---|---|
| Bansuri | Nordindien | Bambus, 6–7 Grifflöcher, große Instrumente für tiefe Grundtöne; Rāga-Improvisation mit Gleittönen (Meend) | Pannalal Ghosh, Hariprasad Chaurasia, Rakesh Chaurasia |
| Venu (Pullanguzhal) | Südindien | Bambus, 8 Grifflöcher, karnatische Musik | T. R. Mahalingam, N. Ramani, Shashank Subramanyam |
| Dizi | China | Bambus mit zusätzlichem Loch, das mit einer dünnen Membran (dimo) beklebt ist; typischer summender Klang | Zhao Songting, Tang Junqiao |
| Shinobue, Ryūteki, Nōkan | Japan | Bambusquerflöten der Volksmusik (Matsuri), des Gagaku bzw. des Nō-Theaters | – |
| Irish Flute | Irland, Schottland | konische Holzflöte des 19. Jh. im „simple system“ (0–8 Klappen), heute oft Nachbauten ohne Klappen in D; Verzierungen (Cuts, Rolls), Atmen als rhythmisches Mittel | Matt Molloy, Catherine McEvoy, Kevin Crawford |
| Fife (Pfeife) | Europa, USA | kleine, hohe Querflöte der Spielmannszüge und Pfeifer- und Trommlerkorps (z. B. Basler Fasnacht) | – |
| Flauta de cinco llaves | Kuba | Holzflöte mit fünf Klappen, Leitinstrument der Charanga (Danzón, Cha-cha-chá) mit brillanten Improvisationen im hohen Register | José Fajardo, Richard Egües |
| Choro-Flöte | Brasilien | Querflöte als Melodieinstrument des Choro | Pixinguinha, Altamiro Carrilho |
| Fulani-Flöte | Westafrika | Querflöte mit wenigen Löchern, gleichzeitiges Singen und Spielen | – |
Verwandt, aber keine Querflöten im engeren Sinn sind die am Ende angeblasenen Längsflöten wie die arabische und türkische Ney, die japanische Shakuhachi und die andine Quena, die viele Flötistinnen ebenfalls erlernen.
13Jazz, Pop und Filmmusik
Im Jazz setzte sich die Flöte ab den 1950er-Jahren durch, meist als Zweitinstrument von Saxophonisten. Wichtige Vertreter: Frank Wess, Herbie Mann (Latin- und Bossa-Jazz), Eric Dolphy, Yusef Lateef, Rahsaan Roland Kirk (Singen und Spielen, Zirkularatmung), Hubert Laws, James Moody, Jeremy Steig, Dave Valentin, Nicole Mitchell, Elena Pinderhughes. Im Rock prägte Ian Anderson von Jethro Tull einen perkussiven, vom Gesang durchsetzten Flötenstil; in Pop und Progressive Rock (Moody Blues, Genesis, Focus) sowie im Film (von Der Herr der Ringe mit irischer Flöte bis zu Hollywood-Orchestern) ist die Flöte allgegenwärtig. Die Flöten-Beatboxer der 2000er-Jahre brachten das Instrument in soziale Medien.
14Bedeutende Flötistinnen und Flötisten
| Epoche | Namen |
|---|---|
| 18. Jh. | Michel Blavet, Johann Joachim Quantz, Pierre-Gabriel Buffardin, Johann Baptist Wendling |
| 19. Jh. | Louis Drouet, Charles Nicholson, Theobald Böhm, Louis Dorus, Franz und Karl Doppler, Paul Taffanel |
| frühes 20. Jh. | Philippe Gaubert, Georges Barrère, Marcel Moyse, René Le Roy, Gustav Scheck |
| Mitte 20. Jh. | Jean-Pierre Rampal, Severino Gazzelloni, Julius Baker, Aurèle Nicolet, Maxence Larrieu, William Bennett, Karlheinz Zöller |
| spätes 20. Jh. | James Galway, Peter-Lukas Graf, Paula Robison, Irena Grafenauer, Patrick Gallois, Emmanuel Pahud, Robert Aitken |
| Gegenwart | Sharon Bezaly, Magali Mosnier, Mathieu Dufour, Andrea Lieberknecht, Denis Bouriakov, Clara Andrada, Sébastian Jacot, Kaja Pečnik |
| Traversflöte (historisch) | Frans Brüggen, Barthold Kuijken, Wilbert Hazelzet, Konrad Hünteler, Marcello Gatti |
15Ausbildung und Wettbewerbe
Querflöte wird an allen Musikhochschulen gelehrt, meist mit Piccolo als Pflicht- oder Zusatzfach und Traversflöte in Abteilungen für Alte Musik. Wichtige internationale Wettbewerbe sind der Kobe International Flute Competition (seit 1985), der Carl Nielsen International Competition (Odense), der Concours international de flûte Jean-Pierre Rampal (Paris), der ARD-Musikwettbewerb (München), der Krakauer Flötenwettbewerb und die Competitions der National Flute Association (USA), dazu „Jugend musiziert“. Die Deutsche Gesellschaft für Flöte (DGfF) und die British Flute Society veranstalten Kongresse.
