Percussion
Die weltweite Familie der Schlaginstrumente jenseits des Drum-Sets – von Pauken und Marimba über Congas, Djembe und Tabla bis zu Gamelan, Steelpan und Cajón.
Percussion umfasst alle Schlaginstrumente außerhalb des festen Drum-Sets: das Schlagwerk des Sinfonieorchesters mit Pauken, großer Trommel, Becken und Stabspielen; Handtrommeln aus Lateinamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien; Kleinperkussion wie Shaker, Clave, Tamburin und Cowbell; ganze Instrumentenkulturen wie das indonesische Gamelan oder die Steelbands Trinidads. Schlaginstrumente gehören zu den ältesten Musikinstrumenten überhaupt und sind in jeder Musikkultur zu finden. Wer Percussion lernt, entwickelt ein außergewöhnlich sicheres Rhythmusgefühl, lernt Klangfarben unterscheiden und erschließt sich Musikkulturen aus aller Welt. Dieser Artikel ordnet die Vielfalt, stellt die wichtigsten Instrumente und Traditionen vor und zeigt Wege ins eigene Spiel.
1Systematik
Die Systematik nach Hornbostel und Sachs (1914) ordnet Schlaginstrumente nach dem schwingenden Material und der Art der Anregung:
| Gruppe | Prinzip | Beispiele |
|---|---|---|
| Aufschlagidiophone (111.2) | Körper wird mit einem Schlägel oder der Hand angeschlagen | Xylophon, Marimba, Vibraphon, Glockenspiel, Gong, Tamtam, Triangel, Cowbell, Woodblock, Steelpan |
| Gegenschlagidiophone (111.1) | zwei gleichartige Teile schlagen gegeneinander | Becken, Claves, Kastagnetten |
| Schüttelidiophone (112.1) | Körper oder Füllung wird geschüttelt | Shaker, Maracas, Caxixi, Rasseln, Schellenkranz |
| Schrapidiophone (112.2) | Stab wird über Rillen gezogen | Güiro, Reco-Reco, Ratsche |
| Zupfidiophone (12) | Lamellen werden gezupft | Mbira, Kalimba (Lamellophone) |
| Schlagmembranophone (211) | Fell wird angeschlagen | Pauken, Congas, Bongos, Djembe, Tabla, Taiko, Rahmentrommeln |
| Reibmembranophone (23) | Fell wird über Reibung angeregt | Cuíca (Brasilien), Rummelpott |
Die Cajón ist streng genommen ein Idiophon, denn die hölzerne Schlagplatte schwingt, nicht ein Fell; praktisch wird sie wie eine Handtrommel gespielt. Zweite wichtige Unterscheidung: Instrumente mit unbestimmter Tonhöhe liefern Rhythmus und Klangfarbe, Instrumente mit bestimmter Tonhöhe – Stabspiele, Pauken, Röhrenglocken, Steelpan – spielen Melodien und Harmonien.
2Orchesterschlagwerk
Das Schlagwerk des Sinfonieorchesters entwickelte sich aus Pauken und Trompeten der Hof- und Militärmusik und wuchs vor allem im 19. und 20. Jahrhundert. Die „türkische Musik“ der osmanischen Janitscharenkapellen (große Trommel, Becken, Triangel) regte im 18. Jahrhundert Mozart (Die Entführung aus dem Serail, 1782) und Haydn („Militärsinfonie“, 1794) an; Beethoven setzte sie im Finale der 9. Sinfonie ein.
| Instrument | Merkmale | Bekannte Einsätze |
|---|---|---|
| Große Trommel | tiefe Trommel mit zwei Fellen, oft in einem Schwenkrahmen | Verdi, Requiem („Dies irae“); Mahler |
| Kleine Trommel | Orchestersnare mit feinem Teppich | Ravel, Boléro (durchgehendes Ostinato); Nielsen, Sinfonie Nr. 5 (improvisierende Snare) |
| Becken (Paarbecken) | gegeneinander geschlagen; hängendes Becken mit Schlägeln | Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 4 |
| Tamtam, Gong | Tamtam ohne Tonhöhe (Rauschen), Gong mit Kuppel und bestimmter Tonhöhe | Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 6; Puccini, Turandot |
| Triangel | gebogener Stahlstab | Liszt, Klavierkonzert Nr. 1 („Triangelkonzert“) |
| Tamburin, Kastagnetten | Schellenkranz mit Fell; Holzschalen | Bizet, Carmen; Rimski-Korsakow, Capriccio espagnol |
| Röhrenglocken | abgestimmte Metallröhren | Berlioz, Symphonie fantastique; Tschaikowsky, Ouvertüre 1812 |
| Effektinstrumente | Peitsche, Ratsche, Windmaschine, Donnerblech, Amboss, Hammer | Strauss, Alpensinfonie; Wagner, Rheingold (18 Ambosse); Mahler, Sinfonie Nr. 6 (Hammer) |
3Pauken
Die Pauken sind Kesseltrommeln mit bestimmter Tonhöhe. Ihre Vorläufer, die kleinen Naqqara, kamen mit den Kreuzzügen aus der arabischen Welt nach Europa; die großen, auf Pferden getragenen Pauken der osmanischen und ungarischen Reiterei fanden im 15. Jahrhundert Eingang an europäische Höfe. Pauker und Trompeter waren in einer privilegierten Zunft organisiert. Im Barock stimmte man zwei Pauken meist auf Grundton und Quinte (Bach, Händel), Beethoven erweiterte die Intervalle (Oktaven in der 8. und 9. Sinfonie). Im 19. Jahrhundert ersetzten Maschinen- und Pedalpauken die Handschraubenpauken; die „Dresdner Pauke“ mit Pedalmechanik (Carl Pittrich, 1881) wurde zum Vorbild.
| Pauke (Standardsatz) | Durchmesser ca. | Umfang ca. |
|---|---|---|
| Große Pauke | 32″ (81 cm) | D2–A2 |
| Zweite Pauke | 29″ (74 cm) | F2–C3 |
| Dritte Pauke | 26″ (66 cm) | B♭2–F3 |
| Kleine Pauke | 23″ (58 cm) | D3–A3 |
| Piccolopauke | 20″ (51 cm) | bis C4 |
Pauker stimmen nach Gehör während des Spiels um – eine anspruchsvolle Fähigkeit. Die Kessel bestehen aus Kupfer oder Fiberglas, die Felle aus Kalbfell oder Kunststoff. Man unterscheidet das deutsche System (große Pauke rechts) und das amerikanische (große Pauke links). Große Paukenpartien finden sich bei Beethoven, Berlioz (Requiem mit 16 Pauken), Brahms, Mahler, Strauss, Bartók (Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, Pauken-Glissandi) und Strawinsky (Le Sacre du printemps). Solowerke: Elliott Carter, Eight Pieces for Four Timpani; Philip Glass, Concerto Fantasy für zwei Pauker.
4Stabspiele (Mallets)
| Instrument | Platten | Klingender Umfang (typisch) | Klang |
|---|---|---|---|
| Marimba | Palisander oder Kunststoff, mit Resonanzröhren | A2–C7 (4⅓ Oktaven) oder C2–C7 (5 Oktaven) | warm, weich, tragend |
| Xylophon | Palisander oder Kunststoff | F4–C8; notiert eine Oktave tiefer | hell, trocken, kurz |
| Vibraphon | Aluminium, Resonatoren mit Motor-Rotoren, Dämpferpedal | F3–F6 (3 Oktaven) | lang klingend, schwebend |
| Glockenspiel | Stahl | G5–C8; notiert zwei Oktaven tiefer | glockig, durchdringend |
| Crotales | kleine Bronzescheiben | C6–C8; notiert zwei Oktaven tiefer | glasklar, lang |
| Röhrenglocken | Metallröhren | C4–F5 | Kirchenglocken-Klang |
Die Marimba hat afrikanische Wurzeln (Kalebassen-Xylophone wie das Balafon) und wurde in Mittelamerika, besonders in Guatemala und Chiapas (Mexiko), zum Nationalinstrument; die Marimba-Musik der kolumbianischen und ecuadorianischen Pazifikküste gehört zum UNESCO-Kulturerbe. Die Konzertmarimba mit großem Tonumfang entwickelten Firmen in den USA und Japan im 20. Jahrhundert; Clair Omar Musser und die Japanerin Keiko Abe machten sie zum Soloinstrument. Das Vibraphon entstand 1921 bei der Firma Leedy (Hermann Winterhoff) in den USA; Lionel Hampton, Milt Jackson und Gary Burton machten es zum Jazzinstrument.
Stabspiele werden mit zwei, vier oder sechs Schlägeln gespielt. Für den Vier-Schlägel-Griff haben sich die Techniken Stevens (nach Leigh Howard Stevens, unabhängige Schlägel), Burton (gekreuzt, Jazz-Vibraphon) und traditional/cross grip etabliert. Die Schlägelhärte bestimmt die Klangfarbe: Harte Köpfe (Kunststoff, Gummi) erzeugen einen hellen Anschlag, weiche Garn- oder Wollköpfe einen runden Ton. Beim Vibraphon gehören Pedal- und Handdämpfung (Dampening) zur Technik.
5Handtrommeln der Welt
Lateinamerika und Karibik
| Instrument | Herkunft | Merkmale |
|---|---|---|
| Cajón | Peru (afro-peruanisch, 18./19. Jh.) | Kistentrommel, auf der man sitzt; seit 2001 peruanisches Kulturerbe; durch Paco de Lucía Ende der 1970er-Jahre im Flamenco, heute weltweit in Pop und Unplugged; moderne Modelle mit Snare-Saiten |
| Congas (Tumbadoras) | Kuba | hohe Fasstrommeln: Quinto (hoch), Conga, Tumba (tief); Grundmuster Tumbao |
| Bongos | Kuba (Son) | Trommelpaar Macho/Hembra zwischen den Knien; Grundmuster Martillo; Wechsel zur Campana (Glocke) |
| Timbales | Kuba | Metallkesseltrommeln mit Cowbells; Cáscara-Muster auf der Zarge (Tito Puente) |
| Batá | Kuba (Yoruba-Tradition) | drei sanduhrförmige, beidseitig bespannte Trommeln der Santería-Liturgie |
| Pandeiro | Brasilien | Rahmentrommel mit Schellen; Samba, Choro, Capoeira |
| Surdo, Caixa, Repinique, Tamborim, Agogô, Cuíca | Brasilien | Instrumente der Samba-Batucada |
| Berimbau | Brasilien (Capoeira) | Musikbogen mit Kalebasse |
| Steelpan | Trinidad und Tobago (1930er/40er) | aus Ölfässern gefertigte, gestimmte Metalltrommel; Steelbands mit Tenor-, Double-Second-, Cello- und Basspans; Nationalinstrument |
Afrika
| Instrument | Herkunft | Merkmale |
|---|---|---|
| Djembe | Westafrika (Malinké: Mali, Guinea, Senegal, Elfenbeinküste) | Bechertrommel aus einem Stück Hartholz, Ziegenfell, Seilspannung; Klänge Bass, Tone, Slap; im Ensemble mit den Basstrommeln Kenkeni, Sangban, Dundunba; weltweit verbreitet durch Mamady Keïta und Famoudou Konaté |
| Talking Drum (Dùndún) | Nigeria, Ghana (Yoruba) | sanduhrförmige Trommel, deren Tonhöhe durch Druck auf die Spannschnüre verändert wird; kann die Tonsprache Yoruba nachbilden |
| Sabar | Senegal | mit Stock und Hand gespielt; Mbalax |
| Ngoma | Ost- und Zentralafrika | Oberbegriff für Trommeln und Trommelmusik |
| Balafon | Westafrika | Kalebassen-Xylophon; UNESCO-Kulturerbe (Sosso-Bala) |
| Mbira, Kalimba | Simbabwe, Südostafrika | Lamellophone; die Mbira dzavadzimu der Shona |
| Udu | Nigeria (Igbo) | Tongefäß mit Seitenloch; tiefe, „blubbernde“ Töne |
Naher Osten, Nordafrika, Zentralasien
| Instrument | Merkmale |
|---|---|
| Darbuka (Tabla, Darabukka) | kelchförmige Trommel aus Keramik oder Metall; Schläge Dum (Mitte, tief) und Tek (Rand, hell); Rhythmen (Iqa’at) wie Maqsum, Baladi, Saidi, Ayoub, 9/8-Karsilama |
| Riq | kleine Rahmentrommel mit Schellenpaaren; klassisches Takht-Ensemble |
| Daf, Bendir, Tar | große Rahmentrommeln; Sufi-Musik, Volksmusik; Bendir mit Schnarrsaiten |
| Tombak (Zarb) | persische Kelchtrommel mit virtuoser Fingertechnik |
| Davul | große zweifellige Trommel, mit Zurna im Freien |
Südasien
| Instrument | Merkmale |
|---|---|
| Tabla | nordindisches Trommelpaar: Dayan (rechts, gestimmt) und Bayan (links, Basstrommel mit veränderlicher Tonhöhe); schwarzer Stimmfleck (Syahi); Rhythmuszyklen (Tala) wie Teental (16 Schläge); Silbensprache (Bols); Meister: Ustad Alla Rakha, Zakir Hussain |
| Mridangam | südindische zweiköpfige Fasstrommel der karnatischen Musik; Meister: Palghat Mani Iyer, Umayalpuram K. Sivaraman |
| Kanjira, Ghatam | Rahmentrommel mit Echsenhaut bzw. Tontopf; karnatische Musik |
| Konnakol | südindische Rhythmussprache mit Silben (Solkattu); weltweit als Rhythmuslehre genutzt |
| Dhol | große zweifellige Trommel; Bhangra (Punjab) |
Ostasien und Südostasien
| Instrument / Tradition | Merkmale |
|---|---|
| Taiko (Japan) | große Fasstrommeln; das Ensemblespiel Kumi-daiko wurde ab 1951 von Daihachi Oguchi entwickelt; Gruppen wie Ondekoza und Kodo machten es weltweit bekannt |
| Samul Nori (Korea) | vier Instrumente: Kkwaenggwari (kleiner Gong), Jing (großer Gong), Janggu (Sanduhrtrommel), Buk (Fasstrommel); als Bühnenform 1978 begründet |
| Chinesische Perkussion | Gongs, Becken, Trommeln der Peking-Oper und des Löwentanzes |
| Gamelan (Indonesien) | Ensemble aus gestimmten Gongs, Metallophonen (Saron, Gender), Kesselgongs (Bonang) und Trommeln (Kendang) in den Tonsystemen Slendro und Pelog; javanische und balinesische Tradition; UNESCO-Kulturerbe (2021); beeinflusste Debussy, Messiaen, Britten und die Minimal Music |
Neuere Instrumente
Das Hang, 2000 von PANArt (Felix Rohner, Sabina Schärer) in Bern entwickelt, ist ein Metallklangkörper aus zwei Halbschalen mit gestimmten Tonfeldern, mit den Händen gespielt. Nachbauten heißen Handpan. Die Steel Tongue Drum, das Waterphone und elektronische Percussion-Pads (Roland Octapad, SPD-SX) erweitern die Palette.
6Kleinperkussion
| Instrument | Spielweise | Typische Funktion |
|---|---|---|
| Shaker, Maracas, Caxixi | geschüttelt | durchlaufende Achtel- oder Sechzehntel-Unterteilung |
| Tamburin (Schellenring) | geschüttelt, geschlagen | Backbeat-Verstärkung in Pop, Soul und Gospel |
| Claves | zwei Hölzer gegeneinander | Clave-Rhythmus als Taktgeber |
| Cowbell, Campana, Agogô | mit Stick | Viertel oder Muster in Salsa, Samba und Funk |
| Güiro, Reco-Reco | Stab über Rillen | raschelnde Rhythmen in Cumbia, Son, Merengue |
| Triangel | mit Metallstab, offen oder gedämpft | Akzente; Forró (Brasilien); Orchester |
| Woodblock, Temple Blocks | mit Stick oder Schlägel | trockene Impulse, Effekte |
| Chimes (Windspiel), Ocean Drum, Rainmaker | gestrichen, geschwenkt | Klangflächen, Übergänge |
| Kastagnetten | Fingertechnik (Flamenco) oder auf Brett | spanische Musik, Orchester |
Kleinperkussion wirkt einfach, verlangt aber höchste Präzision: Ein Shaker, der minimal zu früh oder zu spät ist, verändert das Gefühl einer ganzen Band. Studio-Perkussionisten wie Paulinho da Costa, Luis Conte oder Lenny Castro haben ganze Karrieren auf diesem Feingefühl aufgebaut.
7Rhythmische Grundlagen
Clave
Viele afrokubanische Stile ordnen sich um die Clave, ein zweitaktiges Muster aus fünf Schlägen. In der Son-Clave 3-2 fallen im ersten Takt drei Schläge (auf 1, 2+ und 4), im zweiten zwei (auf 2 und 3). Die Rumba-Clave verschiebt den dritten Schlag um eine Achtel nach hinten (auf 4+). Ein Arrangement steht „in 3-2“ oder „in 2-3“; Congas, Piano, Bass und Bläser müssen sich danach richten. Wer „gegen die Clave“ spielt, ist für kubanische Musiker hörbar falsch.
Timeline und Polyrhythmik
Westafrikanische und afrodiasporische Musik arbeitet mit einem Leitmuster, der Timeline, meist auf einer Glocke gespielt. Das bekannteste Beispiel ist das Standard-Glockenmuster im 12/8-Takt (sieben Schläge in zwölf Pulsen), das in Ghana, Nigeria, Kuba (Bembé) und Brasilien vorkommt. Andere Instrumente spielen gleichzeitig Figuren in Zweier- und Dreiergliederung – Polyrhythmik wie 3 gegen 2 oder 4 gegen 3. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Gewebe, in dem jede Stimme einfach, das Ganze aber komplex ist.
Rhythmussprachen
Viele Traditionen vermitteln Rhythmus über Silben: die indischen Bols (Tabla: „dha, dhin, na, tin“) und das südindische Konnakol („ta ka di mi“), die arabischen Dum und Tek, die Kodály- und Gordon-Silben der Musikpädagogik („ta ti-ti“), afrikanische Mnemotechniken. Sprechen vor Spielen ist eine der wirksamsten Lernmethoden.
8Spieltechnik
- Handtrommeln: lockere Schultern, Bewegung aus Arm und Handgelenk, kontrollierter Rebound der Hand. Die Klangfarbe entsteht durch Ort (Mitte, Rand), Fläche (Finger, Handballen, ganze Hand) und Dauer des Kontakts (offen oder gedämpft). Grundschläge bei Congas: Open Tone, Slap, Bass, Muffled, Heel-Tip; bei der Djembe: Bass, Tone, Slap.
- Stabspiele: Anschlagpunkt (Plattenmitte oder -rand, nie über der Knotenlinie), Schlägelwahl, Zwei- und Vier-Schlägel-Technik, Wirbel (Rolls) für lange Töne auf der Marimba, Dämpfen beim Vibraphon.
- Pauken: deutscher Griff (Handrücken oben) oder französischer Griff (Daumen oben), Anschlagpunkt etwa ein Viertel des Durchmessers vom Rand, Wirbel, Dämpfen mit den Fingern, Stimmen nach Gehör, Glissando mit dem Pedal.
- Orchesterschlagwerk: kleine Trommel mit Rudiments und geschlossenem Wirbel, Beckenpaar-Technik, Triangel- und Tamburin-Wirbel, schnelles Wechseln zwischen vielen Instrumenten („Multi-Percussion“).
- Kleinperkussion: kleinste Bewegungen, maximale Präzision; Shaker-Akzente durch Richtungswechsel.
Im Ensemble ist die Kernaufgabe der Percussion das Ergänzen: Instrumente übernehmen verschiedene Unterteilungen und Register, statt alle dasselbe zu spielen. Gute Percussion-Arrangements sind oft sparsam.
9Elementare Musikpädagogik und Rhythmik
Das Orff-Schulwerk (Carl Orff und Gunild Keetman, ab den 1930er- und besonders 1950er-Jahren) machte Stabspiele (Glockenspiel, Metallophon, Xylophon mit abnehmbaren Platten), kleine Trommeln und Körperinstrumente zum Grundstock der musikalischen Früherziehung – heute weltweit verbreitet. Body Percussion (Klatschen, Stampfen, Schnipsen, Brustschläge) ist Übungsmethode und Bühnenkunst zugleich (Keith Terry, Barbatuques aus Brasilien, Stomp). Trommelgruppen, Samba-Bands und Rhythmusprojekte werden in Schulen, Musikschulen und Sozialarbeit eingesetzt, weil sie ohne Vorkenntnisse gemeinsames Musizieren ermöglichen.
10Repertoire und Ensembles
Neue Musik
| Werk | Bedeutung |
|---|---|
| Edgard Varèse: Ionisation (1931) | eines der ersten Werke nur für Schlagwerk-Ensemble (13 Spieler) |
| John Cage: First Construction (in Metal) (1939); Lou Harrison | Percussion-Ensembles der amerikanischen Avantgarde |
| Carlos Chávez: Toccata (1942) | Klassiker des Percussion-Ensembles |
| Béla Bartók: Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug (1937) | Kammermusik mit Pauken und Xylophon |
| Karlheinz Stockhausen: Zyklus (1959) | erstes bedeutendes Solowerk für Multi-Percussion |
| Iannis Xenakis: Psappha (1975), Rebonds (1987–89), Pléïades (1978) | Solowerke und Ensemblewerk für Les Percussions de Strasbourg |
| Steve Reich: Drumming (1971), Clapping Music (1972), Music for 18 Musicians (1976) | Minimal Music, Phasenverschiebung; Einfluss afrikanischer Musik |
| Morton Feldman: The King of Denmark (1964) | sehr leises Solowerk mit bloßen Händen |
| Tan Dun: Water Concerto (1998) | Konzert mit Wasserschlagwerk |
Marimba und Vibraphon
Keiko Abe (Michi, Wind in the Bamboo Grove), Ney Rosauro (Marimbakonzert Nr. 1, 1986), Emmanuel Séjourné (Konzerte), Paul Creston (Concertino, 1940), Darius Milhaud (Konzert für Marimba und Vibraphon, 1947), Minoru Miki, Eric Sammut; Bach-Bearbeitungen auf der Marimba. Im Jazz: Lionel Hampton, Red Norvo, Milt Jackson, Bobby Hutcherson, Gary Burton, Stefon Harris, Joel Ross; Pascal Schumacher (Luxemburg).
Bedeutende Ensembles
Les Percussions de Strasbourg (gegründet 1962), Nexus (Kanada, 1971), Kroumata (Schweden), Amadinda (Ungarn), So Percussion (USA), Percussion Art Ensemble; Taiko-Gruppe Kodo (Japan), Samul Nori (Korea), Steelbands wie Desperadoes (Trinidad).
11Bedeutende Perkussionistinnen und Perkussionisten
| Bereich | Namen |
|---|---|
| Klassik und Neue Musik | Evelyn Glennie, Martin Grubinger, Keiko Abe, Peter Sadlo, Colin Currie, Christoph Sietzen, Vivi Vassileva, Alexej Gerassimez |
| Latin | Chano Pozo, Mongo Santamaría, Tito Puente, Ray Barretto, Giovanni Hidalgo, Changuito, Poncho Sánchez, Sheila E. |
| Brasilien | Airto Moreira, Naná Vasconcelos, Marcos Suzano (Pandeiro), Paulinho da Costa |
| Afrika | Mamady Keïta, Famoudou Konaté, Babatunde Olatunji, Doudou N’Diaye Rose |
| Asien und Nahost | Zakir Hussain, Trilok Gurtu, Glen Velez (Rahmentrommel), Hossam Ramzy, Misirli Ahmet |
| Studio, Pop, Jazz | Luis Conte, Lenny Castro, Bill Summers, Mino Cinelu, Pete Lockett |
12Hören und Gesundheit
Congas, Timbales, Pauken, große Trommel und Becken erreichen sehr hohe Schalldruckpegel; im Orchester sitzen Schlagwerker zudem vor den Blechbläsern. Musiker-Gehörschutz ist deshalb auch für Percussionisten wichtig. Handtrommler sollten auf ihre Hände achten: Aufwärmen, lockere Technik statt Kraft, bei Bedarf Tape oder Handschutz; Blasen und Prellungen sind Zeichen falscher Technik.
13Kauf und Ausstattung
| Instrument | Richtwert (neu) | Hinweis |
|---|---|---|
| Cajón | ca. 80–300 € | mit verstellbaren Snares; Sitzhöhe beachten |
| Shaker- und Kleinperkussion-Set | ca. 30–100 € | ideal für Gruppen |
| Bongos | ca. 80–300 € | Holz oder Fiberglas |
| Congas (Paar mit Ständer) | ca. 400–1.200 € | Naturfell klingt wärmer, Kunstfell ist wetterfester |
| Djembe | ca. 150–500 € | einteiliger Korpus aus Hartholz, gute Seilspannung |
| Darbuka | ca. 60–400 € | Aluminium- oder Keramikkorpus |
| Tabla (Paar) | ca. 300–1.500 € | Stimmhammer, Ringe und Hüllen |
| Marimba (Übungsmodell, 4⅓ Okt.) | ca. 2.000–6.000 € | Konzertinstrumente bis über 20.000 € |
| Glockenspiel mit Übungspad | ca. 100–400 € | Einstieg in Mallets |
| Handpan | ca. 1.000–3.000 € | Qualität und Stimmung stark unterschiedlich |
Worauf achten?
Fell ohne Risse und gleichmäßig gespannt, stabile Stimmmechanik (Congas, Bongos), saubere Kanten (Cajón), passender Ständer oder Gurt, geeignete Schlägel. Bei Stabspielen die Stimmung prüfen (a′ = 440 oder 442 Hz). Gehörschutz für laute Trommeln.14Pflege
- Naturfelle vor Feuchtigkeit, Hitze und direkter Sonne schützen; bei Nichtgebrauch leicht entspannen.
- Seilgespannte Djemben regelmäßig nachspannen (Diamantknoten); Tabla-Felle nur fachgerecht stimmen.
- Stabspiele abdecken, Platten nicht mit Sticks spielen, Schlägel passend wählen; Resonatoren staubfrei halten.
- Holzinstrumente nicht an Heizkörpern lagern; Metallinstrumente trocken halten (Rost).
- Pauken nach dem Spielen abdecken, Felle nicht belasten, Stimmung vor dem Transport lösen oder sichern.
15Percussion lernen
| Phase | Inhalte |
|---|---|
| Einstieg | Puls halten, Körperpercussion, Sprechsilben, Grundschläge auf Cajón oder Djembe, einfache Patterns in der Gruppe |
| Aufbau | Clave und Tumbao, Samba-Grundrhythmen, Kleinperkussion präzise, Notenlesen, erste Mallet-Übungen |
| Vertiefung | Polyrhythmik, Soli, Stilistik (Salsa, Samba, westafrikanische Rhythmen, arabische Rhythmen), Zwei-Schlägel-Technik |
| Fortgeschritten | Vier-Schlägel-Technik, Pauken, Orchesterschlagwerk, Ensemble- und Bandarbeit, Arrangieren |
16Percussion an der Musikschule Cuxhaven
Percussion ist bei uns für Kinder, Jugendliche und Erwachsene offen – als Einzelunterricht, in Gruppen und in unseren Ensembles. Sie eignet sich hervorragend als Einstieg in die Musik und als Ergänzung zum Schlagzeug. In unseren Bands sorgen Cajón, Congas und Shaker für Farbe und Groove.
17Häufige Fragen
Braucht man für Percussion Noten?
Für Handtrommeln zunächst nicht – vieles wird über Sprechsilben und Nachspielen gelernt. Für Stabspiele, Pauken und Orchesterschlagwerk ist Notenlesen notwendig.Was ist der Unterschied zwischen Schlagzeug und Percussion?
Das Schlagzeug ist ein festes Set für eine Person. Percussion umfasst die vielen einzelnen Schlaginstrumente, oft im Zusammenspiel mehrerer Personen.Ist eine Cajón ein guter Schlagzeugersatz?
Für akustische Besetzungen ja; sie ersetzt aber nicht Becken, Hi-Hat und die Unabhängigkeit der Füße.Kann man mit Percussion schon früh anfangen?
Ja. Rhythmik und Orff-Instrumente sind ideale Einstiege im Vorschulalter.Was ist die Clave?
Ein zweitaktiges Leitmuster der afrokubanischen Musik – und der Name der beiden Klanghölzer, auf denen es gespielt wird.Was ist ein Handpan?
Ein gestimmter Metallklangkörper, mit den Händen gespielt; das Original heißt Hang und wurde 2000 in Bern entwickelt.18Glossar
- Batucada
- Brasilianisches Samba-Trommelensemble.
- Bol
- Rhythmussilbe der Tabla.
- Cáscara
- Muster auf der Kesselwand der Timbales.
- Clave
- Leitmuster der afrokubanischen Musik.
- Dum / Tek
- Tiefer bzw. heller Schlag auf der Darbuka.
- Gamelan
- Indonesisches Ensemble aus Gongs und Metallophonen.
- Idiophon
- Selbstklinger: Das Material schwingt.
- Konnakol
- Südindische Rhythmussprache.
- Mallets
- Schlägel für Stabspiele.
- Martillo
- Grundmuster der Bongos.
- Membranophon
- Fellinstrument.
- Polyrhythmik
- Gleichzeitige verschiedene rhythmische Gliederungen.
- Slap
- Scharfer Handschlag auf Congas oder Djembe.
- Tala
- Rhythmuszyklus der indischen Musik.
- Timeline
- Leitmuster einer Glocke in afrikanischer Musik.
- Tumbao
- Grundmuster der Conga.
19Quellen und weiterführende Literatur
- James Blades: Percussion Instruments and Their History. Faber, London 1970, Neuausg. 1992.
- Erich M. von Hornbostel, Curt Sachs: Systematik der Musikinstrumente. Zeitschrift für Ethnologie 46 (1914).
- Siegfried Fink: Lehrwerke und Studien für Schlaginstrumente. Simrock.
- Rebeca Mauleón: Salsa Guidebook for Piano and Ensemble. Sher Music 1993.
- Ed Uribe: The Essence of Afro-Cuban Percussion and Drum Set. Alfred.
- Simha Arom: African Polyphony and Polyrhythm. Cambridge University Press 1991.
- Godfried Toussaint: The Geometry of Musical Rhythm. CRC Press 2013 (zu Clave und Timelines).
- Artikel „Percussion instruments“, „Timpani“, „Marimba“ in: Grove Music Online; Artikel „Schlaginstrumente“ in: MGG.
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Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven