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Instrumentenkunde › Holzblasinstrumente

Die Oboe

Das Sopraninstrument der Doppelrohrblattfamilie – mit einem obertonreichen, sprechenden Klang, der sich selbst im vollen Orchester durchsetzt, und einer Tradition, bei der die Musikerinnen und Musiker ihre Tonerzeuger, die Rohre, meist selbst bauen.

Die Oboe ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konischer Bohrung. Ihr Ton entsteht, wenn der Atem zwei hauchdünn geschabte Blätter aus Pfahlrohr gegeneinander schwingen lässt; die Bohrung formt daraus einen konzentrierten, obertonreichen Klang, der vielen als besonders „sprechend“ und nah an der menschlichen Stimme gilt. Kaum ein anderes Instrument verbindet Handwerk und Musik so eng: Die meisten professionellen Oboistinnen und Oboisten bauen ihre Rohre selbst und passen sie ständig an. Die Oboe entstand um 1660 am französischen Hof aus der lauten Schalmei, eroberte im 18. Jahrhundert Oper, Orchester und Kammermusik und ist bis heute das Instrument, nach dem sich das Orchester stimmt. Zugleich steht sie in einer weltweiten Familie von Doppelrohrblattinstrumenten – von der türkischen Zurna über die indische Shehnai bis zur chinesischen Suona.

Einstiegsalterab ca. 9–11 Jahren (Kinderoboe früher)
Lautstärkemittel, sehr tragfähig
Kosten EinstiegMiete oder Schülerinstrument; laufend Rohre
BesonderheitRohrbau ist Teil der Ausbildung

1Überblick und Einordnung

In der Systematik nach Hornbostel und Sachs gehört die Oboe zu den Aerophonen mit Rohrblatt, genauer zu den Doppelrohrblattinstrumenten mit konischer Bohrung und Klappen (422.112-71). Drei Merkmale bestimmen ihren Charakter:

  • Doppelrohrblatt: Zwei gegeneinander schwingende Blätter bilden den Tonerzeuger – anders als bei Klarinette und Saxophon (einfaches Blatt auf einem Mundstück) und bei der Querflöte (Luftstrahl an einer Kante).
  • Konische Bohrung: Das Rohr weitet sich vom Rohransatz (ca. 3 mm) bis zum Schallbecher (ca. 16 mm vor dem Becher). Deshalb überbläst die Oboe wie Saxophon und Fagott in die Oktave und besitzt alle harmonischen Teiltöne.
  • Kleiner Luftbedarf bei hohem Widerstand: Die winzige Rohröffnung lässt wenig Luft durch; die Oboe verlangt eine besondere Atemtechnik.

Die Oboe ist in C gestimmt, klingt wie notiert und wird im Violinschlüssel geschrieben. Im Sinfonieorchester ist sie meist doppelt besetzt, in spätromantischen Werken dreifach oder vierfach, häufig mit einem Englischhorn. Sie ist fester Teil des Bläserquintetts, der Harmoniemusik (Bläseroktett) und des Blasorchesters und verfügt über ein umfangreiches Solorepertoire.

2Wortherkunft und Namen

Das Wort Oboe geht auf französisch hautbois zurück („hohes Holz“ – „hoch“ im Sinne von laut bzw. hoch klingend). Im Englischen wurde daraus hautboy und schließlich über das Italienische oboe. Im 18. Jahrhundert schrieb man im Deutschen auch Hautbois, Hoboe oder Hautboy; Militärmusiker hießen „Hoboisten“. Heute: engl. oboe, frz. hautbois, ital. oboe, span. oboe, russ. goboi, chin. 双簧管 (shuānghuángguǎn, „Doppelzungenrohr“), jap. オーボエ (ōboe).

3Doppelrohrblattinstrumente weltweit

Doppelrohrblattinstrumente sind uralt und weltweit verbreitet. Viele von ihnen werden mit einer Lippenstütze (Pirouette) gespielt, bei der das Rohr frei im Mund schwingt; dadurch sind sie sehr laut und eignen sich für Freiluftmusik, Feste und Zeremonien.

InstrumentRegionMerkmale und Verwendung
AulosAntikes GriechenlandDoppelpfeife, meist mit Doppelrohrblatt; Theater, Kult, Wettkämpfe
Zurna / Sornai / SurlaTürkei, Iran, Balkan, Kaukasuslaute Kegeloboe mit Pirouette, mit großer Trommel (Davul) bei Hochzeiten und Festen; Zirkularatmung üblich
MizmarArabische WeltVolksmusik Ägyptens und Nordafrikas
ShehnaiNordindienHochzeits- und Tempelinstrument, durch Ustad Bismillah Khan (1916–2006, Bharat Ratna) in die klassische Hindustani-Musik geführt
NadaswaramSüdindiensehr großes, lautes Tempelinstrument der karnatischen Musik
SuonaChinaKegeloboe mit Metallschalltrichter; Hochzeiten, Begräbnisse, Opern; auch im modernen chinesischen Orchester
Hichiriki / PiriJapan / Koreazylindrische Doppelrohrblattinstrumente mit großem Rohr; Gagaku bzw. koreanische Hofmusik
DudukArmenien, KaukasusAprikosenholz, sehr breites Rohr, weicher, klagender Klang; UNESCO-Kulturerbe (2005, 2008)
BombardeBretagnekurze, laute Oboe; zusammen mit dem Dudelsack (Biniou) im „Bagad“
Dulzaina, Gralla, TibleSpanien, KatalonienVolksmusik, Sardana-Kapellen (Cobla)
Schalmei (Shawm)mittelalterliches Europaunmittelbare Vorläuferin der Oboe

Diese Instrumente zeigen, dass die Oboe kein isoliertes europäisches Phänomen ist, sondern der verfeinerte, leiser gewordene Zweig einer weltweiten Familie.

4Geschichte

Die Schalmei

Im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa war die Schalmei das wichtigste Doppelrohrblattinstrument: einteilig gedrechselt, mit weitem Schallbecher, oft mit Pirouette, sehr laut. In verschiedenen Größen (Diskant-, Alt-, Tenorschalmei, Pommer) bildete sie mit Posaunen die „Alta cappella“ der Stadtpfeifer und Hofkapellen, die bei Festen, Prozessionen und Tanz im Freien spielten.

Die Hautbois am Hof Ludwigs XIV.

Um 1657–1670 entwickelten Musiker und Instrumentenbauer am französischen Hof – vor allem Jean Hotteterre und Michel Danican Philidor – aus der Schalmei ein neues Instrument: die hautbois. Die entscheidenden Neuerungen:

  • Die Oboe wurde dreiteilig gebaut (Oberstück, Unterstück, Schallbecher), mit engerer Bohrung und kleineren Grifflöchern.
  • Die Pirouette entfiel: Das Rohr wurde direkt mit den Lippen gespielt, wodurch Dynamik, Klangfarbe und Intonation gestaltbar wurden.
  • Zwei bis drei Klappen (für c′ und es′, letzteres doppelt für links- und rechtshändiges Spiel) erweiterten die Möglichkeiten.

Jean-Baptiste Lully setzte die neue Oboe in Hofballett und Oper ein; sein Ballett L’Amour malade (1657) gilt als eines der frühesten Werke, in denen sie vermutet wird. Um 1680 verbreitete sie sich über ganz Europa: Nach England (Purcell), in die Niederlande (Richard Haka, Jan Steenbergen), nach Deutschland (Johann Christoph Denner, Jacob Denner, Johann Heinrich Eichentopf) und Italien.

Die Barockoboe

Die Barockoboe hatte eine weite Bohrung, große Grifflöcher, zwei oder drei Klappen und wurde mit Gabelgriffen und halb abgedeckten Löchern chromatisch gespielt. Sie galt als besonders stimmähnlich und wurde zum führenden Holzblasinstrument des Barock: Bach setzte sie in über 200 Kantatensätzen ein, oft als Obligato-Partner der Singstimme. Die Stimmtonhöhe lag je nach Ort zwischen etwa 392 (französische Kammerstimmung) und 440 Hz; heute wird Barockmusik meist bei 415 Hz gespielt.

Klassik und frühes 19. Jahrhundert

Ab etwa 1760 wurde die Bohrung enger, der Klang heller und beweglicher; die „klassische Oboe“ (z. B. von Grundmann in Dresden oder Delerablée in Paris) war das Instrument Mozarts und Haydns. Um 1800 kamen weitere Klappen hinzu (as, b, f, später Oktavklappen). Nationale Bauweisen entstanden: In Deutschland und Österreich blieb die Oboe weiter gebohrt und dunkler (Josef Sellner, Stephan Koch in Wien), in Frankreich wurde sie schmaler und heller.

Triébert und das Konservatoriumssystem

Die Pariser Werkstatt der Familie Triébert (Guillaume, später Frédéric Triébert) entwickelte zwischen etwa 1840 und 1880 schrittweise die moderne Oboe. Frédéric Triéberts système 6 (um 1875) wurde 1881/82 von François Lorée weitergeführt und von Georges Gillet am Pariser Conservatoire als Standard eingeführt – daher der Name Konservatoriumssystem (Conservatoire system). Wichtige Merkmale: Ringklappen, zwei Oktavklappen, Gabel-F-Resonanz, doppelte Es-Klappen, tiefes b. Im Laufe des 20. Jahrhunderts setzte es sich weltweit durch; deutsche Hersteller (Mönnig, Kreul, Püchner, Marigaux in Frankreich, später Yamaha in Japan) bauen heute ebenfalls danach.

Die Wiener Oboe

In Wien blieb eine eigenständige Tradition erhalten: Die Wiener Oboe geht auf Instrumente des 19. Jahrhunderts (Koch, Sellner) zurück und wurde von Josef Hajek und später Hermann Zuleger weiterentwickelt. Sie hat eine weitere Bohrung, einen engeren Rohransatz, ein anders geschabtes Rohr, ein abweichendes Griffsystem und einen charakteristisch dunkleren, runderen Klang mit markantem Ton im tiefen Register. Die Wiener Philharmoniker und andere Wiener Orchester spielen sie bis heute; ihr Klang gilt als Teil des „Wiener Klangstils“.

20. und 21. Jahrhundert

  • 1904 Wilhelm Heckel stellt das Heckelphon vor, eine Baritonoboe eine Oktave unter der Oboe.
  • 1920er–1950er Léon Goossens (London) prägt mit einem singenden Vibrato-Ton ein neues Klangideal; Marcel Tabuteau (Philadelphia) begründet die amerikanische Schule mit langem Ausstich.
  • 1945 Richard Strauss komponiert sein Oboenkonzert, angeregt durch den amerikanischen Soldaten und Oboisten John de Lancie.
  • ab 1960 Heinz Holliger erweitert die Spieltechnik (Mehrklänge, Zirkularatmung) und regt Werke von Berio, Henze, Lutosławski, Carter, Ligeti u. a. an.
  • ab 1970 Die historisch informierte Aufführungspraxis belebt Barock- und klassische Oboe wieder.
  • seit 2000 Neue Materialien (Kunststoff-Innenfutter gegen Risse), neue Rohrmaterialien und digitale Messtechnik im Instrumentenbau.

5Aufbau

Bauteile der modernen Oboe
BauteilFunktion
Rohr (Doppelrohrblatt)Tonerzeuger: zwei Blätter aus Pfahlrohr, auf eine Metallhülse mit Korkmantel gebunden; Gesamtlänge meist 70–74 mm
OberstückBeginn der konischen Bohrung, Grifflöcher der linken Hand, Oktavklappen, halbes Loch
UnterstückGrifflöcher der rechten Hand, F-Klappen, Es-Klappen, Daumenstütze
Schallbecher (Becher)Abschluss der Bohrung; prägt die tiefen Töne h und b; meist mit Resonanzloch
Mechanikje nach Modell ca. 20–45 Klappen, Ringe und Hebel aus versilbertem oder vergoldetem Neusilber; Blattfedern und Nadelfedern; Polster aus Kork, Leder oder Kunststoff

Die Innenbohrung ist mit hoher Präzision gedreht; schon Abweichungen von wenigen Hundertstelmillimetern verändern Intonation und Ansprache. Viele Hersteller fügen im Oberstück ein Kunststoff- oder Carbon-Innenfutter ein, um Risse durch Feuchtigkeit und Temperaturwechsel zu vermeiden.

Mechaniksysteme

SystemMerkmaleVerbreitung
Konservatorium, halbautomatischzwei Oktavklappen, die teils selbsttätig, teils bewusst umgeschaltet werden; bessere Kontrolle im hohen RegisterStandard in Deutschland und vielen Ländern
Konservatorium, vollautomatischOktavklappen schalten vollautomatisch; weniger Bewegungen, etwas weniger FlexibilitätFrankreich, USA
Thumbplate-SystemDaumenplatte statt Ringklappe für die linke HandGroßbritannien (traditionell)
Wiener Systemeigene Bohrung, Griffe und RohreWien
Kinder- und Einsteigermodellereduzierte Mechanik, oft ohne tiefe b-Klappe; auch kleinere „Junior-Oboen“ in C oder EsMusikschulen

Wichtige Ausstattungsmerkmale professioneller Instrumente sind die dritte Oktavklappe (für die höchsten Töne), die F-Resonanzklappe (verbessert das Gabel-F), das linke F und linke Es, die tiefe b-Klappe, die Triller-Klappen (c‴/d‴, cis‴/dis‴), die „Banana-Key“ (bei manchen Modellen für Übergänge der rechten Hand) und gelegentlich die tiefe A-Klappe (Spezialinstrumente für Werke wie Mahlers Sinfonien, in denen ein tiefes a verlangt wird).

Hölzer und Materialien

MaterialEigenschaften
Grenadill (Dalbergia melanoxylon)afrikanisches Schwarzholz; sehr dicht, ölhaltig, formstabil; Standardmaterial. Unterliegt seit 2019 nicht mehr den strengen CITES-Beschränkungen für fertige Instrumente, wird aber knapper
Cocobolo, Rosenholz (Palisander), Violettholzwärmere, teils süßere Klangfarbe, andere Optik
Buchsbaumhelles Holz; historische Oboen und Nachbauten
Kunststoff (ABS, Resin)rissfest, pflegeleicht; Schülerinstrumente, Outdoor
Holz-Kompositmaterialienz. B. „Green Line“-Material (Grenadillpulver mit Carbonfasern und Epoxidharz, Buffet Crampon) – rissfest bei holzähnlichem Klang

6Das Rohr

Das Rohr ist die Seele der Oboe. Es bestimmt Klangfarbe, Ansprache, Intonation und Dynamikumfang stärker als das Instrument selbst. Deshalb verbringen professionelle Oboistinnen und Oboisten einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit dem Rohrbau.

Material

Rohre werden aus Pfahlrohr (Arundo donax) gefertigt, einem bis zu fünf Meter hohen Süßgras. Die besten Qualitäten stammen traditionell aus Südfrankreich (Var, Region um Fréjus), daneben aus Spanien, Italien, Argentinien, Kalifornien und China. Das geerntete Rohr wird mehrere Jahre getrocknet und gelagert, dann nach Durchmesser (für Oboe meist 10–11 mm), Wandstärke, Härte und Faserstruktur sortiert.

Arbeitsschritte

  1. Spalten: Das Rohr wird längs in drei Stücke gespalten.
  2. Vorhobeln (Guillotine): Die Stücke werden auf Länge gebracht und außen vorbearbeitet.
  3. Innenhobeln (Gouging): Mit einer Hobelmaschine wird die Innenseite auf eine gleichmäßige Wandstärke von etwa 0,55–0,62 mm gebracht – die wichtigste Grundlage für die Qualität.
  4. Fassonieren (Shaping): Das gefaltete Rohr wird mit einem Fassonmesser in die Umrissform geschnitten; die Fasson beeinflusst Klangbreite, Tonhöhe und Ansprache.
  5. Aufbinden: Die beiden Hälften werden mit Nylon- oder Seidenfaden auf die Hülse gebunden, die Länge festgelegt (meist 70–74 mm), die Seiten abgedichtet.
  6. Ausschaben: Mit einem scharfen Rohrmesser werden Spitze, Herz, Rücken, Kanäle und Seiten in Hundertstelmillimetern ausgearbeitet.
  7. Aufschneiden der Spitze, dann Feinarbeit nach Krähton, Ansprache und Intonation.
  8. Einspielen: Ein neues Rohr verändert sich in den ersten Tagen; es wird schrittweise angepasst.

Ausstich

StilMerkmaleVerbreitung
Kurzer Ausstich (V- oder W-Form)kurze geschabte Zone, viel Holz im Rücken; dunkler, kompakter Klang, stabilDeutschland, Österreich, Europa
Langer Ausstich (U-Form, „American scrape“)lange geschabte Zone mit dünner Spitze und deutlich abgesetztem Herz; flexibel, reich an FarbenUSA (Tradition nach Marcel Tabuteau)
Französischer Ausstichdazwischen, heller KlangFrankreich
Wiener Rohrandere Fasson und Hülse, für die Wiener OboeWien

Krähen

Ein fertiges Rohr wird allein angeblasen („gekräht“). Ein gutes Oboenrohr erzeugt dabei einen Klang mit mehreren Oktaven gleichzeitig, dessen Hauptton je nach Schule etwa bei c″ bis c‴ liegt. Zu hoch krähende Rohre sind oft zu schwer oder zu kurz, zu tief krähende zu leicht oder zu offen.

Kaufrohre, Werkzeug und Kosten

Anfänger spielen fertige Rohre (Naturrohr ca. 20–35 € je Stück; Kunststoffrohre wie „Légère“ oder „Fibercane“ als Alternative). Ab etwa dem dritten bis fünften Unterrichtsjahr lernen Schülerinnen das Nachschaben; ab Oberstufe folgt der eigene Rohrbau. Grundausstattung: Rohrmesser, Schneidbrett, Dorn (Mandrel), Plaque (Zunge zum Unterlegen), Faden, Hülsen und Fassonmesser (ca. 150–400 €); Hobelmaschinen kosten 1.000–3.000 € und werden oft von Musikschulen oder Hochschulen gestellt. Ein Rohr hält bei regelmäßigem Spiel etwa zwei bis sechs Wochen.

7Akustik und Klang

Das Doppelrohrblatt wirkt als druckgesteuertes Ventil: Der Überdruck im Mund drückt die beiden Blätter zusammen und schließt die Öffnung; die Elastizität der Blätter und die Druckwelle aus dem Instrument öffnen sie wieder. Die Luftsäule bestimmt die Frequenz, mit der dies geschieht. Die Rohröffnung schließt sich bei jeder Schwingung fast vollständig; daraus entsteht ein obertonreiches Spektrum.

Weil die Bohrung ein Kegelstumpf ist, verhält sich die Oboe akustisch ähnlich wie ein beidseitig offenes Rohr: Sie besitzt gerade und ungerade Teiltöne und überbläst in die Oktave. Das Spektrum zeigt charakteristische Formanten – Frequenzbereiche mit verstärkten Teiltönen – etwa um 1.000–1.500 Hz und um 3.000 Hz. Sie ähneln Vokalformanten der Stimme und erklären den „nasalen“, sprechenden Klang und die hervorragende Durchsetzungskraft im Orchester.

Der Luftverbrauch ist gering: Ein langer Ton verbraucht deutlich weniger Luft als auf der Querflöte. Deshalb bleibt am Ende einer Phrase oft ungenutzte, kohlendioxidreiche Luft in der Lunge. Oboisten müssen daher vor dem Einatmen bewusst ausatmen („Luft entsorgen“) – eine eigene Atemtechnik.

8Tonumfang und Register

C1C2C3C4C5C6C7C8Oboe: A♯3 (233.1 Hz) bis G6 (1568 Hz)
Klingender Tonumfang Oboe: A♯3 (233.1 Hz) bis G6 (1568 Hz); hell markiert: mit Erweiterung bzw. Spezialtechnik erreichbar (G♯6 bis H6). Darstellung auf einer 88-Tasten-Klaviatur (wissenschaftliche Tonbezeichnung, a′ = A4 = 440 Hz).
RegisterBereichCharakterTechnik
Tiefb – e′kräftig, herb, schwer im PianissimoLippen locker, viel Rohr im Mund
Mittelf′ – c‴das „Kernregister“: gesanglich, am flexibelstenhalbes Loch und 1. Oktavklappe
Hochcis‴ – g‴hell, zunehmend dünner2. und 3. Oktavklappe, Gabelgriffe
Extremas‴ – c⁗schwierig, schneidendSpezialgriffe; Solo- und Neue Musik

Im Orchester gibt der erste Oboist traditionell das a′ zum Einstimmen an (meist 440–443 Hz). Gründe sind die gute Hörbarkeit des Tons, seine stabile Tonhöhe und historisch die Tatsache, dass die Oboe ihre Stimmung am wenigsten verändern kann.

9Die Oboenfamilie

InstrumentStimmungKlingtMerkmale und Repertoire
Oboe musette (Piccolo-Oboe)Es oder Fkleine Terz bzw. Quarte höherselten; Neue Musik
OboeCwie notiertStandard
Oboe d’amoreAkleine Terz tieferLiebesfuß (birnenförmiger Becher); Bach (über 70 Kantaten, Messe h-Moll, Weihnachtsoratorium), Telemann; Ravel Boléro, Strauss Sinfonia domestica
Oboe da cacciaFQuinte tiefergebogen, Schallbecher aus Messing; Bach (Johannes-Passion, Matthäus-Passion, Weihnachtsoratorium)
EnglischhornFQuinte tieferLiebesfuß, S-förmiger Anblasbogen; Dvořák 9. Sinfonie (Largo), Wagner Tristan und Isolde (3. Akt), Berlioz Symphonie fantastique, Rossini Wilhelm Tell, Sibelius Der Schwan von Tuonela
Bassoboe (Baritonoboe)COktave tieferHolst Die Planeten
HeckelphonCOktave tieferweitere Bohrung, kugelförmiger Becher; R. Strauss Salome, Elektra, Alpensinfonie; Hindemith Trio

Der Name Englischhorn (frz. cor anglais) ist nicht sicher erklärt; eine verbreitete Deutung leitet ihn von „cor angélique“ (Engelshorn, wegen Engelsdarstellungen mit ähnlichen Instrumenten) oder „cor anglé“ (gewinkeltes Horn, nach der früher gebogenen Form) ab. Mit England hat das Instrument nichts zu tun.

10Spieltechnik

Haltung

Die Oboe wird in einem Winkel von etwa 30–45 Grad vom Körper weg gehalten. Das Gewicht ruht auf dem rechten Daumen unter der Daumenstütze; ein Halteriemen oder ein Daumenpolster entlastet. Die Ellenbogen sind locker vom Körper gelöst, die Finger gewölbt und nahe an den Klappen.

Ansatz

Die Lippen liegen leicht über den Zähnen und umschließen das Rohr rund und elastisch – nicht beißen, sondern von allen Seiten stützen. Die Menge des Rohrs im Mund, der Lippendruck und die Form der Mundhöhle (Vokalstellung „o“ oder „ü“) steuern Klang und Intonation. Tiefe Töne verlangen mehr Rohr und weniger Druck, hohe Töne weniger Rohr und festere Lippen.

Atmung

Grundlage ist eine tiefe, ruhige Einatmung und eine konstante Atemstütze, weil der Widerstand hoch ist. Wegen des geringen Luftverbrauchs muss vor dem nächsten Einatmen verbrauchte Luft ausgeatmet werden. Viele Oboistinnen beherrschen die Zirkularatmung, bei der durch die Nase eingeatmet wird, während die Wangen weiter Luft in das Rohr drücken.

Artikulation

Die Zungenspitze berührt beim Anstoß die Rohrspitze oder die Unterlippe. Man unterscheidet weiche und harte Anstöße, Doppelzunge („t-k“) und Tripelzunge. Wegen des Widerstands ist eine präzise Koordination von Zunge und Luft nötig, damit Töne sauber ansprechen.

Vibrato

Das Oboenvibrato wird überwiegend aus Zwerchfell und Atemstütze erzeugt, in manchen Schulen ergänzt durch Kehle oder Lippen. Es ist stilabhängig: sparsam und ornamental im Barock, differenziert in Klassik und Romantik, farbig in französischer Musik.

Erweiterte Techniken

Mehrklänge (Multiphonics), Flatterzunge, Glissandi, Vierteltöne und Mikrotöne, Doppeltriller, Obertöne, Klappengeräusche, das Spiel auf dem Rohr allein, Singen und Spielen sowie Zirkularatmung. Maßgeblich wurden sie durch Heinz Holliger und Werke wie Luciano Berios Sequenza VII (1969) erschlossen; das Handbuch Die Spieltechnik der Oboe von Peter Veale und Claus-Steffen Mahnkopf dokumentiert sie systematisch.

11Schulen, Pädagogik und Lehrwerke

TraditionVertreterMerkmale
Französische SchuleGeorges Gillet, Fernand Gillet, Pierre Pierlot, Maurice Bourgueheller, beweglicher Ton, feines Vibrato; Pariser Conservatoire
Deutsche SchuleFritz Flemming, Lothar Koch, Helmut Winschermann, Ingo Goritzkidunkler, runder Ton, kurzer Ausstich
Englische SchuleLéon Goossens, Evelyn Rothwell, Janet Craxtonsingender Ton mit Vibrato, Thumbplate-System
Amerikanische SchuleMarcel Tabuteau (Philadelphia, Curtis Institute), John de Lancie, John Mack, Ray Stilllanger Ausstich, Phrasierungslehre nach „Zahlen“ (Tabuteau)
Wiener SchuleAlexander Wunderer, Hans Kamesch, Karl MayrhoferWiener Oboe, eigene Klangtradition
Schweiz, internationalHeinz HolligerNeue Musik, Erweiterung der Technik
Etüden und Lehrwerke
NiveauWerke
AnfängerOboenschulen (z. B. Christian Schneider „Oboe spielen mit Spaß“, „Die Oboe“ von Gudrun Hinze, Evelyn Rothwell „A Tune a Day“ / „The Oboist’s Companion“, „Essential Elements“)
Unter- und MittelstufeFranz Wilhelm Ferling 48 Etüden op. 31 (das Standardwerk), Henri Brod Etüden, Albert Andraud „Vade Mecum of the Oboist“, Salviani
OberstufeWilhelm Ferling op. 12, Gillet „Études pour l’enseignement supérieur du hautbois“, Pasculli 15 Capricen, Luft 24 Etüden
TechnikTonleitern und Arpeggien (z. B. Sellner-Schule, Hinke), Obertonübungen
RohrbauHandbücher (z. B. David Weber „Oboe Reeds: How to Make and Adjust Them“, Jay Light „Essays for Oboists“)

12Repertoire

Barock

KomponistWerk
Henry PurcellOboen-Obligati in Oden und Opern
Tomaso AlbinoniOboenkonzerte aus op. 7 und op. 9 (besonders op. 9 Nr. 2 d-Moll)
Alessandro und Benedetto MarcelloOboenkonzert d-Moll (Alessandro Marcello; Bach bearbeitete es für Cembalo, BWV 974)
Antonio Vivaldirund 20 Oboenkonzerte (RV 447–465), Konzerte für zwei Oboen
Georg Friedrich HändelOboenkonzerte HWV 301, 302a, 287; Triosonaten; Sonaten
Georg Philipp TelemannKonzerte (u. a. e-Moll, f-Moll), Sonaten, 12 Fantasien (auf Oboe gespielt), Konzerte für Oboe d’amore
Johann Sebastian BachKonzert für Violine und Oboe c-Moll BWV 1060R; rekonstruierte Konzerte F-Dur und A-Dur für Oboe d’amore; zahllose Kantatenobligati (z. B. „Ich habe genug“ BWV 82); Sinfonia der Kantate BWV 156
Jan Dismas ZelenkaTriosonaten für zwei Oboen und Fagott

Klassik

KomponistWerk
Wolfgang Amadeus MozartOboenkonzert C-Dur KV 314 (1777, für Giuseppe Ferlendis; später als Flötenkonzert D-Dur bearbeitet); Oboenquartett F-Dur KV 370 (für Friedrich Ramm); Serenaden und Divertimenti für Bläser (KV 361 „Gran Partita“, KV 375, KV 388)
Joseph Haydn (zugeschrieben)Oboenkonzert C-Dur Hob. VIIg:C1 (Echtheit bezweifelt)
Ludwig van BeethovenTrio C-Dur op. 87 für zwei Oboen und Englischhorn; Variationen über „Là ci darem la mano“ WoO 28; Oktett op. 103
Ludwig August Lebrun, Johann Christian Fischer, Franz Krommer, Jan Václav Kalliwoda, Vincenzo BelliniKonzerte und Solowerke

Romantik

KomponistWerk
Robert SchumannDrei Romanzen op. 94 (1849)
Jan Václav KalliwodaMorceau de salon op. 228; Concertino
Antonio PasculliKonzertfantasien über Opern von Donizetti und Verdi („Paganini der Oboe“)
Carl NielsenZwei Fantasiestücke op. 2
Camille Saint-SaënsSonate D-Dur op. 166 (1921)
Charles Colin, Georges GilletKonzertstücke für das Pariser Conservatoire

20. und 21. Jahrhundert

KomponistWerk
Richard StraussOboenkonzert D-Dur (1945)
Ralph Vaughan WilliamsOboenkonzert a-Moll (1944)
Bohuslav MartinůOboenkonzert (1955)
Paul HindemithSonate (1938)
Francis PoulencSonate (1962); Trio für Oboe, Fagott und Klavier (1926)
Benjamin BrittenSix Metamorphoses after Ovid op. 49 (1951) für Oboe solo; Temporal Variations
Henri DutilleuxSonate (1947)
Bernd Alois ZimmermannOboenkonzert (1952)
Luciano BerioSequenza VII (1969)
Witold LutosławskiDoppelkonzert für Oboe und Harfe (1980, für Heinz und Ursula Holliger)
Elliott CarterOboenkonzert (1987)
Isang YunPiri für Oboe solo (1971); Konzert
Heinz HolligerStudie über Mehrklänge; Sonate
Kalevi Aho, Wolfgang Rihm, James MacMillan, Thomas AdèsKonzerte und Solowerke der Gegenwart

Kammermusik

Bläserquintett (Reicha, Danzi, Nielsen op. 43, Hindemith op. 24/2, Ligeti Sechs Bagatellen, Barber Summer Music); Bläserserenaden und Harmoniemusik (Mozart, Beethoven, Dvořák op. 44, Strauss); Quintette mit Klavier (Mozart KV 452, Beethoven op. 16); Trio mit Fagott und Klavier (Poulenc); Oboenquartett (Mozart); Barocke Triosonaten.

Orchestersoli und Probespielstellen

WerkStelle
Bach, Matthäus-PassionObligati, u. a. „Ich will bei meinem Jesu wachen“
Beethoven, Sinfonie Nr. 3Trauermarsch
Beethoven, Sinfonie Nr. 5Kadenz im 1. Satz
Beethoven, Sinfonie Nr. 6Szene am Bach, Lustiges Zusammensein
Brahms, ViolinkonzertBeginn des Adagios
Brahms, Sinfonie Nr. 12. Satz
Rossini, La scala di setaOuvertüre
Schubert, Sinfonie Nr. 92. Satz
Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 42. Satz
Bizet, Sinfonie C-DurAdagio
Mahler, Sinfonie Nr. 1Soli im 3. Satz
Ravel, Le Tombeau de CouperinPrélude, Menuet
Strawinsky, PulcinellaSerenata
Prokofjew, Peter und der Wolfdie Ente

13Die Oboe jenseits der Klassik

In Jazz und Popmusik ist die Oboe selten, aber präsent: Yusef Lateef, Rahsaan Roland Kirk, Paul McCandless (Oregon, Paul Winter Consort) und Bob Cooper spielten sie im Jazz; in Filmmusik (Ennio Morricones Gabriel’s Oboe aus The Mission, 1986; John Williams, Howard Shore), Musical und Pop-Arrangements wird sie für melancholische und pastorale Farben eingesetzt. In Weltmusik-Projekten begegnet sie verwandten Instrumenten wie Duduk, Zurna oder Shehnai.

14Bedeutende Oboistinnen und Oboisten

EpocheNamen
18. Jh.Giuseppe Sammartini, Johann Christian Fischer, Friedrich Ramm, Ludwig August Lebrun, Giuseppe Ferlendis
19. Jh.Henri Brod, Apollon Barret, Antonio Pasculli, Georges Gillet
frühes 20. Jh.Léon Goossens, Marcel Tabuteau, Fernand Gillet, Evelyn Rothwell
Mitte 20. Jh.Pierre Pierlot, Lothar Koch, Helmut Winschermann, John de Lancie, Ray Still, Manfred Clement
spätes 20. Jh.Heinz Holliger, Maurice Bourgue, Hansjörg Schellenberger, Ingo Goritzki, Douglas Boyd, Jonathan Kelly
GegenwartAlbrecht Mayer, François Leleux, Ramón Ortega Quero, Céline Moinet, Nicholas Daniel, Olivier Stankiewicz, Cristina Gómez Godoy, Katharina Andres
Historische OboePaul Dombrecht, Alfredo Bernardini, Marcel Ponseele, Xenia Löffler, Katharina Spreckelsen

15Ausbildung und Wettbewerbe

Oboe wird an allen Musikhochschulen gelehrt, meist mit Englischhorn als Nebeninstrument und Rohrbau als festem Bestandteil. Bedeutende Wettbewerbe: ARD-Musikwettbewerb (München), Internationaler Oboenwettbewerb Tokio (Sony), Gillet-Fox-Wettbewerb der International Double Reed Society (IDRS), Concours international de hautbois de Paris, Barbirolli International Oboe Competition (Isle of Man), Pasculli-Wettbewerb (Italien), dazu „Jugend musiziert“. Die IDRS ist die internationale Vereinigung der Doppelrohrblattspieler.

16Kauf und Kosten

KategorieRichtwert (neu)Hinweise
Kinderoboe, Schülerinstrumentca. 1.500–3.500 €Kunststoff oder Holz, reduzierte oder halbautomatische Mechanik; Miete ca. 30–50 € pro Monat
Studieninstrumentca. 4.000–7.000 €Grenadill, halbautomatisch, 3. Oktavklappe
Profiinstrumentca. 7.000–13.000 €handverlesenes Holz, individuell abgestimmt
Englischhornca. 6.000–15.000 €für fortgeschrittene Spielerinnen
Rohreca. 20–35 € je Stück; Rohrbauwerkzeug ab ca. 150 €laufende Kosten einplanen

Checkliste beim Kauf

Mit dem eigenen, bewährten Rohr testen. Dichtheit prüfen (Saugprobe mit verschlossenem Becher), Mechanik geräuschlos und ohne Spiel, keine Risse – besonders im Oberstück zwischen den Tonlöchern. Intonation aller Register mit Stimmgerät; Ansprache der tiefen Töne im Piano. Gebrauchte Oboen immer von einer Fachwerkstatt oder der Lehrkraft prüfen lassen; Holzinstrumente altern.

17Pflege und Wartung

  • Nach jedem Spielen Ober-, Unterstück und Becher mit einem Durchziehwischer aus Seide trocknen; Kondenswasser aus den Tonlöchern (besonders Oktavklappen) mit saugfähigem Papier unter den Polstern entfernen.
  • Rohr ausspülen, in einem luftigen Rohretui lagern, nie im Instrument lassen.
  • Einspielen neuer Holzinstrumente: in den ersten Wochen täglich nur 10–20 Minuten spielen und langsam steigern; das verringert das Rissrisiko.
  • Klima: Temperaturstürze meiden, das Instrument vor dem Spielen in der Hand oder unter dem Arm anwärmen. Nie mit kaltem Instrument sofort kräftig spielen.
  • Korken leicht mit Korkfett versehen; Mechanik nicht selbst ölen oder biegen – Einstellschrauben nur mit Anleitung der Lehrkraft.
  • Werkstatt: Durchsicht etwa einmal jährlich, Generalüberholung je nach Nutzung alle 5–10 Jahre; Risse sofort behandeln lassen (Stiften, Verkleben).

18Gesundheit

Der hohe Blaswiderstand belastet Lippen- und Gesichtsmuskulatur und erzeugt Druck im Kopf- und Halsbereich. Deshalb sind regelmäßige Pausen, ein angepasster Rohrwiderstand (nicht zu schwer), eine gute Atemtechnik und das Ausatmen verbrauchter Luft wichtig. Zahnspangen erfordern oft eine Eingewöhnung. Bei anhaltenden Beschwerden sind musikermedizinische Ambulanzen geeignete Anlaufstellen.

19Oboe lernen

PhaseInhalte
Erste WochenHaltung, Ansatz, Krähen auf dem Rohr, Atmung, erste Töne im Mittelregister (g′–c″)
1. JahrUmfang d′–d″, einfache Lieder, Zungenstoß, Legato, halbes Loch, Notenlesen
2.–3. Jahrc′–c‴, Tonleitern bis drei Vorzeichen, Oktavklappe, Dynamik, Ensemble und Blasorchester
4.–5. Jahrganzer Tonumfang, Vibrato, Ferling-Etüden, Barocksonaten (Händel, Telemann), Rohre nachschaben
FortgeschrittenMozart-Konzert, Schumann-Romanzen, Doppelzunge, eigener Rohrbau, Orchester, Englischhorn
StudienvorbereitungStrauss-Konzert, Poulenc, Britten, Orchesterstellen, vollständiger Rohrbau

Tägliches Üben von 20–30 Minuten ist für Anfänger sinnvoller als lange Einheiten – auch weil Lippenmuskulatur und Atem erst Kondition aufbauen. Viele beginnen mit der Blockflöte und wechseln mit neun bis elf Jahren.

20Die Oboe an der Musikschule Cuxhaven

Die Oboe gehört zu unserem Unterrichtsangebot. Wir beraten bei der Wahl eines geeigneten Leih- oder Kaufinstruments, führen Schritt für Schritt in den Umgang mit dem Rohr bis hin zum eigenen Rohrbau ein und ermöglichen früh das Zusammenspiel in unseren Ensembles. Verwandte Seiten: Querflöte, Blockflöte.

21Häufige Fragen

Ist die Oboe wirklich so schwer?Die ersten Töne gelingen oft schneller als auf der Querflöte. Anspruchsvoll sind Rohr, Atemdruck und Intonation – mit regelmäßigem Unterricht sind sie gut beherrschbar.
Muss ich Rohre selbst bauen?Am Anfang nicht; gekaufte Rohre genügen. Ab mittlerem Niveau lohnt das Nachschaben, später der eigene Rohrbau, weil er Klang und Kontrolle entscheidend verbessert.
Warum stimmt das Orchester nach der Oboe?Weil ihr Ton durchdringend und gut hörbar ist und ihre Tonhöhe sich weniger leicht verändern lässt als bei vielen anderen Instrumenten.
Was ist der Unterschied zwischen Oboe und Klarinette?Die Oboe hat ein Doppelrohrblatt und eine konische Bohrung und überbläst in die Oktave; die Klarinette hat ein einfaches Blatt auf einem Mundstück, eine überwiegend zylindrische Bohrung und überbläst in die Duodezime.
Warum hat das Englischhorn nichts mit England zu tun?Der Name ist vermutlich eine Verballhornung von französischen Bezeichnungen („cor angélique“ oder „cor anglé“) – das Instrument stammt aus Kontinentaleuropa.
Ab welchem Alter?Mit Kinderoboen ab etwa acht bis neun Jahren, mit normalen Instrumenten meist ab zehn bis elf. Entscheidend sind Handgröße und Atemkraft.
Ist die Oboe laut für Nachbarn?Sie ist tragfähig, aber deutlich leiser als Trompete oder Schlagzeug; übliches Üben in der Wohnung ist in der Regel unproblematisch.

22Glossar

Ausstich
Die geschabte Zone des Rohrs; Form (kurz, lang) prägt den Klang.
Conservatoire-System
Heute verbreitetes Mechaniksystem nach Triébert und Lorée.
Doppelrohrblatt
Zwei gegeneinander schwingende Blätter aus Pfahlrohr.
Fasson
Umrissform des Rohrs.
Gabel-F
Alternativer F-Griff; mit Resonanzklappe verbessert.
Halbes Loch
Teilweise geöffnetes Griffloch des linken Zeigefingers.
Hülse
Metallröhrchen mit Korkmantel, auf das das Rohr gebunden wird.
Innenhobeln
Gleichmäßiges Ausdünnen der Innenseite des Pfahlrohrs.
Krähen
Anblasen des Rohrs allein zur Qualitätskontrolle.
Liebesfuß
Birnenförmiger Schallbecher (Oboe d’amore, Englischhorn).
Oktavklappe
Klappe zum Überblasen in die höhere Oktave.
Pfahlrohr
Arundo donax, Rohstoff für Oboenrohre.
Pirouette
Lippenstütze bei Schalmei, Zurna und Suona.
Schalmei
Mittelalterliche Vorläuferin der Oboe.
Wiener Oboe
Eigenständige österreichische Bauform mit dunklerem Klang.
Zirkularatmung
Einatmen durch die Nase ohne Unterbrechung des Tons.

23Quellen und weiterführende Literatur

  • Geoffrey Burgess, Bruce Haynes: The Oboe. Yale University Press, New Haven 2004.
  • Bruce Haynes: The Eloquent Oboe. A History of the Hautboy 1640–1760. Oxford University Press 2001.
  • Peter Veale, Claus-Steffen Mahnkopf: Die Spieltechnik der Oboe. Bärenreiter, Kassel 1994.
  • Philip Bate: The Oboe. An Outline of its History, Development and Construction. Benn, London, 3. Aufl. 1975.
  • Evelyn Rothwell: Oboe Technique. Oxford University Press.
  • David Weber: Oboe Reeds: How to Make and Adjust Them. Instrumentalist.
  • Neville H. Fletcher, Thomas D. Rossing: The Physics of Musical Instruments. Springer 1998.
  • International Double Reed Society: Zeitschrift The Double Reed.
  • Artikel „Oboe“ in: MGG; „Oboe“ in: Grove Music Online.

Stand: September 2026 · Redaktion Musikpedia der Musikschule Cuxhaven