16Kauf und Kosten
| Kategorie | Richtwert (neu) | Typische Ausstattung |
|---|---|---|
| Kinder- und Einsteigerflöten | ca. 150–400 € (Kunststoff) bzw. 500–1.200 € (Metall) | versilbert, geschlossene Klappen, ggf. gebogenes Kopfstück, E-Mechanik |
| Mittelklasse | ca. 1.500–4.000 € | Silberkopfstück oder Silberkorpus, Ringklappen, oft H-Fuß |
| Vollsilber, Profi | ca. 5.000–20.000 € | handgefertigte Mechanik, gezogene oder gelötete Tonlöcher |
| Gold, Platin | ca. 20.000 € bis über 100.000 € | Spitzeninstrumente |
| Piccolo | ca. 600–8.000 € | Holz (Grenadill) oder Kunststoff; Metallpiccolos für Blasmusik im Freien |
| Altflöte | ca. 2.500–15.000 € | gerades oder gebogenes Kopfstück |
Checkliste
Mit der Lehrkraft testen; Kopfstück in allen Registern und Dynamiken ausprobieren; Intonation der Oktaven mit Stimmgerät prüfen (Kopfstück ca. 2–5 mm ausgezogen); Polster auf Dichtheit prüfen lassen; Mechanik geräuschlos und ohne Spiel. Markeninstrumente halten ihren Wert besser; Gebrauchtflöten vor dem Kauf in die Werkstatt geben.17Pflege und Wartung
- Nach dem Spielen alle Teile innen mit Putzstab und Baumwoll- oder Mikrofasertuch trocknen; das Kopfstück nicht am Mundloch drehen, sondern am Rohr halten.
- Außen mit einem Silberputztuch abwischen (Fingerabdrücke oxidieren); keine Silberpolitur an der Mechanik.
- Beim Zusammenstecken die Teile am Rohr fassen, nicht an der Mechanik; Zapfen sauber halten, nicht fetten.
- Klebende Polster mit Reinigungspapier (ohne Klebstoff) abziehen; Zucker und Speisen vor dem Spielen meiden.
- Stimmkork nicht verschieben; Position mit dem Putzstab gelegentlich prüfen.
- Werkstatt: jährliche Durchsicht, Polsterwechsel nach Bedarf, Generalüberholung etwa alle 5–10 Jahre.
18Querflöte lernen
| Phase | Inhalte |
|---|---|
| Erste Wochen | Tonbildung auf dem Kopfstück, Haltung, Atmung, erste Töne h′, a′, g′ |
| 1. Jahr | Umfang d′–d‴, einfache Tonarten, Zungenstoß, Legato, kleine Stücke und Duette |
| 2.–3. Jahr | c′–g‴, alle Tonleitern bis vier Vorzeichen, Dynamik, Ensemble und Schülerorchester |
| 4.–5. Jahr | ganzer Umfang, Vibrato, Doppelzunge, Barocksonaten (Händel, Telemann), Köhler- und Andersen-Etüden |
| Fortgeschritten | Mozart-Konzerte, französisches Repertoire, Tripelzunge, Piccolo, Orchesterstellen |
| Studienvorbereitung | Bach-Sonaten und Partita, Prokofjew, Ibert, Poulenc, zeitgenössische Werke, Probespielliteratur |
Viele beginnen mit der Blockflöte und wechseln mit etwa acht bis zehn Jahren; Notenlesen und Griffe sind teilweise vertraut, der Ansatz muss neu erlernt werden.
19Die Querflöte an der Musikschule Cuxhaven
Wir unterrichten Querflöte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – von den ersten Tönen auf dem Kopfstück bis zu Wettbewerben und Studienvorbereitung, klassisch ebenso wie in Jazz, Folk und Pop. Die Lehrkräfte beraten zu Kinderflöten mit gebogenem Kopfstück und Leihinstrumenten und bringen Flötistinnen und Flötisten früh in unsere Ensembles. Verwandt: Oboe, Blockflöte.
20Häufige Fragen
Warum ist die Querflöte ein Holzblasinstrument?
Die Einteilung richtet sich nach der Tonerzeugung (ohne Lippenschwingung wie bei den Blechbläsern), nicht nach dem Material; zudem waren Flöten bis ins 19. Jahrhundert aus Holz.Ab welchem Alter?
Mit gebogenem Kopfstück ab etwa sechs bis sieben Jahren, mit normaler Flöte meist ab acht bis neun. Entscheidend ist, dass die Arme die Flöte ohne Verspannung erreichen.Warum wird mir am Anfang schwindelig?
Weil viel Luft am Mundloch vorbeiströmt und man ungewohnt tief atmet. Das gibt sich mit besserem Ansatz; regelmäßige Pausen helfen.Ringklappen oder geschlossene Klappen?
Für den Einstieg sind geschlossene Klappen einfacher; ab der Mittelstufe bieten Ringklappen Vorteile. Ringklappenflöten lassen sich zunächst mit Stopfen schließen.Silber oder versilbert – hört man das?
Die Unterschiede sind geringer als oft angenommen; Kopfstück, Verarbeitung und die Spielerin prägen den Klang stärker. Ein massives Silberkopfstück ist dennoch das sinnvollste erste Upgrade.Wie laut ist eine Flöte?
Im tiefen Register eher leise, im hohen Register kräftig (Spitzen über 100 dB direkt am Ohr). Das Piccolo ist sehr laut; Gehörschutz auf der rechten Seite ist für Orchestermusiker sinnvoll.Kann man mit Zahnspange Flöte spielen?
Ja, meist nach kurzer Eingewöhnung; Ansatz und Lippenposition passen sich an. Bei Beschwerden hilft Zahnspangenwachs.21Glossar
- Ansatz (Embouchure)
- Lippenstellung und Führung des Luftstrahls.
- Atemstütze
- Kontrollierte Ausatmung durch die Atemmuskulatur.
- Böhm-System
- Moderne Flötenmechanik nach Theobald Böhm (1847).
- Corps de rechange
- Austauschbare Mittelstücke der Barockflöte für verschiedene Stimmtonhöhen.
- Dimo
- Membran auf der chinesischen Dizi.
- Gabelgriff
- Griff mit geschlossenem Loch unterhalb eines offenen.
- H-Fuß
- Fußstück bis zum tiefen h.
- Kopfstück
- Oberer Teil mit Mundloch; klanglich entscheidend.
- Mundlochplatte
- Platte um das Mundloch, an der die Unterlippe anliegt.
- Offset-G
- Nach vorn versetzte G-Klappe.
- Ringklappen
- Klappen mit mittlerer Öffnung.
- Stimmkork
- Kork im Kopfstück; beeinflusst die Oktavreinheit.
- Traversflöte
- Barocke Holzquerflöte mit konischer Bohrung.
- Unterschnitt
- Anschrägung der Mundlochwände.
- Whistle Tone
- Sehr leiser pfeifender Oberton.
- Zirkularatmung
- Einatmen durch die Nase bei gleichzeitigem Weiterblasen.
22Quellen und weiterführende Literatur
- Ardal Powell: The Flute. Yale University Press, New Haven 2002.
- Nancy Toff: The Flute Book. Oxford University Press, 3. Aufl. 2012.
- Theobald Böhm: Die Flöte und das Flötenspiel in akustischer, technischer und artistischer Beziehung. München 1871.
- Johann Joachim Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen. Berlin 1752.
- Jacques-Martin Hotteterre: Principes de la flûte traversière. Paris 1707.
- Paul Taffanel, Philippe Gaubert: Méthode complète de flûte. Leduc, Paris 1923.
- Robert Dick: The Other Flute. Oxford University Press 1975.
- Carin Levine, Christina Mitropoulos-Bott: Die Spieltechnik der Flöte. Bärenreiter, Kassel.
- Neville H. Fletcher, Thomas D. Rossing: The Physics of Musical Instruments. Springer, 2. Aufl. 1998.
- John W. Coltman: Effect of material on flute tone quality. Journal of the Acoustical Society of America 49 (1971).
- Nicholas J. Conard u. a.: New flutes document the earliest musical tradition in southwestern Germany. Nature 460 (2009).
- Artikel „Flöte“ in: MGG; „Flute“ in: Grove Music Online.
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Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven